
Im Kongobecken liegt das zweitgrößte tropische Urwaldgebiet der Erde. Es erstreckt sich von Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik über die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo und Äquatorialguinea bis nach Gabun. Über 270 Säugetierarten leben hier, darunter auch unsere nächsten Artverwandten: Tiefland-Gorilla, Schimpanse und Bonobo.
In den letzten Jahrzehnten hat das Kongo Becken über drei Viertel seiner intakten Regenwälder verloren. Die Abholzung der Urwälder und die damit verbundene Wilderei sind eine enorme Bedrohung für die Artenvielfalt in dieser Region. Ausserdem beeinflusst die Forstindustrie das Leben von Millionen Menschen, die in und von diesen Wäldern leben. Tausende sind zur Zeit von den Arbeitsplätzen in der Forstwirtschaft abhängig. Deswegen ist es dringend notwendig, das Forstmanagement in den bestehenden Einschlagsgebieten vor allem im ökologischen und sozialen Bereich zu verbessern.
Statt für nachhaltige Entwicklung zu sorgen, treibt der industrielle Holzeinschlag schon seit vielen Jahrzehnten Umweltzerstörung, Korruption, soziale Konflikte und Armut in der Region an. In diesem höchst problematischen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontext spricht sich Greenpeace gegen eine weitere Ausdehnung des Holzeinschlags aus.
Ohne radikale Fortschritte bezüglich mehr Transparenz und Regierungsverantwortung im gesamten Kongobecken und speziell in der Holzindustrie, wird die Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung durch industriellen Holzeinschlag eine Illusion bleiben. Weder bei den betroffenen afrikanischen Staaten noch auf internationaler Ebene scheint bislang der politische Wille stark genug zu sein, die erforderlichen Reformen umzusetzen.
Initiativen, um Schutzgebiete im Kongobecken zu schaffen und die benötigten finanziellen Mittel zur Verwaltung dieser Gebiete bereit zu stellen, müssen unterstützt und gefördert werden. Darüber hinaus gilt es, wirtschaftliche Alternativen zum Holzeinschlag zu entwickeln, die sozial und ökologisch verträglicher sind.
Der FSC (Forest Stewardship Council) ist zur Zeit das glaubwürdigste Zertifizierungs-System, um verantwortungsbewusste Forststandards zu garantieren. Greenpeace sieht die Entwicklung des FSC im Kongobecken daher als einen Weg, um die Artenvielfalt und die Lebensweise der Menschen, die von diesen Wäldern leben, zu schützen.
Allerdings ist der FSC bisher in keinem der Staaten des Kongobeckens etabliert. Gerade deshalb ist es wichtig, dass nationale FSC-Arbeitsgruppen eingerichtet werden, die nationale FSC-Standards für die Länder im Kongobecken entwickeln können. In der Zwischenzeit müssen FSC-Zertifizierer mit der Interpretation und Umsetzung der internationalen Prinzipien und Kriterien für das Forstmanagment sehr sorgfältig umgehen. Alle Interessenvertreter, sowie das internationale FSC-Sekretariat müssen an der Entscheidung der Zertifikatvergabe beteiligt sein.

Die Firma CIB ist eine Tochterfirma der schweizerisch-deutschen Firmengruppe tt-Timber Group. Hauptteilhaber sind die deutsche Firma Hinrich Feldmeyer Internationale Holzagentur (mit Sitz in Bremen), sowie die tt-Timber Group (mit Sitz in der Schweiz).
Mit einer Gesamtfläche von rund 1,3 Millionen Hektar (dies entspricht fast der Fläche Schleswig-Holsteins, bzw. Thüringens), ist die Firma eine der größten Holzeinschlagsfirmen in der Republik Kongo. Die Holzeinschlagskonzessionen der Firma CIB (Pokola, Kabo, Loundoungou und Toukoulaka, sowie die Bewirtschaftungsfläche von Pikounda Nord) sind von besonderer ökologische Bedeutung und befinden sich in unmittelbarer Nähe des Nouabalé Ndoki-Nationalparks.
Zwischen Greenpeace und der CIB gab es in der Vergangeheit zahreiche Auseinandersetzungen - nicht nur in Deutschland, sondern auch der Schweiz und den Niederlanden. Grund dafür waren vor allem die Zerstörung intakter Waldgebiete, Wilderei und soziale Konflikte.
Im März 2004 kündigte die Firma an, sich FSC zertifizieren zu lassen. Die CIB wäre damit die erste Firma in Zentralafrika, die eine ökologisch und sozial gerechte Waldwirtschaft unter dem Siegel des FSC Zertifikat durchführt. Im Dezember 2004 besuchte Greenpeace deshalb die Konzessionen der Holzeinschlagsfirma CIB im Norden der Republik Kongo. Ziel war es, sich vor dem Hintergrund der angekündigten FSC Zertifizierung ein Bild von der Wirtschaftsweise der Firma vor Ort zu machen.
Der aus dieser Reise entstandene Bericht ist keine FSC-Prüfung im eigentlichen Sinne. Die FSC-Prinzipien und -Kriterien wurden jedoch als Bewertungsmaßstab zu Hilfe genommen, speziell die FSC-Prinzipien zwei und drei (Landnutzungsrechte und Rechte indigener Völker) wurden für die Evaluierung der sozialen Aspekte herangezogen.
