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Sumatra: Ein Damm gegen Urwaldzerstörung

Gräben durchziehen die Gegend um das Dorf Teluk Meranti in Sumatra. Palmölfirmen ziehen sie durch den Urwald, um den Torfboden zu entwässern, die Wälder abzufackeln und Monokulturen anzulegen. Greenpeace-Aktivisten haben der Gemeinde geholfen, die Entwässerung aufzuhalten: Sie haben einen Damm gebaut. Bei den Arbeiten half auch Mélanie Laurent, bekannt geworden durch den Tarantino-Film Inglourious Basterds.

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Urwaldzerstörung gehört zu den Hauptursachen für den Klimawandel, deshalb bin ich mit Greenpeace hierher gekommen, erklärte Laurent. Wir appellieren an die Regierungschefs, die Entwaldung zu stoppen - hier und überall auf der Welt. Das ist einer der Schlüssel, um die Klimakatastrophe zu verhindern.

Meluk Meranti liegt auf der Halbinsel Kampar im Distrikt Riau. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern hat Greenpeace ein Klimaschutzcamp im Urwald aufgebaut. Vom Camp aus wollen die Aktivisten weitere Dämme auf Kampar bauen. Sie setzen damit eine Arbeit fort, die Greenpeace bereits 2007 begonnen hat.

Die Wälder in Kampar stehen auf bis zu 16 Meter dicken Torfschichten. Torf speichert besonders viel Kohlenstoff. In Kampar sind es etwa zwei Milliarden Tonnen. Dieser Kohlenstoff wird als CO2 wieder freigesetzt, wenn die Urwälder zerstört werden.

Die Zerstörung erfolgt in drei Schritten. Zunächst kommen die Holzfäller und holen die wertvollsten Bäume aus dem Wald. Dann werden Entwässerungsgräben gezogen, um den Boden trockenzulegen. Schließlich wird der restliche Urwald abgeholzt oder niedergebrannt, um Platz für Plantagen zu schaffen.

In Indonesien hängen schätzungsweise zwischen 60 und 90 Millionen Menschen existenziell von den Urwäldern ab. Die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage führt zwangsläufig zu Konflikten. Zwar haben indigene Gemeinden theoretisch das Recht zu kontrollieren, was mit ihrem angestammten Land geschieht. In der Praxis aber setzen Regierung und Unternehmen sich immer wieder über dieses Recht hinweg.

Zum Verlust des Waldes kommen weitere Schädigungen hinzu. Wo Brandrodung üblich ist, leiden rund 30 Prozent der Kleinkinder unter Atemwegserkrankungen und Entwicklungsstörungen. Pestizide aus den Monokulturen verseuchen die Gewässer, der Fischfang geht zurück. In den Torfwaldregionen ist die Armut zwei- bis viermal so hoch wie im restlichen Indonesien.

Zudem heizt die Urwaldzerstörung den Klimawandel an. Indonesien ist mittlerweile allein durch die Vernichtung seiner Torfwälder zum drittgrößten CO2-Emittenten der Welt nach den USA und China aufgestiegen. Deshalb ist Urwaldschutz auch Klimaschutz.

Die Regierungschefs der Welt müssen sich auf tiefe Einschnitte im CO2-Ausstoß und auf die nötige finanzielle Hilfe beim Urwaldschutz einigen, sagt Bustar Maitar vom südostasiatischen Greenpeace-Büro. Anderenfalls gehen wir einem massenhaften Artensterben, Überschwemmungen, Dürren und Hungersnot entgegen.

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