
Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine unabhängige, gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation, die 1993 als ein Ergebnis des Umweltgipfels in Rio de Janeiro gegründet wurde. Heute ist der FSC in über 80 Ländern mit nationalen Arbeitsgruppen aktiv, die Zentrale sitzt in Bonn.
Ziel und Herausforderung des FSC ist eine ökologisch nachhaltige, sozial förderliche und ökonomisch rentable Bewirtschaftung von Wäldern weltweit. Um diese drei recht unterschiedlichen Anforderungen an das Zertifizierungssystem zu berücksichtigen, besteht der FSC aus drei Kammern, einer Umweltkammer, einer Sozialkammer und einer Wirtschaftskammer, in denen Umweltorganisationen, Menschenrechtsgruppen, Gewerkschaften, Mitglieder indigener Völker und Unternehmen vertreten sind und gemeinsam über die Standards des FSC streiten.
Der FSC hat zehn international verbindliche Prinzipien und 56 Kriterien für die Forstwirtschaft entwickelt. Diese müssen bei der Bewirtschaftung der Wälder berücksichtigt werden. Ob die Forstbetriebe die Regeln einhalten, wird von unabhängigen Prüfern, den Zertifizierern, in einem transparenten Verfahren kontrolliert. Sind alle Punkte erfüllt, wird das FSC-Gütesiegel vergeben. Sowohl die Wälder selbst, als auch Holz- und Papierwaren aus diesen Wäldern können es bekommen. Ein Zertifikat ist fünf Jahre gültig, anschließend muss erneut geprüft werden.
Auch die Zertifizierer werden geprüft – jedes Jahr aufs Neue. Derzeit sind neun unabhängige Firmen und Organisationen als Zertifizierer akkreditiert.
Greenpeace war Mitglied der ersten Stunde, als 1997 in Bonn die FSC-Arbeitsgruppe Deutschland e.V. gegründet wurde. Der Sitz der Geschäftsstelle ist Freiburg. Auch der FSC Deutschland gliedert sich in drei Kammern. Zur Umweltkammer gehören neben Greenpeace zum Beispiel der BUND, der NABU, Oro Verde, Robin Wood und der WWF. In der Sozialkammer sind unter anderen der Bund Deutscher Forstleute, die Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege, die IG Bau und IG Metall. Die Wirtschaftskammer zählt die meisten Mitglieder mit so bekannten Namen wie Max Bahr, Otto Versand, Tetra Pak und Tchibo. Sogar Städte sind vertreten, darunter Hamburg mit der Behörde für Wirtschaft und Arbeit, das Stadtforstamt Göttingen und die Stadtverwaltung Ingelheim. Auch Einzelpersonen können, je nach Hauptaugenmerk, in eine der drei Kammern eintreten.
Unabhängig von der Mitgliederzahl hat jede Kammer bei Entscheidungen das gleiche Gewicht und ist mit zwei Personen im Vorstand vertreten. Zu den wichtigsten Aufgaben der verschiedenen FSC-Ausschüsse zählen Öffentlichkeitsarbeit und ein intensiver Kontakt zu sämtlichen Branchen, die etwas mit Holzprodukten zu tun haben oder diese intensiv nutzen oder verkaufen.
Die nationalen Arbeitsgruppen des Forest Stewardship Council passen die internationalen Prinzipien und Kriterien an die nationalen beziehungsweise regionalen Verhältnisse an und entwickeln eigene Standards der Waldbewirtschaftung – denen die Dachorganisation zustimmen muss. Die aktuellen deutschen Standards sind auf www.fsc-deutschland.de nachzulesen.
Der FSC finanziert sich durch Spenden, durch Akkreditierungsgebühren und die regelmäßigen Beiträge der Mitglieder und Fördermitglieder.
Das Modell der ökologischen Waldnutzung hat seit der Gründung des FSC weltweit Schule gemacht. In Deutschland sind derzeit knapp 545.000 Hektar Wald zertifiziert, verteilt auf 55 einzelne Regionen, weltweit sind es in 80 Ländern mit 1140 einzelnen Zertifikaten rund 162 Millionen Hektar (Stand: September 2012). Europa und Nordamerika sind mit jeweils über 40 Prozent der Flächen am stärksten vertreten. In Südamerika, Afrika, Asien und Ozeanien ist noch viel Initiative und Überzeugungsarbeit gefragt.
Heute muss niemand mehr Produkte aus zerstörerischer Waldnutzung kaufen. Das FSC-Label ist mittlerweile bei zahlreichen Händlern und Online-Shops präsent, und das Angebot wird immer breiter und vielfältiger. Es gibt zertifiziertes Papier vom Kopierpapier über Geschenkpapier bis zur Tapete, es gibt Bücher und Zeitschriften, Bauholz und Brennholz, Möbel vom Gartenstuhl bis zum Doppelbett und diverse andere Holzprodukte – von der Wäscheklammer bis zum Kinderspielzeug.
Konsumieren mit gutem Gewissen ist "in". Die Zahl der Verbraucher, die umwelt- und sozialverträgliche Waren nachfragen, ist gestiegen – gleichzeitig die Zahl von Siegeln auf dem Markt. Da gibt es zum Beispiel das PEFC (Pan European Forest Certification), das von der Forst- und Holzwirtschaft als Gegenreaktion auf den FSC gegründet wurde. Solche Industriezertifikate garantieren keine nachhaltige Waldwirtschaft. Hierfür ist das FSC-Siegel derzeit das einzige glaubwürdige internationale Siegel. In Deutschland haben wir außerdem noch das Waldzertifizierungssystem nach Naturland, das strenger ist als das des FSC.
