Klarheit bei Keks & Co.

In welchen Produkten steckt Palmöl? Neue Kennzeichnungen geben Auskunft: Entscheidungshilfe, nachhaltig zu kaufen – und den Regenwald im Palmöl-Produktionsland Indonesien zu schützen.

  • /

Palmöl ist ein vielseitiger Rohstoff: Er steckt in rund der Hälfte aller Produkte, die wir im Supermarkt kaufen können, darunter eine  Vielzahl von Lebensmitteln: Tiefkühl-Pommes-frites, Chips, Kekse, Margarine, Schokolade. Und auch Waschmittel, Shampoo und Zahncreme ist Palmöl beigemischt. Bisher war für Verbraucher häufig nicht ersichtlich, in welchen Produkten sich Palmöl verbirgt. Denn meist versteckte es sich hinter generellen Begriffen wie „Pflanzenfett“. Doch nun bringt eine EU-Richtlinie zur besseren Lebensmittelkennzeichnung Licht ins Dunkel: Ab dem 13. Dezember müssen Inhaltsstoffe genauer aufgeführt werden. Das bedeutet auch, dass zukünftig zu erkennen ist, in welchen Produkten Palmöl verarbeitet wurde; auf manchen Produkten wird zusätzlich mit dem Siegel des RSPO (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) geworben.

Mehr Transparenz – doch für Verbraucher tun sich dennoch zahlreiche Fragen auf. Hier die Antworten auf die Wichtigsten:

Gibt es überhaupt nachhaltiges Palmöl?

Die Ölpalme kann wie jede Pflanze nach Kriterien der ökologischen Landwirtschaft angebaut werden. Zumindest aber muss sichergestellt werden, dass die Palmölproduktion nicht auf Kosten von Umwelt und Mensch geht. Greenpeace hat daher an einem Kriterienkatalog mitgearbeitet, der Mindeststandards für eine ökologisch und sozial vertretbare Palmölproduktion vorschreibt. Diese Kriterien spiegeln sich in der Charta der sogenannten Palmoil Innovation Group (POIG) wieder.

Ist es sinnvoll, Palmöl durch andere Pflanzenfette zu ersetzen?

Palmöl ist vielfältig einsetzbar, die Ölpalme hat eine hohe Ertragskraft. Greenpeace zweifelt deshalb nicht grundsätzlich die Produktion und Verwendung von Palmöl an; es wäre keine gute Alternative, Palmöl durch andere Pflanzenöle, zum Beispiel aus Raps oder Sonnenblumen, zu ersetzen. Um die gleiche Menge Öl zu erzeugen, würden deutlich größere Anbauflächen benötigt. Auch die Verlagerung auf Sojaöl, das zweitwichtigste Pflanzenöl weltweit, würde die ohnehin schon bestehenden Probleme in Anbauländern wie Brasilien und Argentinien noch verschärfen. Daher fordert Greenpeace eine nachhaltigere Produktion von Palmöl.

Ist Bio-Palmöl besser als konventionelles Palmöl?

Ja, denn der Anbau von Bio-Palmöl erfolgt unter deutlich strengeren ökologischen und sozialen Auflagen.

Soll ich Produkte mit Palmöl gezielt meiden?

Greenpeace spricht sich nicht für einen Boykott von Palmöl aus, empfiehlt Verbrauchern aber generell den Kauf von Bio-Produkten. Fragen Sie zudem bei Herstellern Ihrer Lieblingsprodukte gezielt nach, was die Unternehmen tun, um sicherzustellen, dass ihre Lieferketten frei von schmutzigem Palmöl sind.

Was verbirgt sich hinter dem Kürzel RSPO?

RSPO steht für den „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“. Dahinter verbirgt sich ein freiwilliges Zertifizierungssystem für die Palmölproduktion; mittlerweile sind rund 18 Prozent des weltweit produzierten Palmöls RSPO-zertifiziert. Greenpeace kritisiert den RSPO-Standard allerdings als zu niedrig, vor allem im Hinblick auf den Schutz von Regenwäldern und Torfmooren in Indonesien, wo ein Großteil des  Öls gewonnen wird.

