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Ein Artikel von Viktoria Thumann

Palmöl-Boom heizt Klimawandel an

Palmöl zerstört die letzten Urwälder Südostasiens. In vielen Lebensmitteln und Kosmetika ist der Rohstoff fast schon traditionell enthalten. Große Firmen wie Unilever, Nestlé und Procter & Gamble sind damit mitverantwortlich für die Auslöschung lebenswichtiger Kohlenstoffspeicher - und tragen so ihren Teil zum Klimawandel bei. Die neue Biospritpolitik der EU heizt dieses Geschäft gefährlich an. Das ist das Ergebnis des am Donnerstag veröffentlichten Greenpeace-Reports "Cooking the Climate".

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Die Brandrodung der letzten indonesischen Urwälder, wie in der Provinz Riau auf der Insel Sumatra, hat dramatische Konsequenzen für das globale Klima. Allein die Torfurwälder Sumatras speichern so viel Kohlenstoff, wie von allen Ländern der Erde jährlich emittiert wird.

"Die Zerstörung der Urwälder zum Anbau von Ölpalmen ist nichts anderes als Klimavandalismus", sagt Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. "Die heutigen großen Palmöl-Verbraucher in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Kraftstoffindustrie müssen sich jetzt für ein Moratorium zum Schutz der letzten Urwälder einsetzen."

Deutschland importiert jedes Jahr etwa 950.000 Tonnen Palmöl für Lebensmittel, Kosmetik und zur Energiegewinnung. Das Ziel der EU, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent Agrokraftstoffen am Gesamtkraftstoffverbrauch zu erreichen, hat den Palmöl-Boom weiter beschleunigt.

Greenpeace setzt sich derzeit mit einem Urwald- Aktivistencamp nahe der Palmölplantage der Firma Duta Palma für ein Ende der Brandrodung und Trockenlegung der Torfwälder ein. Der Greenpeace-Report zeigt auf, wie die torfreichen Regenwälder gerodet, verbrannt und trockengelegt werden, um dann Ölpalmen anzupflanzen. Greenpeace hat Torfschichten von bis zu acht Metern Tiefe auf den Palmöl-Konzessionen von Duta Palma gemessen. Die Entwaldung ist auf diesen Torfböden gesetzlich verboten, jedoch weit verbreitet.

Ökologisch und sozial nachhaltig produziertes Palmöl ist bis heute eine Vison - trotz Existenz des sogenannten Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Seine über 150 namhaften Mitglieder haben zwar ehrgeizige Ziele angegeben, es bisher jedoch nicht geschafft, die weitere Waldzerstörung durch den neuen Anbau von Ölpalmen zu beenden. Es mag daran liegen, dass einige von ihnen in die Urwald- und Torfwaldzerstörung direkt verstrickt sind.

So hat beispielweise Unilever den Vorsitz des RSPO inne. Der Konzern verbraucht jährlich 1,2 Millionen Tonnen Palmöl. Insgesamt verwenden die Mitglieder der RSPO 40 Prozent des weltweit produzierten Palmöls.

Dass in Deutschland bis 2020 dem Dieselkraftstoff 17 Prozent Agrarrohstoff beigemischt werden sollen, verschärft die Lage. Kaiser hierzu: "Die EU und die Bundesregierung sind dabei, im Namen des Klimaschutzes einen nie dagewesenen Palmöl-Boom auszulösen, dem die letzten Regenwälder der Erde zur Herstellung von Agrokraftstoffen zum Opfer fallen werden. Damit wäre dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen."

Bei manchen von uns mag da ein Gefühl der Ohnmacht aufkommen. Das zu bekämpfen ist schwierig, doch nicht unmöglich. Leider ist oft nicht erkennbar in welchen Produkten Palmöl verarbeitet wurde. Oft ist bei den Inhaltsstoffen einfach nur pflanzliches Öl oder pflanzliches Fett angegeben. Doch wer es genau wissen will, kann den Hersteller fragen und so seinen eigenen kleinen Teil zum Urwaldschutz beitragen.