Ein Artikel von Sigrid Totz

Nestlé redet sich raus

Es geht rund. Die Greenpeace-Aktivitäten gegen Kitkat und Palmöl aus Urwaldzerstörung haben Nestlé aufgescheucht. Der Konzern hat schnell mit einer Presseerklärung reagiert. Darin kündigt er an, die Verträge mit Sinar Mas zu kündigen und bis 2015 ausschließlich zertifiziertes Palmöl zu kaufen. Denkt Nestlé also um? Nicht wirklich.

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Tatsächlich verändert diese Ankündigung nichts für den indonesischen Regenwald und schützt auch keinen einzigen Orang-Utan. Denn Nestlé wird nur die direkten Verträge kündigen. Die gab es sowieso nur zwischen Sinar Mas und Nestlé Indonesien. Hier in Europa kommt das Sinar Mas-Palmöl über Zwischenhändler wie Cargill in die Nestlé-Fabriken. Greenpeace fordert weiterhin von Nestlé, dass sie kein Sinar Mas-Palmöl mehr für ihre Produkte verwenden, also auch ihre indirekten Verträge kündigen.

Grünes Mäntelchen RSPO

Auch der Verweis auf die Zertifizierungsorganisation RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil) schützt den Lebensraum der Orang-Utans nicht. Der RSPO ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, um die Produktion von Palmöl nachhaltig zu gestalten. Allerdings tun diese Unternehmen nicht genug, um die Urwaldzerstörung in Indonesien zu stoppen. Die Kriterien des RSPO sind zu schwach und enthalten keinen Schutz der Torfböden und keine Anforderungen zur Einsparung von Treibhausgasen.

Nicht einmal diese schwachen Kriterien werden in der Praxis eingehalten. Schon die erste Lieferung von RSPO-zertifiziertem Palmöl im November 2008 hat sich als Marketinginstrument der Palmölindustrie erwiesen. Greenpeace-Recherchen haben ergeben, dass die Firma United Plantations in Landkonflikte verwickelt ist und in Orang-Utan-Gebieten sowie innerhalb geschützter Seengebiete Plantagen angelegt hat.

Auch die zu Sinar Mas gehörende Firma PT Smart ist Mitglied im RSPO und gleichzeitig weiterhin in illegale Aktivitäten und Zerstörung wertvoller Torfwälder involviert. Der RSPO existiert seit 2005, dennoch konnte die rasante Abholzung der wertvollen indonesischen Wälder nicht gestoppt werden. Es ist unverantwortlich, sich beim Thema Urwaldzerstörung auf den RSPO als Lösung zu verlassen.

Dann eben über die Bilanz

Das Wichtigste, was jetzt in Indonesien passieren muss, ist ein gesetzlich verankerter Stopp auf die weitere Vernichtung der Urwälder für Plantagen. Dafür müssen sich Nestlé und auch der RSPO einsetzen. Sinar Mas als größter Palmölproduzent in Indonesien blockiert seit Jahren solch ein Moratorium. Auch aus Jakarta kommt kein Fortschritt für den Urwaldschutz - allzu eng ist Sinar Mas mit der indonesischen Regierung verflochten.

Einzige Lösung: Die Firmengruppe Sinar Mas muss jetzt ökonomisch, also durch Vertragskündigungen gezwungen werden, ihre Blockade endlich aufzugeben. Nestlé könnte einen wichtigen Beitrag leisten, tut es aber noch nicht.

(Autorin: Corinna Hölzel)

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