Greenpeace-Kritik an Rundem Tisch für „nachhaltiges“ Palmöl

Der RSPO wurde 2004 gegründet, um die Produktion von Palmöl nachhaltiger zu gestalten; seine Mitglieder haben nach dem Konsensprinzip Kriterien entwickelt, um die ökologischen und sozialen Bedingungen zu verbessern, unter denen Ölpalmen angebaut werden. Dies ist grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung. Und doch trägt der RSPO derzeit nicht dazu bei, die verbleibenden Regenwälder in Indonesien zu schützen. Dafür gibt es Gründe.

So bilden unter den RSPO-Mitgliedern Palmölproduzenten die Mehrheit, die strenge Kriterien zum Schutz von Regenwäldern und Torfböden verhindern. Gegen diese Dominanz können sich Interessen von Umwelt- und Sozialverbänden nicht durchsetzen. Daher spiegeln die aktuellen Kriterien nur einen Minimalkonsens wieder, der nicht ausreicht. Auch der Einsatz gefährlicher Pestizide ist weiterhin erlaubt.

Greenpeace kritisiert die Kriterien für die „nachhaltige“ Palmölproduktion daher als zu schwach, um die Zerstörung von Regenwäldern und Torfmooren zu verhindern. Doch selbst gegen die schwachen Standards verstoßen RSPO-Mitglieder regelmäßig.

Hersteller und Händler gegen schmutziges Palmöl

Im Rahmen des diesjährigen RSPO Treffens in Kuala Lumpur, Malaysia, haben sich Unternehmen, die Palmöl in ihren Produkten verarbeiten oder palmölhaltige Produkte vertreiben, daher für eine nachhaltigere Palmölproduktion stark gemacht. Sie unterstützen die Ziele der sogenannten Palmoil Innovation Group (POIG), einem Netzwerk von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, die sich strengen Kriterien für die Palmölproduktion verpflichtet haben. In Deutschland gehören die REWE Group und Edeka zu den Unterstützern der POIG.

Ein Ziel des Netzwerkes ist es, die Palmölproduktion von der Zerstörung von Regenwäldern und Torfmooren in Indonesien sowie von sozialen Konflikten zu entkoppeln. Dabei baut die POIG auf die Struktur und die Kriterien des RSPO auf, geht aber deutlich darüber hinaus, um die bestehenden Defizite des RSPO zu beheben.

Meilensteine auf dem Weg zu mehr Waldschutz

Greenpeace setzt sich seit Jahren für den Schutz der Regenwälder Indonesiens ein und fordert Entscheidungsträger in Unternehmen und Politik zum Handeln auf. Denn die globale Bedeutung der Regenwälder Südostasiens für Klima und Artenvielfalt ist immens. Zudem sind die Menschen vor Ort auf die vielfältigen Leistungen der Regenwälder angewiesen. Unser Protest zeigt Wirkung.

Ausführliche Antworten auf die wichtigsten Fragen und weitere Infos rund um das Thema Palmöl finden sie in unserem Factsheet.

Publikationen

Factsheet: Palmöl aus Indonesien

Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann. Das fettige Gold findet sich in zahlreichen Haushalts- und Pflegemitteln, in Seifen und Kerzen. Doch die Produktion dieses Alleskönners hat einen hohen Preis.
Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Pakt mit dem Feuerteufel

Eine rücksichtslose Palmölindustrie facht die Waldbrände in Indonesien an – doch deren Geld kommt von internationalen Banken. Ein neuer Greenpeace-Report zeigt die Verstrickungen. 

Rauch kann tödlich sein

Die Rodung des Regenwaldes für Palmölproduktion begünstigt Flächenbrände in Indonesien. Aktivisten fordern vom Palmölkonzern IOI deshalb ein Bekenntnis zum Schutz der Wälder.

Müsli mit bitterem Beigeschmack

Eine Greenpeace-Studie zeigt: Große Markenhersteller wie PepsiCo und Colgate-Palmolive tun zu wenig, um die Palmölindustrie von der Zerstörung indonesischer Regenwälder abzuhalten.