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Palmöl: fettiges Gold zu Lasten von Regenwald, Klima und Artenvielfalt

Indonesiens Wälder schwinden

Sumatra-Tiger, Nebelparder und Orang-Utan – Heimat all dieser Tierarten ist der indonesische Regenwald, drittgrößter tropischer Regenwald nach Brasilien und dem Kongo-Becken. Doch die industrielle Produktion von Palmöl und Zellstoff droht, diese wertvolle Artenvielfalt zu vernichten.

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Indonesiens Wälder sind von größter Bedeutung: Zum einen sind sie, laut Schätzung der Weltbank, Lebensraum für zwei Drittel aller an Land lebenden Tier- und Pflanzenarten; ein großer Teil davon ist akut vom Aussterben bedroht. Zum anderen sind Wälder als natürliche CO2-Speicher und Senke unsere besten Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Denn die Wälder als weltgrößte ökologische Klimaanlage speichern über 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht in etwa vierzig Mal dem weltweiten Jahresausstoß, der über fossile Brennstoffe emittiert wird. Dennoch sind insbesondere tropische Regenwälder wie in Indonesien seit langem Opfer von Brandrodungen und Abholzungen. Sie weichen Papier- und Palmöl-Plantagen oder werden zerstört, um Papier für bunte Hochglanzmagazine herzustellen.

Palmöl als größter Treiber der Regenwaldzerstörung

Der Haupttreiber der Abholzung des indonesischen Regenwaldes zwischen 2009 und 2011 war der Palmöl-Sektor. Über ein Viertel des Waldverlustes in dieser Zeit ist allein auf ihn zurückzuführen. Inzwischen ist nur noch die Hälfte Indonesiens mit Wald bedeckt, jährlich verschwinden weitere 620.000 Hektar. Für den Anbau von Ölpalmen, deren Fett in den meisten Gebrauchsartikeln wie Schokolade, Waschpulver und Cremes steckt, werden riesige Regenwaldgebiete zerstört und in Ölpalmplantagen umgewandelt. Diese Monokulturen von mehreren tausend Hektar vernichten wichtigen Lebensraum und lassen den Druck auf die verbleibenden Wälder und ihre Bewohner immer weiter steigen. Dazu kommen immense CO2-Emissionen, die durch Brandrodung und durch die Freilegung der Torfböden entstehen. Über 85% der Treibhausgasemissionen des Landes werden laut indonesischer Regierung rein durch Landnutzungsänderungen verursacht. Hauptsächlich bedeutet dies Brandrodung und Holzeinschlag für die Anlage von Plantagen, die Papierproduktion und die Landwirtschaft. Dadurch zählt Indonesien mittlerweile zu den Ländern mit den höchsten Treibhausgasemissionen weltweit.

Die Palmölproduktion nicht auf Kosten des Regenwaldes!

Über die Hälfte des weltweit produzierten Palmöls kommt aus Indonesien und die Nachfrage nach Palmöl steigt weiter. Doch darf diese nicht zu Lasten der verbleibenden Regenwälder erfolgen. Es gibt erste, gute Initiativen, die zeigen, dass dies möglich ist: Einige Palmölerzeuger, darunter Golden Agri Resources (GAR), haben sich verpflichtet, keine weiteren Regenwälder in Palmölplantagen umzuwandeln (Mehr Informationen (englisch)). GAR hat Waldschutzmaßnahmen und eine Methodik entwickelt, mit der auf Basis des Kohlenstoffvorrats ökologisch wertvolle Wälder identifiziert und geschützt werden (Mehr Informationen (englisch)), doch nun müssen diesem Beispiel weitere Unternehmen folgen!

Der Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO): immer noch ein zahnloser Tiger

Als ein Versuch, Palmöl mit weniger dramatischen Auswirkungen für Mensch und Umwelt zu produzieren, wurde im Jahr 2004 der Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO: Roundtable on Sustainable Palm Oil) gegründet. Hierbei handelt es sich um eine freiwillige Vereinigung von Palmölproduzenten, -verarbeitern und -verkäufern, Banken und Investoren und auch einigen NGOs. Auch wenn die Zielsetzung des Runden Tischs an sich in die richtige Richtung geht, ist dieser in Theorie und Praxis zu schwach. Beispielsweise untersagen die RSPO-Standards nicht die Anlage von Plantagen in Regenwaldgebieten und auf Torfböden. Auch sind RSPO-Mitglieder wiederholt durch die Nichteinhaltung der sowieso schon schwachen Reglementierungen aufgefallen, z.B. durch Brandrodung sowie Zerstörung wertvoller Regenwälder (Mehr Informationen (englisch)). Um sicherzustellen, dass kein Palmöl aus Regenwaldzerstörung in ihren Lieferketten landet, können sich Unternehmen daher nicht allein auf den RSPO verlassen.

Dringend benötigt: Einsatz für den Schutz der Tiger-Wälder

Indonesien beheimatet nur noch etwa 400 Exemplare des Sumatra-Tigers, einer extrem bedrohten Regenwald-Tierart mit Reviergrößen bis zu 100 Quadratkilometern. Sein Lebensraum auf der Insel Sumatra schrumpft stetig weiter. Handeln ist daher dringend nötig: Um den Regenwald Indonesiens, die letzten verbleibenden Sumatra-Tiger, Orang-Utans und das Klima zu schützen, fordert Greenpeace die Palmölerzeuger auf, ab sofort keinen Regenwald mehr für Plantagen zu roden. Begleitend muss die indonesische Regierung restriktiver gegen Raubbau, Brandrodung und illegale Plantagen vorgehen sowie ein besseres Schutzkonzept entwickeln und vor allem durchsetzen. Auch dürfen Banken und Investoren umweltzerstörerische Maßnahmen, zum Beispiel die Anlage von Palmölplantagen in Regenwaldgebieten nicht mehr finanziell unterstützen. Firmen, die Palmöl in ihren Produkten nutzen, müssen auf dessen Herkunft achten. Greenpeace fordert daher alle Palmölabnehmer auf, Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihrer Lieferkette zu verbannen, eine „Null-Entwaldungs-Policy“ für ihr Unternehmen zu entwickeln und Verträge mit Lieferanten zu kündigen, die ihre Anforderungen nicht erfüllen.

(Autorin: Ann Kristin Montano)

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Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

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