
Nach bescheidenen Schätzungen lodern die Feuer auf rund einer Million Hektar Waldfläche
, sagt Greenpeace-Waldexperte Alexej Jaroschenko. Dies ist ungefähr 37 Mal so viel wie von den Behörden angegeben. Jaroschenko beruft sich bei den Daten auf Satellitenaufnahmen des Feuerwehr-Satelliten-System FIRMS, welcher unter Zusammenarbeit mit der NASA entwickelt wurde.
Die Aufnahmen machen die Feuer in der Taiga und anderen Regionen in Russland sichtbar. Die offiziellen Zahlen der Regierung laufen auf etwa 27.000 Hektar Brandfläche, was nach Jaroschenko eine absolute Untertreibung sei. Viele Menschen sind in den betroffenen Gebieten weitgehend auf sich allein gestellt, weil die Regierung die hohen Kosten für Lösch- und Rettungseinsätze scheut. Zudem wird die Bevölkerung nicht über die Gefahren bei Waldbränden informiert. Das führt zu übermäßigen Schäden und Verlusten.

In den besonders betroffenen Gebieten sind bereits tausende Feuerwehrleute und dutzende Löschflugzeuge im Einsatz. Auch Studenten von medizinischen Hochschulen werden zu Sondereinsätzen aufgerufen. Doch es braucht zusätzliche Kräfte. Denn das Feuer ist bereits so weit verbreitet, dass es fast unmöglich ist, dieses vollständig zu stoppen. Im Jahr 2010 gab es die bisher schwersten Wald- und Torfbrände in der Geschichte Russlands. Damals vernichtete eine Feuerwand tausende Häuser und dutzende Menschen kamen ums Leben. Auch die russische Hauptstadt Moskau versank wegen der Torfbrände tagelang in giftigem Smog.

Auch die Ernte ist von den Bränden und der Dürre betroffen. Die seit fast drei Monaten andauernde Hitzewelle hat bereits 1.5 Millionen Hektar Landwirtschaftskulturen in 16 Regionen vernichtet. In einigen Gebieten Russlands wurde sogar der Ausnahmezustand verhängt. Die Sammlung von Getreide im Jahr 2012 beträgt laut Prognose der Regierung rund sieben bis zehn Millionen Tonnen weniger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die Kosten für Getreide werden in nächster Zeit rapide steigen und eine Inflation der Lebensmittelpreise wird erwartet.