
Die Fläche des neu geschaffenen Nationalparks erstreckt sich über 74400 Hektar - nicht sehr groß, wenn man sich die ausgedehnten Landschaften Russlands vor Augen führt. Aber immerhin dreimal größer als der Nationalpark Bayrischer Wald und eines der letzten verbliebenen intakten Urwaldgebiete des europäischen Kontinents.
Darüber hinaus ist der Kalevalski-Nationalpark ein kleines Juwel: 70% Urwaldgebiete, 20% Feuchtgebiete und 10% Wasserfläche sorgen dafür, dass zahlreiche seltene Pflanzen und Tiere hier ihre, teilweise einzigartigen, Lebensräume finden. Außerdem sollen weitere 8000 Hektar Urwald in der Umgebung zu regionalen Schutzzonen erklärt werden.

1996 strich Thomas Henningsen, heute Leiter des Wald- und Meeresbereichs bei Greenpeace, zusammen mit weiteren Aktivisten durch das Gebiet, um die finnischen Papierhersteller Enso, der heute Stora Enso heißt, und UPM Kymmene davon abzuhalten, Rohholz in deren finnische Sägewerke und Zellstofffabriken zu schaffen. Nach der Greenpeace-Kampagne mit Aktionen im Urwald, russisch-sprachigen Bannern und vielen tausend Protestpostkarten an und Protestaktionen bei Enso in Düsseldorf, beendeten die Urwaldzerstörer den Holzeinschlag und unterzeichneten ein Einschlagmoratorium. Gemeinsam mit anderen Umweltschutzgruppen schlug Greenpeace daraufhin die Einrichtung des Nationalparks vor.

Dauerhaft geschützte Urwälder regen darüber hinaus die Bildung von Infrastrukturen an, die zukünftig zur nachhaltigen und alternativen Nutzung ökologisch bedeutsamer Regionen immer wichtiger werden - beispielsweise durch sanften Tourismus.
So weit ist es im Kalevalski-Urwald allerdings noch lange nicht: Hier wird es zunächst darum gehen, den Nationalpark gut zu betreuen. So müssen nun überhaupt erst einmal Förster gefunden werden, die sich für das Wohlergehen des Parks einsetzen möchten. Oliver Salge, Greenpeace-Waldkampaigner, denkt schon an den nächsten Schritt: Jetzt muss die finnische Regierung nachziehen und die restlichen Urwälder im Norden Finnlands unter Schutz stellen. Dann wäre wirklich ein großer Wurf für die letzten Urwälder Europas gelungen.