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Erster Erfolg für Greenpeace-Protest in Indonesien

Der finnische Papierkonzern UPM-Kymmene will seinen Vertrag mit dem Unternehmen April kündigen. April gehört zu den größten Urwaldzerstörern in Indonesien. Greenpeace-Aktivisten hatten im November 2009 alle sieben Bagger auf einer Konzession der Firma in der Provinz Riau/Sumatra zum Stillstand gebracht: Sie ketteten sich aus Protest an den Maschinen fest.

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Dass UPM-Kymmene jetzt mit dieser Meldung herauskommt, ist ein Riesenerfolg, sagt Greenpeace-Waldexpertin Corinna Hölzel. Das zeigt wieder einmal, dass das internationale Zusammenspiel funktioniert: Die Probleme vor Ort angehen und in den Abnehmerländern Druck aufbauen. Die Strategie geht auf.

UPM-Kymmene hat am Donnerstagabend um 19:30 Uhr bekanntgegeben, dass das Unternehmen den Liefervertrag mit April kündigen werde. Die Entscheidung sei Ende Oktober gefallen. Dem Vertragspartner wird zum guten Ende noch eine weiße Weste bescheinigt: April verfüge über eine Zertifizierung nach FSC, die die Nachhaltigkeit und Legalität der Zellstofflieferungen belege. Die Aktivitäten in Indonesien können damit allerdings nicht gemeint sein. Dort gibt es keine FSC-Zertifizierungen.

Greenpeace lässt derzeit prüfen, ob April in Indonesien illegal aktiv ist. Der Torfboden auf der Konzession zum Beispiel, wo gestern der Greenpeace-Protest stattfand, reicht vier Meter und mehr in die Tiefe. Ab drei Metern Dicke darf in Indonesien nicht gerodet werden. Doch die Behörden sehen offenbar weg.

Dafür sind sie umso eifriger, wenn gegen die Zerstörung protestiert wird. Die Greenpeace-Aktivisten wurden mehr als 24 Stunden in einem gefliesten Raum ohne Schlafstellen festgehalten und immer wieder befragt. Es gab keine Verpflegung. Andere Greenpeace-Mitarbeiter durften schließlich etwas zum Essen ins Gefängnis bringen.

Inzwischen sind die indonesischen Aktivisten wieder auf freiem Fuß, müssen sich aber in den kommenden Wochen einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Die ausländischen Greenpeace-Aktivisten, unter ihnen auch die Deutsche Laura Schmitz, wurden von der Immigrationspolizei in die nächstgrößere Stadt gebracht. Sie werden wahrscheinlich ausgewiesen - ob nur aus der Provinz Riau oder aus Indonesien, ist noch unklar. Ebenso, ob sie jemals wieder einreisen dürfen. Der Abschied, sagt Hölzel, sei nach den Wochen in engster Gemeinschaft sehr bewegend und traurig gewesen.

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