Undercover: Greenpeace deckt den Weg illegalen Holzes auf" />

Sechs Monate lang waren Greenpeace-Aktivisten undercover unterwegs. Am Montag übergaben sie die heiße Ware der Bundespolizei von Sao Paulo.
Das Holz stammt aus dem nordöstlichen Teil des Bundesstaates Rondonia an der Grenze zu Bolivien. Es wurde in örtlichen Sägewerken zersägt und über einen Mittelsmann gewaschen, das heißt mit falschen Papieren versehen. Wurde per LKW gut 3.000 Kilometer über Bundesstraßen transportiert. Überquerte dabei nicht nur drei innerbrasilianische Grenzen, sondern passierte auch zwei Kontrollpunkte der IBAMA, der brasilianischen Umweltbehörde.
Die riskante Operation hatte zwei Ziele, so Paulo Adario, Greenpeace-Experte in Brasilien: Wir wollen zeigen, wie illegales Holz aus dem Amazonas immer weiter den Markt speist. Und wir wollen Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit sie die Fehler im jetzigen Kontrollsystem korrigiert.

90 Prozent des Einschlags im Amazonas sind nach neuen Schätzungen der IBAMA illegal. Gut ein Drittel allen geschlagenen Holzes wird exportiert, vor allem in die EU und die USA. Die anderen zwei Drittel werden in Brasilien selber verarbeitet - zum Beispiel in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Krankenhäusern.
Adario erkennt an, dass die brasilianische Regierung das illegale Treiben zu stoppen versucht. Doch Polizeiaktionen reichen seiner Meinung nach nicht aus: Das derzeitige System zur Kontrolle des Einschlags muss radikal erneuert werden.
Mit dem spektakulären Coup hat Greenpeace den brasilianischen Behörden nun umfassendes Material in die Hand gegeben. Zwei Teams haben den Weg des Holzes umfassend dokumentiert. Auf allen Stationen, die die getürkte Ware durchlief, waren geheime Kameras dabei. Globo TV, ein führender brasilianischer Fernsehsender, strahlte den Film am Sonntag aus. Zuschauerquote: 40 Millionen.

Das Terrain, auf dem die Greenpeacer sich monatelang bewegten, ist hochgefährlich. Illegaler Einschlag geht einher mit anderen Verbrechen - mit Landnahme und Gewalt, dem Unterschlagen und Fälschen von Dokumenten, Steuerflucht, Sklavenarbeit und unerlaubtem Eindringen in geschützte Gebiete
, so Adario. Im Revier der Holzmafia wird nicht lange gefackelt, wenn es ums Geschäft geht. Auch Mord gehört zum Alltag.
Kriminalität ist im lukrativen Holzgeschäft weltweit anzutreffen. Nicht nur in Brasilien, auch in Russland, Zentralafrika, Asien - und sogar in Deutschland. Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser weist darauf hin, dass es auch bei uns Unternehmen mit krimineller Energie gibt - Unternehmen, die mit Holz und Holzprodukten aus Urwaldzerstörung handeln.
Kaiser: Damit die Kontrollbehörden hier in Deutschland dagegen vorgehen können, ist ein Urwaldschutzgesetz nötig. Besitz und Vermarktung von kriminell gewonnenem Holz müssen strafbar sein. Nur so können Billigimporte aus Raubbau, die zu Lasten der heimischen Waldbetriebe gehen, verfolgt und zur Anklage gebracht werden.
Greenpeace hat den Parteien im Bundestag schon Anfang 2004 einen unbürokratischen Entwurf für ein solches Urwaldschutzgesetz vorgestellt.

Damals stritten sich die Politiker von SPD und CDU/CSU darum, den Entwurf einbringen zu dürfen. Den Antrag, den nun die Grünen stellten, lehnte die Große Koalition am 19. Oktober 2006 endgültig ab. Die Regierung hat keinen eigenen Gegenentwurf vorgelegt. Schwarz-Rot hat zudem bis heute nichts unternommen, um im Rahmen der 2007 bevorstehenden deutschen EU-Präsidentschaft in Europa ein Importverbot von Urwaldholz durchzusetzen.
Daher sollten Verbraucher und Verbraucherinnen nicht länger auf träge Politiker warten, sondern schon jetzt etwas für die Urwälder tun: beim Kauf von Holzprodukten auf das FSC-Zeichen achten. Am FSC-Siegel erkennen Sie, dass ein Produkt aus guter, ökologisch und sozial verträglicher Waldbewirtschaftung stammt.