Die letzten 7

Die Urwälder der Erde

Auf der Erde gibt es nur noch sieben bedeutende, zusammenhängende Urwaldgebiete. Täglich schrumpfen sie durch den Eingriff des Menschen um viele tausend Hektar.

Rodung im Akkord

Urwälder sind Schatzkammern und Klimaanlagen zugleich. 

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Urwälder bilden eine der wichtigsten Grundlagen für ein ausgeglichenes Leben auf der Erde: Sie regulieren das Klima, mildern extreme Hitze, Frost, Trockenheit und Stürme ab, produzieren Sauerstoff, reinigen Luft und Wasser – vor allem aber speichern sie auch fast die Hälfte des an Land gebundenen Kohlenstoffs. Darüber hinaus verhindern Urwälder Bodenerosion und bieten geschätzten 100 Millionen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis heute gerade einmal ein Zehntel aller in Urwäldern lebenden Tiere und Pflanzen bekannt sind.

Deshalb setzt Greenpeace sich für die Schaffung von Schutzzonen ein und fordert in den Kernzonen dieser letzten intakten Naturwälder den sofortigen Stopp der wirtschaftlichen Nutzung. Denn das empfindliche Ökosystem Urwald kann aufgrund seiner extrem dünnen Humusschicht praktisch nicht aufgeforstet werden.

Verschiedene Urwaldtypen

Ein Urwald ist ein ursprünglicher, natürlich gewachsener Wald. Je nach Klima und Lage entwickelten sich verschiedene Typen. Zwei Beispiele:
In einem tropischen Regenwald ist es ständig warm und feucht. Die Pflanzen wachsen wie entfesselt, Sträucher bilden riesige Blätter und Blüten, und Bäume können über 60 Meter hoch werden. Im Erdgeschoss des Waldes tobt ein Kampf ums Licht. Daher leben Aufsitzerpflanzen wie Orchideen auf Bäumen. Im Dachgeschoss brennt die Sonne, zur Kühlung lassen die Bäume über ihre Blattporen Wasserdampf ab. Die Tierwelt ist nicht minder üppig: Affen kreischen, Paradiesvögel singen, riesige Libellen und Moskitos schwirren umher, und überall krabbelt es in Massen: Spinnen, Echsen, Käfer, Ameisen, Termiten, Tausendfüßer ... Zu den stattlichsten Dschungelbewohnern gehören die Waldelefanten im afrikanischen Kongobecken, die Orang-Utans in Indonesien und die Jaguare im südamerikanischen Amazonien.

In einem borealen Urwald im hohen Norden stehen fast nur Nadelbäume wie Kiefern, Lärchen und Fichten. Die Bäume sind mit Flechten bewachsen, die Böden von Moospolstern, Farnen und Beerensträuchern bedeckt. Hier ist die Natur von Jahreszeiten bestimmt, vor allem vom langen schneereichen Winter. Boreale Urwälder gibt es noch in Alaska, Kanada, Finnland und im russischen Sibirien. Sie sind die Heimat von Wölfen, Bären, Luchsen, Elchen und Rentieren – um nur die großen Tiere zu nennen.  Zu einer Urwald-Gemeinschaft gehören Bäume aller Generationen. Gerade altes und totes Holz spendet Leben: Das morsche löchrige Material bietet Nahrung und Unterschlupf für Pilze, Insekten und Vögel.

Raubbau für Holz und Papier

Binnen Jahrtausenden vernichtete die Menschheit den Großteil sämtlicher Urwälder. Die Bäume wichen für Siedlungen und Straßen, das Holz landete im Ofen oder wurde zum Bau von Häusern, Fuhrwerken, Schiffen und diversen Gerätschaften verwendet. Heute verarbeitet man tropische Urwaldhölzer wie Teak und Meranti wegen ihrer Härte und Robustheit gern zu Fenstern und Gartenmöbeln, nordische Urwaldhölzer enden oft als Hygiene-, Zeitungs- oder Kopierpapier.

Was die Wirtschaftswälder der Welt hergeben, reicht offenbar nicht. Immer noch müssen wertvolle Urwälder dran glauben. Alle zwei Sekunden verschwindet eine Urwaldfläche so groß wie ein Fußballfeld von unserem Planeten. Auch illegale Holzeinschläge spielen eine Rolle. Schätzungsweise wird bis zu 90 Prozent des eingeschlagenen Tropenholzes illegal gefällt. Weltweit wird der Anteil illegal gehandelten Holzes auf bis zu ein Drittel geschätzt.

