
Der Greenpeace-Report Sharing the Blame: Global Consumption and China's Role in Ancient Forest Destruction (Globaler Holzkonsum und Chinas Beitrag zur Urwalszerstörung) zeichnet ein umfassendes Bild der großen Trends auf dem chinesischen Holzmarkt und benennt Verantwortliche in den Industrieländern inklusive Deutschland. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den Paradieswäldern Südostasiens und Ozeaniens zuteil, da aus diesen 70 Prozent der chinesischen Holzimporte stammen. Anhand von Vor-Ort-Recherchen wird die Kette vom Wald bis zum Endprodukt aufgezeigt.

Etwas nördlich von Shanghai liegt der Hafen von Zhangjiagang - der wohl größte Friedhof für Regenwaldbäume der Welt. Fast drei Millionen Kubikmeter tropische Hölzer mit einem Wert von 400 Millionen Euro fanden hier 2004 Eingang nach China. Auf die Stämme sind die Handynummern der Verkäufer gemalt. Sich illegales Holz zu beschaffen, ist hier einfacher, als sich eine Pizza kommen zu lassen.
Die Stämme werden in eine der vielen tausend Furnierfabriken gebracht, die sich vor allem in den Provinzen Shandong und Jiangsu konzentrieren. Holzstämme aus allen möglichen Urwaldregionen der Welt liegen hier an den Straßenrändern oder in den Höfen und bieten ein schauriges Bild weltweiter Urwaldzerstörung.
Die Furnier-Fabriken haben sich jeweils auf Stämme aus einer Region spezialisiert. Die einen haben nur afrikanische Stämme, die anderen südostasiatische. Tausende kleiner Familienbetriebe arbeiten in diesen Provinzen mit Maschinen, die Tag und Nacht laufen und Arbeitern, die bei 35 Grad Celsius Furniere schneiden. Arbeitssicherheit ist hier ein Fremdwort. Über die Löhne wollte niemand Auskunft geben.
Alle sechs von Greenpeace untersuchten Fabriken verarbeiteten Stämme aus Papua-Neuguinea, deren Herkunft Greenpeace identifizieren konnte: Die Stämme stammten aus Konzessionen, die illegal von der Firma Rimbunan Hijau und anderen eingeschlagen wurden. Eine der Fabriken verarbeitete sogar Meranti-Stämme aus Indonesion, obwohl die Ausfuhr von Holzstämmen aus Indonesien verboten ist.

Die Furniermühlen liefern Furniere an Sperrholzfabriken, die wiederum billiges Sperrholz Made in China produzieren. Diese Sperrholzwerke produzieren alle von den Kunden verlangten Formen und Größen von Sperrholz aus allen gewünschten Baumarten. Der neueste Kassenschlager ist Pappel-Sperrholz mit einer Decklage aus Bintangor.
Trotz mehrfacher Nachfrage war keine der von Greenpeace untersuchten Holzfirmen und Holzhändler in der Lage, Dokumente vorzuweisen, die die Legalität und Nachhaltigkeit der Herkünfte dieser Hölzer belegen könnten. Dies weist darauf hin, dass die Kunden dieser Firmen aus Europa, den USA und Japan noch nie nach der Herkunft der Hölzer gefragt haben, obwohl weithin bekannt ist, dass ein großer Teil aus illegalen Quellen stammt.
Als nächstes wird das Sperrholz zu einem der großen Exporthäfen in Qingdao und Lianyungang gefahren, von wo aus es in die ganze Welt exportiert wird. Innerhalb weniger Monate wurde so aus gestohlenen Bäumen billigstes chinesisches Sperrholz für Baustellen, Plakatwände und andere Billigprodukte.
Greenpeace entdeckte zum Beispiel in der Supermarktkette Netto in der Berliner Prenzlauer Allee Mischpaletten für Hobbymaler aus Sperrholz Made in China. Eine Laboranalyse ergab: Das Sperrholz war aus den tropischen Holzarten Bintangor und Okoume. Preis: 1,99 Euro - ein sehr konkretes Beispiel für den Ausverkauf der Urwälder.
Natürlich liegt die Schuld nicht allein auf Chinas Schultern: Der weltweit steigende Holz- und Papierverbrauch und das Verlangen nach immer billigeren Produkten treiben die Zerstörung der Urwälder voran. China ist dabei eine Durchgangsstation. Ein großer Teil des nach China importierten Holzes wird zu Produkten wie Sperrholz, Möbel oder Papier verarbeitet und nach Europa, Japan und in die USA exportiert. Einige Fakten zur EU:
Vereinzelte Maßnahmen seitens der EU gegen die Dumpingpreise chinesischer Produzenten führten bisher lediglich zu einer Verschiebung der Produktion auf andere Baumarten oder zu noch mehr gefälschten Dokumenten: Seit 2004 gibt es etwa Strafzölle auf Okoume-Sperrholz aus China. Daraufhin wurde nicht etwa auf mehr heimische Hölzer oder legale Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft zurückgegriffen. Nein, innerhalb kurzer Zeit wurde der Markt von Okoume auf Bintangor oder Red Canarium umgestellt. Dem Strom billigen chinesischen Sperrholzes hat dies keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Von 2004 auf 2005 ist der Import in die EU um fast 80 Prozent gestiegen.
Deutschland importierte 2005 aus China Holz im Wert von 211 Millionen Euro, davon Sperrholz im Wert von 29 Millionen Euro. Damit ist China für Deutschland der fünftgrößte Lieferant von Holzprodukten (nach Österreich, Polen, Russland und Finnland). Zusätzlich standen Papier und Zellstoff aus China im Wert von 110 Millionen Euro auf der Einkaufsliste.
Beispiel Sperrholz: Zu den deutschen Firmen, die Bintangor oder ähnliches Sperrholz aus China kaufen, gehören:
Brockmann-Holz GmbH (Düsseldorf), Impan GmbH (Köln), W. Ludwig & Co. Holzhandelsgesellschaft mbH (Hamburg), Gratenau Holz GmbH (Bremen), Enno Roggemann GmbH & Co. KG
(Bremen), Robert Neudeck GmbH & Co. KG (Germersheim bei Karlsruhe), Global Holz GmbH (Rödermark bei Frankfurt am Main), Holz Possling GmbH & Co. KG (Berlin), Bayou Holzwerkstoffe GmbH (Triefenstein-Lengfurt, Bayern),
F.W. Barth & Co. GmbH (Korschenbroich, NRW).
Die Wälder dieser Erde sind weder dem Holzkonsum in den Industrieländern noch dem Boom in China gewachsen. Wenn wir die Urwälder erhalten wollen, müssen die Industrienationen ihren Holzkonsum drastisch reduzieren und Schwellenländer wie China dürfen die Fehler des westlichen Lebensstils nicht wiederholen.
Beispiel Papier: Chinas Pro-Kopf-Papierverbrauch lag 2004 bei 34 Kilogramm. Der Verbrauch in den USA lag bei 312 Kilogramm pro Person. Würden die Chinesen ihren Papierverbrauch auf den der USA anheben, müssten jährlich fast 1,6 Milliarden Kubikmeter Holz zusätzlich gefällt, also die weltweite Holzernte verdoppelt werden.
(V.i.S.d.P. Denise Völker)