Umweltkatastrophe in Brasilien

Nach der Schlammlawine

Brasilien leidet unter einem folgenschweren Unglück: Die giftige Flut nach zwei Dammbrüchen hat viele Menschen das Leben gekostet. Und die Umweltzerstörung geht weiter.

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Es ist eine der schlimmsten Umweltkatastrophen in der Geschichte Brasiliens: Am 5. November brachen zwei Dämme bei einer Eisenerzmine im Südosten des Landes, 60 Millionen Kubikmeter giftigen Abwassers begruben zahlreiche Dörfer entlang des Rio Doce unter sich. Mindestens siebzehn Menschen wurden dabei getötet, Hunderte haben ihre Heimat verloren – und eine Viertelmillion Menschen sind ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zahlreiche Dörfer und Städte befinden sich im Notzustand.

Das Abwasser der Mine ist mit etlichen Schwermetallen belastet, unter anderem Blei, Arsen und Chrom, das sich nun entlang des Flussbettes ablagert. Dieser Schlamm enthält außerdem Chemikalien, mit denen Verunreinigungen des Eisenerzes beseitigt werden: Sie können den Sauerstoffgehalt des Wassers reduzieren, die Fruchtbarkeit des Landes in Ufernähe vermindern und sobald sie verhärten sogar den Lauf des Flusses verändern. Die Auswirkungen sind über Hunderte von Kilometern spürbar – über den Rio Doce verbreitet sich der giftige Abfall in Richtung Atlantikküste und tötet dabei das Leben darin.

Die Verantwortlichen waren nicht vorbereitet

Dabei hätte das Schlimmste verhindert werden können. Die brasilianische Regierung reagierte nur langsam, zudem erwies sich das Notfallmanagement des Minenbetreibers Samarco als absolut unzureichend. So wurden etwa die vom Unglück betroffenen Gebiete nicht sofort evakuiert. „Sie sprechen von einem Unfall“, so Bruno Weis von Greenpeace Brasilien über die Minenbetreiber. „Aber der hätte leicht vermieden werden können.“

Samarco war auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet: ein Versäumnis, das sich als grob fahrlässig herausstellte, da die betroffenen Dämme offensichtlich in schlechter Verfassung waren. Ein schwaches Erdbeben wird als Grund genannt, dass die Dämme brachen – aber eigentlich hätten sie einer solchen Beanspruchung problemlos standhalten müssen. Die Regierung hat Samarco zu einer Zahlung von einer Milliarde brasilianischer Reais verpflichtet, rund 250 Millionen Euro. Das deckt nicht einmal einen Bruchteil der entstandenen Schäden.

Tausende Leben wurden durch das Unglück beeinträchtigt – Fischer, Bauern, Stadtbewohner und das indigene Volk der Krenak. Zwischen Minas Gerais und Espírito Santo leidet die Umwelt unermesslich. Nun gilt es den Opfern möglichst schnell zu helfen und die Schäden zu minimieren. Greenpeace dokumentiert in Brasilien die Zerstörung und untersucht weiter die Hintergründe dieses menschengemachten Unglücks.

In aller Welt sind Staudämme für Unglücke verantwortlich, darüber hinaus haben sie von Baubeginn an gravierende ökologische und soziale Auswirkungen. Gerade in Brasiliens Wirtschaft spielen Dämme bei Energiegewinnung und Bergbau derzeit allerdings eine große Rolle. „Es ist an der Zeit, diese Infrastrukturen in Frage zu stellen“, so Weis. „Wir müssen uns die Folgen einer unbegrenzten Ausbeutung der Natur bewusst machen und auf zukunftsfähige erneuerbare Energien wie Wind und Sonne setzen.“

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