Schwund für Plantagen und Weiden

In Indonesien werden Torfregenwälder zerstört, um neue Ölpalmen-Plantagen anzulegen. Allein deutsche Firmen importieren jährlich rund eine Million Liter indonesisches Palmöl als Zutat für Kosmetika, Waschmittel, Schokoriegel oder Agrosprit. In Argentinien und Brasilien fallen Urwälder für Rinderweiden, damit alle Welt mit Steaks beliefert werden kann.

Die letzten Urwälder der Erde

Insgesamt gibt es nur noch sieben große zusammenhängende Urwaldgebiete: die borealen Urwälder und temperierten Küstenregenwälder in Nordamerika, die tropischen Amazonas-Regenwälder in Südamerika, die temperierten Bergwälder Chiles, die borealen Wälder in Nordeuropa, die Schneewälder Sibiriens und die tropischen Regenwälder Zentralafrikas und Südostasiens.
Sie sind auch die Heimat und Lebensgrundlage vieler indigener Völker, etwa der Yanomami in Brasilien, der Penan in Malaysia oder der Samen in Lappland.
Greenpeace ist seit 1991 für den weltweiten Urwaldschutz aktiv, schaut aber auch vor die eigene Haustür. In Deutschland kämpfen wir für den Erhalt der kostbarsten heimischen Buchenwälder – und für wilde Wälder von morgen.

Zum Weiterlesen:
Kanadische Holzindustrie setzt boreale Wälder aufs Spiel

 

Nachrichten

26.03.2014

Indonesiens Provinz Papua beherbergt einen großen Schatz: große, noch intakte Urwaldgebiete. Palmölfirmen haben dort, weitab von der Landeshauptstadt, ein leichtes Spiel mit illegalen Rodungen.…

Häufig gestellte Fragen

Was zeichnet Urwälder aus?

Urwälder sind Waldökosysteme, die von größeren menschlichen Eingriffen und industrieller Nutzung noch völlig verschont geblieben sind. In Urwäldern nehmen seit ihrer Entstehung natürliche Prozesse ihren Lauf, ohne das der Mensch maßgeblich direkt auf sie eingewirkt hat.

Wie groß waren die Urwaldflächen früher und wie sieht es heute damit aus?

Schätzungen zufolge waren rund 6,2 Milliarden Hektar der Erde bewaldet, als der Mensch sesshaft wurde und anfing, Ackerbau zu betreiben und Wälder zu roden. Im Laufe der Zeit gingen die Waldflächen stark zurück, viele Urwälder wurden durch Nutzung zerstört oder degradiert. Heute wachsen größere intakte Urwälder nur noch auf rund 1,3 Mrd. Hektar. Davon sind nur knapp 10 % streng geschützt.

Wo liegen die größten noch erhaltenen Urwälder der Erde?

Die Mehrheit der noch intakten, größeren Urwälder liegt in den Ländern des Tropengürtels rund um den Äquator und in der borealen Zone der nördlichen Halbkugel. Die kleinsten Flächen liegen in der Zone der temperierten Wälder. Die verbleibenden Urwälder der Erde sind nur auf wenige Länder verteilt. Allein in Brasilien, Russland und Kanada findet man fast zwei Drittel der größten intakten Wälder.

Gibt es in Deutschland noch Urwälder?

Nein. In Deutschland hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten alle Urwälder zerstört. Nur noch vergleichsweise kleine Waldparzellen sind in einem sehr naturnahen Zustand erhalten und bilden die Grundlage für sogenannte Urwälder von morgen. Von Deutschland aus findet man am leichtesten in Polen (in Bialowiecza) oder Rumänien (z.B. im Retezat) Urwälder. Hier sind noch größere Urwaldgebiete erhalten.

Forderungen

  • Schutz der verbliebenen Urwälder sowie der Wälder mit einem hohen Schutzwert
  • einen Fonds von jährlich 30 Milliarden Euro zum Schutz der letzten Urwälder
  • Schutz von 10 % der öffentlichen Wälder als „Urwälder von morgen“

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