
Einige wenige Worte habe ich vor der Abreise und während einiger Tage in Port Moresby schon lernen können, wie zum Beispiel Iko-Forestri oder Ich freue mich, dich kennen zu lernen oder - ganz wichtig - Ich will noch mehr Pidgin lernen. Überall stieß besonders diese Formel auf großes Gelächter. Zum einen war sie wahrscheinlich doch nicht ganz richtig. Zum anderen aber freuten sich die Menschen darüber, dass ich es wenigstens versuchte.
Papua Pidgin ist in der Kolonialzeit Papua-Neuguineas entstanden, anfänglich als eine Mischung aus einigen Lokalsprachen, Englisch und - ja, Deutsch. Haus heißt Haus. Haus Kuk ist die Küche.
Hier am Lake Murray sprechen die Menschen zwar auch Pidgin, untereinander aber sprechen sie meist ihre eigene Sprache. Die meisten Leute hier in unserem Team entstammen dem Kuni-Volk und sprechen daher die Kuni-Sprache.
Naja, dann lerne ich halt etwas Kuni. Der erste Satz war Ich hab Hunger, den hatte ich dann aber nach dem Essen schon wieder vergessen. Dann eben Gute Nacht, Lowa MBoma. Alle in der Küche hatten einen Riesenspaß, wie ich mich abrackerte und versuchte diese vollkommen neue Sprache korrekt auszusprechen. Murray, einer aus unserem Camp, meinte, es gibt bisher noch keine Wörterbücher und Übersetzungen für diese Sprache, so wenige Menschen sprechen sie.
Das Nachbarvolk, der Begoa-Stamm, spricht schon wieder eine andere Sprache, Begoa. Viele von ihnen sprechen aber auch Kuni. Und heute wollten die Vertreter der Begoa und der Kuni an unserem Feuer unbedingt, dass ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihren Sprachen kennen lerne.
In allen Paradieswäldern zusammen, von Südostasien über Indonesien und Papua-Neuguinea bis zu den Salomoninseln, werden ungefähr 1150 Sprachen gesprochen. Ein Sechstel aller Sprachen weltweit. Unglaublich, man müsste so viel Zeit hier verbringen, um diese Kulturen überhaupt begreifen zu können. Traumhaft.
Jetzt sitze ich hier in unserem Busch-Büro und will noch ein paar Kleinigkeiten aufschreiben. Die vielen Eindrücke der vergangenen Tage geben mir das Gefühl, ich sei schon viel länger hier als das eigentlich der Fall ist.
Demnächst werden wir, Klaas und ich, wieder für einige Tage im Wald verschwinden, um dort gemeinsam mit den Förstern und dem Barramundi-Clan in ihrem Gebiet zu arbeiten. Letzte Woche haben wir die drei Förster kennengelernt, Brian, Samuel und Peter. Sie arbeiten für die Foundation for People and Community Development (FPCD) und unterstützen Öko-Forstprojekte von kleinen Gemeinschaften, Klans, Stämmen und Dörfern in ganz Papua-Neuguinea.

Hier in der Western-Provinz arbeitet die FPCD mit Greenpeace, Barefoot und anderen Verbänden gemeinsam an diesem Projekt. In verschiedenen Schritten bauen sich die einheimischen Klans mit Hilfe der Verbände ein Iko-Forestri-Projekt auf (Pidginenglisch für Öko-Forstprojekte).
Die Förster der FPCD helfen bei der Demarkierung des Landes und bei der Inventur der Bäume auf dem jeweiligen Gebiet. Außerdem schulen sie die Projektteilnehmer in der Auswahl der Bäume zum Fällen, in der Weiterverarbeitung und in der Pflege des Waldes.
Klaas und ich werden also in den nächsten Tagen bei der Inventur eines neuen Gebietes helfen, irgendwo im Wald für ein paar Tage in einem provisorischen Camp schlafen und gemeinsam mit dem einheimischen Klan Bäume zählen, messen und markieren. Ich - als Öko - werde vielleicht sogar mal einen Baum umarmen müssen, rein beruflich natürlich. Mal sehen... Sobald ich zurück bin, erzähle ich euch mehr darüber.
Noch eine Kleinigkeit zu diesem Projekt, zu der Global Forest Rescue Station und Iko-Forestri: In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht. Greenpeace unterstützt die Einheimischen dabei, ihren Wald wirtschaftlich zu nutzen. Wie kann das sein? Weltweit sind doch die großen Waldgebiete akut bedroht durch eben den Einschlag und menschliche wirtschaftliche Nutzung.
Natürlich, hier geht es um den Erhalt des Waldes - als Lebensraum, als Ort einzigartiger Biodiversität (und auch Schönheit) und als Lunge der Erde. ABER es geht auch um die Menschen. Diese Menschen brauchen den Wald - und dieses Projekt ermöglicht ihnen wirklich, ihren eigenen Wald zu verwalten und zu bewahren.
Die indigenen Völker des Lake Murray setzen sich mit der Zerstörung ihrer Wälder auseinander und entscheiden sich bewusst für ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Waldnutzung. Dadurch werden diese Waldgebiete aus den staatlich verwalteten Konzessionen herausgenommen und bleiben Eigentum und Heimat der hiesigen Völker.
Ich bin bisher schwer beeindruckt - von dem Projekt, seiner Reichweite und allen Menschen, die daran beteiligt sind.
So, jetzt muss ich mich aber vor den Moskitos retten. Moskitos, Mungis, Fliegen und Krokodile habe ich Euch bisher verschwiegen, oder?
Bis bald, Florian