Die Untersuchung war insgesamt zu kurz, um ein Detailverständnis für sämtliche Aspekte aller forstlichen Maßnahmen zu entwickeln. Der FSC-Zertifizierer wird neben den im Bericht angesprochenen Themenfeldern noch genauere Erhebungen durchführen müssen. Dazu gehören insbesondere die Arbeitsbedingungen und Rechte der beschäftigten CIB-Arbeiter, die finanzielle Stabilität und Nachhaltigkeit der Firma, die wissenschaftliche Überprüfung der durch die CIB bereitgestellten forstwissenschaftlichen und ökologischen Daten, sowie die Erfüllung der rechtlichen Vorgaben einiger internationaler Konventionen.
Im Bezug auf die angestrebte FSC-Zertifizierung zeigt die CIB ein großes Engagement. CIB hat bereits viele Inititativen auf den Weg gebracht, um eine FSC-Zertifizierung zu erreichen. Das Management scheint sich darüber im Klaren zu sein, dass die Firma noch einen weiten Weg vor sich hat. Sie sind jedoch bereit, verschiedene Aspekte im ökologischen und sozialen Beriech zu ändern und haben dies seit unserem Besuch auch schon getan, insbesondere zur besseren Einbindung der indigenen Bevölkerung.
Dennoch scheint das Ziel der CIB, bis Ende 2005 FSC-zertifiziert zu sein, zu ehrgeizig zu sein. Bislang werden die FSC-Prinzipien noch nicht vollständig erfüllt. Vor allem die Etablierung von Konsultationsprozessen mit der lokalen und indigenen Bevölkerung, wird einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.
Empfehlungen und Forderungen an die CIB
Bislang gibt es deutliche Mängel hinsichtlich kommunaler Daten über die indigene Wald-Nutzung. Die indigenen Gemeinschaften sind nicht ausreichend über die Einschlagspläne der CIB informiert. Weiterhin gibt es innerhalb des CIB-Managementsystems keine ausreichenden Mechanismen zur Konfliktlösung und nur mangelhafte Möglichkeiten für die indigene Bevölkerung mit dem Management zu verhandeln. Diese Probleme müssen gelöst werden, um die FSC Kriterien zwei und drei zu erfüllen.
Der geplante und gesetzlich vorgesehene Bau eines neuen CIB-Sägewerks in der Loundoungou Konzession stellt eine große Hürde für die FSC-Zertifizierung dar, da dieses Gebiet von großer ökologischer Bedeutung ist und in unmittelbarer Nähe des Nouabalé Ndoki-Nationalparks liegt.
Der Bau dieses Sägewerks würde möglicherweise den Verlust von bis zu mehreren tausend Hektar Urwald bedeuten und zu gravierenden Landnutzungskonflikten führen. Auch aus ökonomischen Gründen erscheint der Bau dieses Sägewerks nicht sinnvoll.
Nur wenn die Planungen zum Bau dieses Sägewerkes eingestellt werden, kann ein weiterer Anstieg des Wildfleisch-Handels verhindert und die ökologische Unversehrtheit des Nouabalé Ndoki-Nationalparks langfristig gewährleistet werden. Hierzu müssen Verhandlungen mit der kongolesischen Regierung über die Einstellung dieser Planungen und mögliche Alternativen begonnen werden. Darüber hinaus ist es auch unvermeidlich, die Nutzung der neu gebauten Straße von Loundoungou unter diesen Aspekten neuerlich zu überprüfen.
Es muss sicher gestellt werden, dass die Auswirkungen des Holzeinschlags auf die Artenvielfalt so gering wie möglich gehalten werden. Entsprechend der FSC-Prinzipien müssen die Integrität und die ökologischen Funktionen des Waldes erhalten bleiben. Daten zu beispielsweise den Auswirkungen des Holzeinschlags auf die Verjüngung, die Dichte- und Durchmesser-Verteilung, sowie den Zuwachs der eingeschlagenen Holzarten in den verschiedenen Waldtypen müssen regelmäßig ausgewertet werden. Das Forstmanagement sollte dementstprechend angepasst werden.
Um ein besseres Verständnis der langfristigen Auswirkungen der Forstwirtschaft auf das Waldökosystem zu entwickeln, sollten die eingeschlagenen Baumarten bezüglich ihrer Funktion im Ökosystem Wald untersucht werden. Sobald diese Monitoring-Systeme etabliert sind, sollte das Forstmanagement entsprechend angepasst werden.
Da die CIB in den vergangenen Jahrzehnten hauptsächlich die Baumarten Sapelli und Sipo eingeschlagen hat, ist das Bestandesvolumen dieser beiden Arten stark reduziert worden. Es ist zweifelhaft, ob das Bestandesvolumen sich zukünftig ausreichend erholen kann. Dies sollte mit der Umsetzung des neuen Managementplans bei geplanten Einschlägen dieser beiden Holzarten unbedingt berücksichtigt werden. Die CIB sollte klarstellen, wie sie mit dem Einschlag dieser Arten in ihren Konzessionen zukünftig umgehen wird.
