
Auch die Wälder, die bereits zur Holzgewinnung dienen, müssen als artenreiche Lebensräume erhalten bleiben. Um das zu erreichen, hat Greenpeace das Konzept der ökologischen Waldnutzung sowie ein Gütesiegel für Ökoholz entwickelt.
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, doch der Ort, in dem Holz wächst, ist gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Außerdem haben die Wälder unserer Erde eine wichtige Funktion für das Klima, das Trinkwasser, den Erhalt der Artenvielfalt und die Erholung des Menschen. Wer Holz nutzen will, sollte dabei deshalb besonders vorsichtig sein und bestimmte ökologische Kriterien einhalten. An dem Naturland-Zeichen oder dem FSC Gütesiegel kann der Verbraucher dieses Holz erkennen und die vorbildlichen Forstbetriebe unterstützen.
Ökologische Kriterien zu berücksichtigen, das heißt den Wald nicht mehr kahl schlagen, kein Gift einsetzen, den Wald nicht düngen und viel Biotopholz als Lebensraum für seltene Käfer, Schmetterlinge und Vögel im Wald zu lassen. Auch soll ein Teil der Waldfläche von der Motorsäge verschont werden. Greenpeace hat bereits 1994 zusammen mit den Förstern von Lübeck einen Kriterienkatalog zusammen gestellt und ein Konzept entwickelt, das beides kann: Holz nutzen und den Wald bewahren.
Vorbild für dieses Konzept ist der wilde Wald. Dichtes Unterholz bedeckt den Boden, bunte Flechten, Pilze und Moose überziehen Baumstümpfe und abgestorbene Stämme. Alte Baumriesen stehen neben zarten jungen Bäumchen, kleine und große Baumkronen von Eichen, Buchen, Ahorn und anderen Arten bilden das Blätterdach. Der bewirtschaftete Wald soll einem ungenutzten möglichst ähnlich sein und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.
Um die Naturnähe der Bewirtschaftung beurteilen zu können, werden in jedem Forstbetrieb Flächen ausgewiesen, die unberührt von menschlichen Eingriffen bleiben. Anhand dieser Beispielsflächen beobachten die Förster die natürliche Entwicklung das Waldes. Im direkten Vergleich mit dem Nutzwald können sie so die Auswirkungen ihres Holzeinschlags beurteilen und wenn nötig, ihre Waldnutzung noch besser an die natürlichen Vorgänge im Wald anpassen.
Die Holzernte findet ausschließlich im Winterhalbjahr statt - wenn die Natur schläft. Pferde oder bodenschonende Maschinen transportieren das Holz, das möglichst im nächstgelegenen Sägewerk verarbeitet wird.
Unvereinbar mit einer ökologischen Waldnutzung sind insbesondere:
Wälder, die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden, können nach dem Greenpeace Konzept von unabhängigen Gutachtern kontrolliert und mit einem Ökosiegel ausgezeichnet werden. Die unabhängige Kontrolle der Betriebe und die Kennzeichnung des Holzes aus diesen Betrieben nennt sich Zertifizierung.
Die Kennzeichnung von Holz aus ökologischer Waldwirtschaft ist eine gute Orientierungshilfe für die Verbraucher. Sie können so erkennen, ob das von ihnen gekaufte Holz aus einem ökologisch bewirtschafteten Wald stammt.
Die Kennzeichnung von Holz mit einem Ökosiegel ist auch eine Chance für Waldbesitzer. Sie können das Holz besser vermarkten.
Derzeit gibt es 2 Zertifizierungssysteme, die von Greenpeace anerkannt werden: Das Naturland Zertifikat und die internationaleZertifizierung des Weltforstrates (FSC). Die Richtlinien von Naturland haben Greenpeace und andere Umweltorganisationen mit entwickelt und stellen die strengsten ökologischen Anforderungen an die Bewirtschaftung der Wälder. Wer sich dazu entschließt, seinen Wald nach den Richtlinien von Naturland zunutzen, kann gleichzeitig das internationale Siegel des FSC (ForestStewardship Council) erhalten.
Der FSC ist ein unabhängiges, internationales System, das Kriterien und Indikatoren für die Bewirtschaftung der Wälder weltweit erstellt hat und die unabhängigen Gutachter kontrolliert. Die Kriterien des FSC berücksichtigen nicht nur ökologische Standards, sondern stellen auch hohe Anforderungen an den sozialen Bereich, wie etwa die Arbeitsbedingungen der Waldarbeiter und die Berücksichtigung der Rechte von im Wald lebenden Indigenen.
Inzwischen gibt es eine Fülle von Zertifikaten, die vorgeben, eine Garantie für sauberes Holz zu sein. Doch Vorsicht: Nicht jedes Holzsiegel hält, was es verspricht. Nachdem Greenpeace und andere Umweltverbände die Einhaltung von ökologischen Kriterien eingefordert hatten und das Konzept der ökologischen Waldbewirtschaftung mitentwickelten, gerieten die Holzindustrie sowie die Waldbesitzer in Zugzwang.
Da viele Waldbesitzer die ökologischen Kriterien von Greenpeace nicht erfüllen konnten, entwickelten sie ihr eigenes Zertifikat- das PEFC-Siegel (Pan European Forest Certification). Das Siegel des PEFC erfüllt jedoch in keiner Weise die ökologischen Kriterien der großen internationalen Umweltorganisationen, die Kontrolle ist unzureichend.
