
Sami gibt es in Schweden, Norwegen, Finnland und Russland. Sie haben ihre eigene Sprache, Kultur und traditionelle Lebensweise. Einige von ihnen finden ihr Auskommen noch traditionell durch Fischen, Jagen, Beerensammeln und Kunsthandwerk, ganz besonders aber durch die Rentierhaltung. Nicht nur ökonomisch ist sie der wichtigste Faktor.
Leben und Arbeitsweise der Sami sind an den inneren Jahresrhythmus der Rentiere angepasst, die halbwild und diesem Jahresrhythmus folgend langsam durch die nordfinnische Landschaft ziehen. Die Rentierhaltung prägt Sprache und Kultur der Sami. Sie stellt nicht nur ein äußerst kompliziertes System im Wechselspiel mit der Natur dar, sondern auch ein soziales System. Sie ist die Grundlage für Zuhause und Kindergarten, für Schule und Universität. Sie prägt Sport, Kunst, Uhrzeit, Kalender und Landkarte. Sie bedeutet Geschichte, Identität und Familie. Sie ist alles - für das Leben der ganzen Gemeinschaft.
Von den rund 6000 Rentierhaltern in ganz Finnland leben fast 1300 im Sami-Gebiet. Sie besitzen schätzungsweise 69.000 Tiere und haben sich zu Kooperativen zusammengeschlossen. Jede Kooperative verfügt über ihr eigenes Gebiet, das bis zu 500.000 Hektar groß sein kann. Um eine Herde zu jeder Jahreszeit und bei jeder Wetterlage ernähren zu können, sind viele unterschiedliche und sehr große Areale nötig.

Die wichtigste Winternahrung der Tiere sind Baum- und Bodenflechten, die vor allem in den Urwäldern wachsen. In den späten Wintermonaten, wenn eine Schneedecke von einem Meter und mehr den Boden bedeckt, sind sie ganz besonders auf die Baumflechten angewiesen. Darum müssen die Herden zum Winter in bewaldete Regionen umgeweidet werden. Die Wälder aber verschwinden in beängstigendem Tempo.
Ist eine Region erst einmal in das staatliche Programm des Forstmanagements aufgenommen worden, ist sie für die Sami-Rentierhalter praktisch verloren. Durch den Holzeinschlag werden die Winterweidegründe zerstückelt und sowohl Boden- als auch Baumflechten zerstört. Es dauert Jahrzehnte, bis die Weidegründe sich erholt haben. Und dann beginnen auch die Forstaktivitäten von Neuem.
90 Prozent des Landes, in dem die Sami leben, gehören dem finnischen Staat. Gleichzeitig gehört dem Staat aber auch die Holzwirtschaft. So erklärt sich, dass der finnische Staat zwar aus ökologischen Gründen Schutzgebiete einrichtet. Jedoch nicht dort, wo das beste und gewinnträchtigste Holz für seine eigenen Geschäfte zu holen ist - in den Urwäldern Nordfinnlands und gleichzeitig besten Winterweiden der Rentierherden. So werden diese lebenswichtigen Futtergründe der Sami-Kooperativen immer weiter dezimiert.
In welcher Größenordnung dies vor sich geht, zeigt das Beispiel der Kooperative Muotkatunturi in der Gemeinde Inari: "Nur sechs Prozent" ihres gesamten Gebiets sind von Holzeinschlägen betroffen. Diese sechs Prozent aber bedeuten für die dortigen Sami-Rentierhalter einen realen Verlust von 30 Prozent an wichtiger Winterweide.
Verlust an Winterweide wiederum bedeutet: mehr Arbeit und höhere Kosten. Es bedeutet auch, dass die Kooperativen weniger Tiere halten können. Das Einkommen sinkt, immer weniger Sami können von der Rentierhaltung leben. Viele sind gezwungen, ihre Region zu verlassen und in fremden Kulturen zu leben. Was also, fragen sich die Sami, sind die Gesetze zum Schutz ihrer Lebensweise und der traditionellen Rentierhaltung wert?
Quelle: Outi Jääskö, Rentierhalterin in der Gemeinde Inari, und Hannu Magga, Rentierhalter in Sodankylä. Kongress McPlanet, 27. bis 29. Juni 2003, Berlin
V.i.S.d.P. Oliver Salge, Stand 7/2003