Die CIB sollte das Wissen und Verständnis im Bezug auf die Ökologie der Wälder in ihren Konzessionen erweitern, um den Einfluss des Holzeinschlags auf die im Wald lebenden Arten, so weit wie möglich reduzieren zu können. Die CIB sollte gezielte taxonomische Erhebungen in Referenzflächen veranlassen, um die bereits vorhandenen Daten über Baumarten, Nicht-Holzprodukte und große Säugetiere zu ergänzen. Diese Erhebungen sollten sich besonders mit dem Einfluss des Holzeinschlags auf Organismen beschäftigen, die sensibel und wenig anpassungsfähig sind.
Anhand dieser Organismen lassen sich die Auswirkungen der Fragmentierung ihres Lebensraumes, Randeffekte, Verdichtung des Erdbodens, die systematische Entfernung von Stämmen hoher Durchmesser etc. besser evaluieren. Auf der Grundlage dieser Erhebungen sollten Monitoringsysteme eingerichtet werden. Nur so ist eine angemessene Anpassung ihrer Forstwirtschaft möglich. Ein solches Untersuchungsprogramm sollte vor einer möglichen Zertifizierung veranlasst werden.

Die Effektivität der Anti-Wilderei-Programme muss weiter unabhängig begutachtet werden. Hierbei muss bedacht werden, dass sich Jagdaktivitäten auf benachbarte, unbeobachtete Gebiete verlagern können. Die Kosten dieser Programme in den CIB-Konzessionen sollten vollständig von der Firma getragen werden.
Die finanzielle Nachhaltigkeit der CIB sollte geklärt werden. Hierbei ist besonders wichtig, dass die Firma die Kosten für das Anti-Wilderei-Kontrollprogramm übernehmen sollte. Auch Vorsichtsmaßnahmen im Hinblick auf die wachsende industrielle Infrastruktur, die weiteren Bevölkerungsdruck hervorrufen wird, sollten von der Firma abgedeckt werden.
Viele Diskussionen und Konflikte mit der CIB standen im Zusammenhang mit mangelnder Transparenz. Transparenz spielt im FSC-Zertifizierungsprozess eine große Rolle. Greenpeace in die CIB-Konzessionen einzuladen, war ein guter Schritt in die richtige Richtung, viele wichtige Informationen sind der Öffentlichkeit jedoch noch immer nicht zugänglich (z.B. der von der CIB in Auftrag gegebene Bericht über Defizite bezüglich einer möglichen FSC-Zertifizierung, Gutachten zu Umwelteinflüssen und sozialen Auswirkungen, usw.).
Greenpeace empfiehlt, dass die CIB offene und unabhängige Überwachungssysteme weiterentwickelt und einführt. CIB sollte darüber hinaus öffentlich erklären, dass sie sich den OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen verpflichtet.
Um die politischen Richtlinien mit den Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt und lokaler Gemeinden im nördlichen Kongo in Einklang zu bringen, und den FSC-Zertifizierungen in der Republik Kongo einen entsprechenden Rahmen zu geben, sollte die Regierung der Republik Kongo die Beschlüsse zentraler, internationaler Konventionen umsetzen. Hierbei ist besonders die Verpflichtung zur Umsetzung des Arbeitsprograms der CBD (Konvention zum Schutz der Artenvielfalt) zu Wäldern (2002) und Schutzgebieten (2004) von Bedeutung, wie auch die AFLEG-Erklärung.
Die Regierung sollte den gesetzlichen Rahmen zum Schutz der Rechte der indigenen Bevölkerung klarstellen und stärken.
Bundesunternehmen wie die GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) haben die Firma CIB im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit mit hohen Zuschüssen finanziell unterstützt. Diese Förderungen wurden als so genannte Pilotprojekte, in denen eine Vielzahl von Maßnahmen getestet werden sollten, bewilligt. Falls diese Maßnahmen auch von anderen Firmen in der Region umgesetzt würden, könnte dies einen positiven Effekt auf die Waldbewirtschaftung in ganz Zentralafrika haben.
Greenpeace ist allerdings der Ansicht, dass Investitionen in die Verbesserung der Forstwirtschaft, sowie die Minderung negativer Auswirkungen der Forstwirtschaft eher von den Firmen selbst finanziert werden sollten, als weiterhin durch öffentliche Gelder. Dies erscheint vor allem angesichts der immer noch fehlenden Transparenz bezüglich der Gewinnerwirtschaftung der Holzkonzerne relevant. Eine Evaluierung der Gewinnerwirtschaftung sollte der objektive Maßstab dafür sein, ob die Kosten für die angestrebten Verbesserungen unangemessen hoch sind, oder nicht.
Die begrenzten Gelder der Entwicklungszusammenarbeit sollten konzentriert für den Kampf gegen Armut und den Erhalt der Artenvielfalt eingesetzt werden, sowie um die Bevölkerung einzubinden. Hierzu müssten lokale Gemeinden deutlich gestärkt werden, die in den Wäldern des Kongo Beckens leben.