
Indonesien besteht aus über 17.000 Inseln, von Sumatra im Osten bis Westpapua/Neuguinea im Westen. Noch sind viele von ihnen mit tropischen Regenwäldern bedeckt. Noch streifen Königstiger und Waldelefanten durch den dichten Dschungel und Orang-Utans hangeln sich von Baum zu Baum. Noch leben indigene Völker mit uralten Traditionen im und vom Wald, der ihnen Wasser, Nahrung und Medizin schenkt. Doch ihr Lebensraum wird bedrohlich kleiner.
Indonesiens riesige Wälder schwinden in rasantem Tempo. Seit 1990 wurden über 28 Millionen Hektar Wald zerstört, eine Fläche fast so groß wie Deutschland. Gut 30 Quadratkilometer täglich fallen Kettensägen und Bulldozern zum Opfer, das ist pro Stunde eine Fläche etwa so groß wie 180 Fußballfelder.

Der Urwald stirbt für den Verkauf von Tropenholz und den lukrativen Anbau von schnell wachsenden Akazien und Ölpalmen in Monokultur. Seit 1990 hat sich die Plantagenfläche für Ölpalmen in Indonesien mehr als verzehnfacht – auf derzeit etwa acht Millionen Hektar. Eine Ausdehnung auf bis zu 20 Millionen Hektar (eine Fläche dreimal so groß wie Bayern) ist geplant.
Das Akazienholz wird zu Zellstoff, also zu Papier verarbeitet, Palmöl fließt unter anderem in die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie, etwa in Schokoriegel und Shampoo, außerdem in Blockheizkraftwerke sowie – vermischt mit fossilem Kraftstoff auf Erdölbasis – in Dieseltanks. Der Export beschert dem Staat und einigen Konzernen Millioneneinnahmen. Doch zu welchem Preis?
In den Urwäldern des Inselreichs leben rund zehn Prozent aller Landtier- und Pflanzenarten, die auf der Erde vorkommen. Einige Tiere sind ausschließlich in Indonesien heimisch, darunter der Orang-Utan, der Sumatra-Tiger und das Java-Nashorn. Sie stehen auf der Roten Liste der IUCN und sind vom Aussterben bedroht. Laut einer 2008 veröffentlichten Studie internationaler Wissenschaftler sollen noch etwa 6.600 Orang-Utans auf Sumatra leben, auf der größeren Insel Borneo noch rund 54.000 Tiere. Damit ist der Bestand der rothaarigen Menschenaffen seit 1900 um 91 Prozent geschrumpft. Für den Sumatra-Tiger gibt es keine aktuellen Bestandszahlen, die Schätzungen liegen im Mittelwert bei 500 Tigern. Akut bedroht ist das Java-Nashorn, von dieser Art soll es nur noch 40 bis 60 Individuen geben.

Schwindet der Regenwald, verlieren auch die menschlichen Bewohner ihre Lebensgrundlage: Die Gemeinschaften sind auf intakte Urwälder angewiesen, die radikale Zerstörung ihrer Heimat bedeutet für die meisten von ihnen einen Absturz in Armut und Verzweiflung. In vielen Gebieten, die für die Holzindustrie und Ölpalmenplantagen beansprucht werden, sind die Landrechte nicht geklärt. Kleinbauern und indigene Gruppen werden oft mit Gewalt vertrieben.
Urwälder sind aktive Klimaschützer. Sie produzieren Sauerstoff und speichern gigantische Mengen Kohlenstoff – in den Pflanzen, ebenso in den Böden, besonders in uralten feuchten Torfböden, die in Indonesien weit verbreitet sind. Werden die Wälder abgeholzt oder verbrannt und die Torfböden für die Plantagenwirtschaft entwässert, entweicht der Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre. Der Klimawandel wird so gleich doppelt angeheizt.
Deutschland importiert jährlich etwa eine Million Tonnen Palmöl, hauptsächlich von indonesischen Plantagen. Ein Großteil landet in Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs. Meist wird Palmöl nur als pflanzliches Fett bezeichnet, der Verbraucher tappt im Dunkeln. Die Lebensmittelindustrie hat jedoch begonnen, sich mit dem Problemstoff auseinanderzusetzen. Eine Greenpeace-Kampagne gegen den indonesischen Konzern Sinar Mas und einen seiner Kunden, Nestlé, verlief erfolgreich: Der Palmölproduzent kündigte Anfang 2011 an, in Zukunft keine Regenwälder mehr zu zerstören. Greenpeace beobachtet die Umsetzung dieses Versprechens genau.

Auch die Nutzung von Palmöl als Agrotreibstoff treibt den Bedarf nach oben – vor allem durch die Beimischungspflicht von Biosprit zum fossilen Kraftstoff. Greenpeace-Untersuchungen 2011 ergaben: In Deutschland liegt der Anteil von Palmöl an der Beimischung bei durchschnittlich acht Prozent.
Zu den Abnehmern des tropischen Urwaldholzes gehört auch Deutschland. Aus Indonesien importierte Deutschland zwischen 2008 und 2011 Holz- und Papierwaren im Wert von 839 Millionen Euro. Der Großteil der importierten Waren sind Möbel. In Kaufhäusern und Baumärkten werden Möbel aus indonesischem Holz (wie zum Beispiel Teak) als besonders dauerhaft und mit Zeichen wie „aus Plantagenwirtschaft“ beworben. Unerwähnt bleibt, dass auf fast allen Plantagenflächen vormals artenreiche Urwälder wuchsen. Die Politik muss endlich für klare gesetzliche Regelungen sorgen, die den Import von Holz aus zerstörerischem und illegalem Einschlag verhindern.
Auch Unternehmen tragen Verantwortung, etwa beim Papiereinkauf. Greenpeace fand heraus, dass Acer, Xerox und Danone ihre Ware über den indonesischen Papierkonzern Asia Pulp and Paper (APP) beziehen. APP fiel bereits durch zahlreiche Umweltsünden auf, der Konzern war zum Beispiel beteiligt an illegalen Rodungen der Torfregenwälder auf Sumatra und an Landkonflikten mit lokalen Gemeinden. Zudem verarbeitet er tropisches Raminholz, das nach dem CITES-Artenschutzabkommen geschützt ist. Greenpeace hat alle Unternehmen aufgefordert, APP als Geschäftspartner auszuschließen. Einige haben sich schon einsichtig gezeigt und ihre Zusammenarbeit mit dem Urwaldzerstörer beendet. Dazu gehören Unilever, Lego, Adidas, Metro und Tchibo.

Eine ökologische Waldnutzung ist die bessere Alternative zum industriellen Einschlag: kleinstmögliche Eingriffe in das Ökosystem, nur wenige geschlagene Bäume, schonender Transport ohne große Maschinen. Der Verkauf des Öko-Holzes kann die Menschen im Wald mit einem guten Einkommen versorgen und damit ihre Zukunft sichern.
Auch Palmöl lässt sich nachhaltig erzeugen. Greenpeace ist in ein vorbildliches Projekt involviert: Die Dorfgemeinschaft von Dosan auf Sumatra betreibt eine ökologische Ölpalmenplantage ohne Herbizide und mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem, das die Wasservorräte der Region bewahrt. Die Bewohner haben sich zum Urwaldschutz verpflichtet. Es dürfen keine weiteren Gebiete in Plantagen umgewandelt werden. Alle Bewohner Dosans arbeiten mit, sie profitieren sozial und wirtschaftlich, und ihr Engagement für den Erhalt der Wälder schweißt sie zusammen. Ihr Projekt soll Schule machen für weitere ähnliche Projekte in Indonesien und ganz Südostasien.