
1. März 2006
Es regnet. Ich sitze in unserem Büro aus Bambus, mit einem Dach aus Palmblättern und schaue auf den Murraysee hinaus. Vielleicht finde ich endlich etwas Zeit, um aufzuschreiben, was hier passiert. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich mir selber sage Unglaublich, du bist am Lake Murray. In Papua-Neuguinea
.
Vor einigen Tagen sind wir in Port Moresby ins Flugzeug gestiegen, um hierher in den Wald zu gelangen. Wir, das sind Klaas und ich, zwei Greenpeace-Ehrenamtliche aus Holland und Deutschland, zwei Kamerafrauen und eine Fotografin, plus drei weitere aus dem Team von Greenpeace Papua-Neuguinea.
Das Flugzeug ist zu klein, um auch noch unser ganzes Frachtgepäck mitzunehmen. Auf dem Rollfeld sehen wir noch einen ganzen Rollwagen mit wichtigen Teilen unserer Ausrüstung, zum Beispiel Wasserfiltern, Lampen und Zubehör für unser Funkgerät. Morgen
, sagt man uns, ganz bestimmt
. Zeit ist ein Thema für sich, vielleicht komme ich mal dazu, etwas darüber zu schreiben.

In Kiunga, einer etwas größeren kleinen Stadt im Westen von Papua-Neuguinea, müssen wir umsteigen. Die Menschen kennen Greenpeace, einige erwarten uns schon. Einer hat sogar ein kleines Schild gemalt: GREENPEACE. Einige kommen auf uns zu und wollen unsere Hände schütteln: Herzlich willkommen
.
Unglaublich (schon wieder), sogar der Handgruß funktioniert hier anders: Erst schütteln sich beide die Hand, wie wir das auch machen. Beim Loslassen aber greifen beide mit jeweils zwei Fingern nach einem Finger des Anderen. Diese werden dann derart auseinander gezogen, dass die Finger schnippen. Das braucht etwas Übung, sorgt aber immer wieder für Belustigung bei allen Beteiligten und Umstehenden, auch wenn es mal nicht so gut klappt.
Von Kiunga aus geht es in einer Cessna weiter, einem kleinen Flugzeug mit Platz für fünf Passagiere. Mit unserem ganzen Gepäck müssen wir also zweimal fliegen. Jeder hat einen Fensterplatz, beim kleinsten Windstoß wackelt die ganze Maschine, dem Piloten kann man direkt über die Schulter schauen.
Den ganzen Flug über drücke ich meine Nase am Fenster platt. Wir fliegen nicht besonders hoch über den Wald hinweg. Alles unter uns ist Wald, wilder weiter Wald. Große und kleine Flüsse ziehen sich mit unendlichen Windungen durch die Landschaft. Und plötzlich, mitten drin, irgendwo im tiefen Grün ist eine Hütte. Unglaublich, mitten im Wald ist Leben. Eine kleine Hütte, gedeckt mit Palmblättern. Ich bin sehr gespannt, wie unser Camp im Wald wohl aussehen wird.
Nach nur 25 Minuten erreichen wir Baboa Station, eine Landepiste direkt am Lake Murray. Nachdem wir einer ganzen Menge Neugierigen die Hände geschüttelt und hallo gesagt haben, laden wir unser Material für die letzte Teilstrecke in ein Boot um. Wir werden von Sep gefahren, einem guten Bekannten von Greenpeace.
Nach einer kurzen Shoppingtour durch benachbarte Dörfer und Inseln - wir kaufen noch Bananen, Cracker, Tarowurzeln und Süßkartoffeln - bringt Sep uns auf einer Abkürzung über einen Sumpf zum neuen Camp. Irgendwann muss ich nochmal mehr über den See selber erzählen, bisher scheint es mir fast unmöglich, mich hier zurechtzufinden. Die Leute hier kennen aber jede Insel und jede noch so entfernte Anlegestelle.
Jetzt also unser neues Zuhause, unglaublich. Unter den Bäumen einer kleinen Landzunge haben Sep und einige Jungs aus seinem Dorf die Hütten des Camps vorbereitet. Unser Schlaf- und Wohnhaus ist etwa acht Meter breit und 20 Meter lang. In etwa drei Meter Höhe zieht sich eine Ebene zum Schlafen durch drei Viertel der Hütte. Das restliche Viertel ist unsere Küche. Dort ist unsere Feuerstelle. Die vier Seiten sind offen, nur bei sehr starkem Regen verhängen wir eine Seite mit Planen.
Neben dem Wohnhaus gibt es eine weitere kleine Hütte, diesmal jedoch deutlich flacher. Darin bewahren wir unsere ganze Ausrüstung zur Feldmarkierung und Kommunikation auf, es ist unser Büro. Bei beiden Hütten ist das Dach kunstvoll mit den Blättern der Sagopalmen gedeckt, die Stämme der Pfosten werden mit den Fasern der Rattanpflanze verbunden.
Hier mache ich jetzt erstmal Schluss, und gehe frühstücken. Der Regen hat etwas nachgelassen. Später werde ich noch mehr schreiben. Es ist so viel zu erzählen, ich weiß gar nicht, wo ich weiter machen soll.
Bis dann, Florian