
Es war spät nachts im Camp, alle waren nach einem harten Tag voller Arbeit aus dem Wald zurückgekehrt. Erschöpft saßen wir ums Feuer. Einige versuchten, ihre Mungi-Bisse über dem Feuer auszuräuchern. Die Wärme tat gut, es hatte den ganzen Tag geregnet. Und ehe wir es bemerkten, waren wir auch schon dabei, unsere letzten Cracker aufzuessen.
Wir haben nichts mehr zu essen!
Einen Markt gibt es hier weit und breit nicht, und es ist sowieso schon viel zu spät am Abend. Die einzige Möglichkeit ist Fischen. Die Wahl fällt auf Klaas und mich, da wir die einzigen sind, die halbwegs gut mit dem kleinen Kanu umgehen können.
Nachdem wir die letzten zwei Cracker aufgegessen haben, ziehen wir los. Mit an Bord haben wir einen Speer, den uns die Einheimischen da gelassen haben, ein Buschmesser (nur für den Fall des Falles) und das Paddel. Es ist zu regnerisch, deshalb nehmen wir kein GPS-Gerät (zur Standortbestimmung) oder Satellitentelefon mit. Die anderen sind zu müde, um uns zu begleiten. Die meisten sind schon ins Bett gegangen, aber ein paar wärmen sich immer noch am Feuer.
Klaas meistert die Kunst des Steuerns im kleinen Kanu trotz Wellen und Regen. Die Einheimischen haben uns verraten, wo und wie man hier am besten Fische fangen kann. Der Wind drängt uns ab, wir enden in einer kleinen Bucht, weit weg vom Camp, völlig durchnässt. Manchmal fühlen wir uns wie in einer großen Wäscheschleuder. Seegras und Wasserlilien versperren uns den Weg. Aber na ja, irgendjemand musste ja gehen...
So langsam wird uns kalt, aber da, da ist der Fisch den wir suchen! Einige Meter vor mir sehe ich im Licht meiner Taschenlampe den größten Saratoga-Fisch, den ich bis jetzt gesehen habe. Ich stehe im Bug des Kanus und hebe den Speer, ziele auf den Fisch, der jetzt direkt unter der Wasseroberfläche schwimmt. Swoosh, der Speer trifft auf das Wasser, und der Fisch - überhaupt nicht beeindruckt - schwimmt weiter ruhig durch die Wellen und verschwindet in der Dunkelheit.

Der Speer steckt im lehmigen Grund fest, aber ich werde hier auf keinen Fall ins Wasser springen, um ihn rauszuholen. Im Schilf sehe ich ein Krokodil, seine Augen reflektieren das Licht der Taschenlampe. Endlich löst sich der Speer, und Klaas paddelt weiter dem großen Fisch hinterher. Wir wollen ihn, wir brauchen ihn, wir haben Hunger!
Einige Meter weiter finden wir den Fisch wieder. Ich signalisiere Klaas, dem Licht meiner Taschenlampe leise zu folgen. Nur noch ein paar Paddelschläge, diesmal werde ich den Fisch nicht verfehlen! Der Fisch ist groß, ich versuche, auf seinen Kopf zu zielen.
Ich habe ihn! Der Fisch ist stärker als erwartet, er kämpft, um vom Speer frei zu kommen. Nach 15 Minuten haben wir den Speer zerbrochen und die Taschenlampe verloren, aber der Fisch liegt im Kanu. Es war ein harter Kampf, beide Seiten gleich verzweifelt.

Das Kanu kentert beinahe unter dem schweren Gewicht des Fisches, seine Flossen hängen über die Seiten des Kanus. Wir brauchen eine weitere Stunde, um zum Camp zurückzupaddeln. Erleichtert machen wir Witze über unsere erfolgreiche Jagd, und malen uns schon das herzliche Willkommen der anderen bei unserer Rückkehr aus.
Zurück im Camp, alle anderen schlafen. Es ist früher Morgen, nur ein paar Stunden vor Sonnenaufgang. Wir schneiden einen Bambusstock und spalten ihn, so wie die Einheimischen es hier machen. Wir putzen den Fisch (und alles andere), und binden ihn mit ein paar Lianen am Stock über dem Feuer fest. Das wird ein leckeres Frühstück! Stolz und glücklich fallen wir unter unsere Moskitonetze.
Als am nächsten Morgen die anderen aufstehen, ist der Fisch zu einer Größe von ungefähr 10 Zentimetern zusammengeschrumpft. Das muss das Feuer gewesen sein! Keiner glaubt uns, wie wir die letzte Nacht gekämpft haben.
So ist das Leben im Busch, immer am Limit.