So konnte Greenpeace in Finnland mit der Studie Anything Goes? zahlreiche Fälle zerstörerischer Waldnutzung unter dem Siegel des PEFC aufdecken. Das Holz aus Finnland wird auch nach Deutschland importiert und gelangt so auf unseren Markt.
Einige Landesregierungen, darunter Bayern und Baden-Württemberg, haben sich gegen die ökologische Waldwirtschaft und für das Siegel der Industrie und der Waldbesitzer (PEFC) entschieden.
Neben Ökologie und Sozialem ist die dritte Säule des FSC die Wirtschaftlichkeit. Der Forstwissenschaftler Knut Sturm hat errechnet, dass die Waldbewirtschaftung nach Greenpeace-Kriterien langfristig kostengünstiger für die Forstbetriebe sein wird als konventioneller Waldbau. Ein Grund dafür: der Pflegeaufwand fällt geringer aus.
In der Studie Dem Ökowald gehört die Zukunft hat Greenpeace gezeigt, dass der Ertrag sowohl pro Hektar als auch pro Festmeter schon nach vierzig Jahren doppelt so hoch ist, wie bei dem Modell, das seit Jahrzehnten in der konventionellen Forstwirtschaft angewandt wird. Inzwischen findet das Konzept der ökologischen Waldwirtschaft in Deutschland und international immer mehr Anhänger.
In Deutschland sind bereits über 3.000 Quadratkilometer Wald (Stand3/2002) mit dem internationalen Siegel des FSC ausgezeichnet und mehr als 300 Quadratkilometer mit dem Naturland Siegel. 13 Stadtwälder werden zur Zeit vorbildlich nach den ökologisch strengen Kriterien von Naturland bewirtschaftet, so auch die Stadtwälder von Wiesbaden, Bonn, Düsseldorf, Saarbrücken und München. Im Oktober 2001 hat auch die Bundeshauptstadt Berlin verkündet, dass sie bei der Nutzung ihrer Wälder den Naturland Richtlinien entsprechen will.
Insgesamt sind es jedoch noch viel zu wenige Betriebe, die sich zu einer ökologischen Waldbewirtschaftung entschlossen haben. Nur auf etwas mehr als zwei Prozent der Waldfläche in Deutschland wird nachweislich ökologisch gewirtschaftet.
Ökologische Waldnutzung und die Vermarktung ökologischer Holzprodukte gehen Hand in Hand. Je größer die Nachfrage nach Ökoholz ist, desto größer wird der Anreiz für Forstbetriebe, nach ökologischen Kriterien zu wirtschaften.
Greenpeace setzt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch international für die ökologische Bewirtschaftung der Wälder ein. Inzwischen gibt es auf der ganzen Welt Beispiele dafür, dass man den Wald nutzen und trotzdem als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen erhalten kann.
Selbst im Amazonas gibt es inzwischen einige Firmen, die das internationale Siegel des FSC erhalten haben. Der internationale Holzkonzern Precious Woods war der erste FSC-Betrieb in Brasilien. Die Einhaltung der FSC-Kriterien hat den Arbeitern dort mehr Sicherheit gegeben und einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt des Amazonas Regenwaldes geliefert.
Auch auf den Solomonen Inseln hat Greenpeace ein Projekt der lokalen Bevölkerung mit aufgebaut, wo Öko-Waldwirtschaft mit dem FSC Zeichen vermarktet werden kann. Es profitieren die Einheimischen. Der phantastische Wald bleibt erhalten.
Über 40 Betriebe bieten FSC-Produkte an. Weltweit sind 270.000 Quadratkilometer Wald FSC zertifiziert. Das entspricht 0,7 Prozent der Waldflächen der Welt. (Stand 3/2002)
Oberstes Ziel von Greenpeace ist der Schutz der letzten noch intakten Urwälder der Erde. Nur noch 20 Prozent der ursprünglichen Urwälder sind heute erhalten und die Zerstörung schreitet immer weiter voran. Allein letztes Jahr gingen mehr als 150.000 Quadratkilometer Wald verloren, das entspricht einer Fläche dreimal so groß wie die Schweiz. Damit verbunden ist ein unwiederbringlicher Verlust für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Denn mehr als 70 Prozent aller an Land lebenden Tiere und Pflanzen sind in unseren Wäldern beheimatet.
Hauptursache der Zerstörung ist nach wie vor der industrielle Holzeinschlag großer transnationaler Konzerne. Auch Deutschland importiert Jahr für Jahr Holz aus den letzten Urwäldern der Erde und trägt so mit zur Zerstörung der letzten grünen Schatzkammern der Erde bei. Dabei könnte der Großteil unseres Holzbedarfs langfristig aus Wäldern gedeckt werden, die bereits seit Jahrzehnten als Holzlieferanten dienen, wenn diese nach den streng ökologischen Kriterien von Greenpeace bewirtschaftetet würden. Die Deutsche Regierung sollte Verantwortung den internationalen Urwaldschutz übernehmen und die eigenen Wälder ökologisch bewirtschaften.
V.i.S.d.P.: Sandra Pfotenhauer, Stand: 5/2002