Doch auch der FSC wird immer wieder kritisiert – auch von Greenpeace. In Einzelfällen wurden Zertifikate vergeben, die den Ansprüchen des FSC nicht genügten. Etwa im afrikanischen Kongobecken: Besonders in der Demokratischen Republik Kongo sind noch nicht einmal Minimalvoraussetzungen für die Beteiligung der lokalen Bevölkerung, der Zivilgesellschaft gegeben. Es gibt keine funktionierende Regierung, dafür massive Korruption. So fehlt aus Greenpeace-Sicht die Basis für eine erfolgreiche, transparente Zertifizierung, die auch von Dritten unabhängig kontrolliert werden kann. Greenpeace wurde zum Beispiel der Zugang zu einer deutschen Holzkonzession im Kongo verweigert: Soldaten riegelten das Gebiet ab, sodass sich Greenpeace-Mitarbeiter den Wald nicht angucken konnten. Hinzu kommt, dass es im Kongo noch riesige Flächen intakter Urwälder gibt. Hier sind von der Regierung schon zu viele Konzessionen für Holzeinschläge vergeben worden.
In heiklen Fällen wird Greenpeace aktiv und übt Kritik – zuerst intern, dann öffentlich. Nur wenn klar wird, dass sich bestimmte Angelegenheiten intern nicht klären lassen, nutzt Greenpeace die Möglichkeit und das Recht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Auch als Mitgliederverband des FSC.
So hat Greenpeace bereits 2008 auf die Mängel im FSC mit einem Report hingewiesen, der 2010 aktualisiert wurde, und reicht offiziell Beschwerden beim FSC ein, wenn eine Zertifizierung nicht den Ansprüchen entspricht.
Die Möglichkeit der Beschwerde und eine offene Beschwerdeprozedur ist eine wichtige Eigenschaft des FSC. Auf diesem Weg kann nachgebessert werden – oder auch ein Zertifikat wieder aberkannt werden. Doch Greenpeace ist auch realistisch: Da der FSC versucht, ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen unter einen Hut zu bringen, kommt aus rein ökologischer Sicht nicht immer die perfekte Lösung heraus. Noch gibt es aber keine bessere Alternative zum FSC-Zertifikat.
1. Einhaltung der Gesetze
Die Waldbewirtschaftung soll alle relevanten Gesetze des Landes sowie internationale Verträge und Abkommen, welche das Land unterzeichnet hat, respektieren und die Prinzipien und Kriterien des FSC erfüllen.
2. Besitzansprüche, Landnutzungsrechte und Verantwortlichkeiten
Langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte an Land- und Forstressourcen sollen klar definiert, dokumentiert und rechtskräftig verankert sein.
3. Rechte indigener Völker (Ureinwohner)
Die gesetzlichen Rechte und Gewohnheitsrechte indigener Gruppen – hinsichtlich Besitz, Nutzung und Bewirtschaftung von Land, Territorien und Ressourcen – sind anzuerkennen und zu respektieren.
4. Beziehungen zur lokalen Bevölkerung und Arbeitnehmerrechte
Die Waldbewirtschaftung soll das soziale und ökonomische Wohlergehen der im Wald Beschäftigten sowie der lokalen Bevölkerung erhalten oder vergrößern.
5. Nutzung aus dem Wald
Die Waldbewirtschaftung fördert die effiziente Nutzung der vielfältigen Produkte und Leistungen des Waldes, so dass sie langfristig wirtschaftlich tragbbar wird und eine breite Palette von ökologischen und sozialen Vorteilen gewährleisten kann.
6. Auswirkungen auf die Umwelt
Die Bewirtschaftung des Waldes soll die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Werte, die Wasserressourcen, die Böden sowie einzigartige und empfindliche Ökosysteme und Landschaften erhalten und dadurch die ökologischen Funktionen und die Unversehrtheit des Waldes gewährleisten.
7. Bewirtschaftungsplan
Ein für die Betriebsgröße und die Bewirtschaftungsintensität des Forstbetriebes angemessenes Planungswerk ist zu erstellen, anzuwenden und zu aktualisieren. Es beschreibt deutlich die langfristigen Bewirtschaftungsziele und die Mittel zu deren Verwirklichung.
8. Kontrolle und Bewertung
Eine der Betriebsstruktur angemessene Dokumentation und Bewertung soll den Waldzustand, die Erträge der geernteten Waldprodukte, die Handels- und Verwertungskette, die Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie deren soziale und ökologische Auswirkungen feststellen.
9. Erhaltung von Wäldern mit hohem Schutzwert
Bewirtschaftungsmaßnahmen in Wäldern mit hohem Schutzwert sollen deren Merkmale erhalten oder vermehren. Diese Wälder betreffende Entscheidungen sollen immer im Sinne einer vorbeugenden Herangehensweise erwogen werden.
10. Bewirtschaftung von Plantagen
Plantagen sind in Übereinstimmung mit sämtlichen Prinzipien und Kriterien zu bewirtschaften. Wenn Plantagen eine Reihe sozialer und ökonomischer Vorteile liefern und dazu beitragen können, den globalen Bedarf an Forstprodukten zu befriedigen, sollen sie die Bewirtschaftung von Naturwäldern ergänzen, den Druck auf diese reduzieren und ihre Wiederherstellung und Erhaltung fördern.
(Autorin: Nicoline Haas)