Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Jede Stunde verschwinden in Rumänien drei Hektar Wald

Kahlschlag in Draculas Heimat

Die Abholzung der rumänischen Wälder ist zwischen 2000 und 2011 dramatisch vorangeschritten. Das zeigt eine im Mai 2012 von Greenpeace Rumänien veröffentlichte Karte.

  • /

Rund ein Drittel der Fläche Rumäniens ist bewaldet, die meisten Wälder liegen in den Gebirgszügen der Karpaten. Wiederum rund ein Drittel dieser Wälder, knapp 20.000 Quadratkilometer, sind von Buchen dominierte Laubwälder. Sogar Urwälder, die es in unseren Breiten gar nicht mehr gibt, machen noch fünf Prozent der Waldfläche Rumäniens aus. Diese Wälder haben sich jahrhundertelang ungestört von Menschen entwickelt. Sie sind von einzigartigem ökologischen Wert. Hier leben noch seltene Tiere wie Braunbär, Wolf und Wildkatze.

Kahlschläge auch in Urwäldern und Schutzgebieten

Doch die Auswertung von Satellitenbildern durch Greenpeace zeigt, dass die Wälder akut bedroht sind. Jede Stunde verschwindet eine Waldfläche von drei Hektar. Von 2000 bis 2011 wurden insgesamt 280.108 Hektar Wald kahlgeschlagen oder stark degradiert. Damit verliert Rumänien pro Jahr rund 28.000 Hektar Wald, der besonders wichtig ist für den Arten- und Klimaschutz.

Fast die Hälfte der Kahlschläge liegt in Schutzgebieten wie National- und Naturparks oder dem europäischen Natura 2000-Netzwerk. Sogar die noch existierenden Urwälder werden - trotz ihres unschätzbaren ökologischen Werts - nicht verschont.

Illegale Holzeinschläge sind besonders in waldreichen Gebieten im Gebirge ein weitverbreitetes Problem. Greenpeace-Recherchen dokumentieren, dass zwischen 2009 und 2011 bereits über 30.000 Fälle von illegalem Holzeinschlag von Behörden registriert wurden. Es liegt in der Verantwortung der Behörden, das Maß der Holznutzung festzulegen, zu überwachen und Verstößen wie illegalen Holzeinschlägen nachzugehen. Doch obwohl die registrierten illegalen Einschläge auch durch Strafzahlungen oder Anzeigen sanktioniert wurden, ändert sich nichts am fortdauernden Schwinden der rumänischen Wälder.

Greenpeace fordert den rumänischen Umwelt- und Forstminister angesichts dieser dramatischen Entwicklung auf, sofortige Maßnahmen zum Erhalt der rumänischen Wälder zu ergreifen. Besonders die letzten vorhandenen Urwälder müssen geschützt werden.

(Autorin: Gesche Jürgens)

Publikationen

Kahlschläge in Rumänien

Von 2000 bis 2011 wurden in Rumänien insgesamt 280.108 Hektar Wald kahlgeschlagen oder stark degradiert. Das entspricht drei Hektar pro Stunde.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Der Weihnachtsmüffel

Oh Tannenbaum, wie stinken deine Blätter: Gewächse aus gängiger Massenbaumhaltung duften meist wenig weihnachtlich. Unsere Autorin lernte, wie Weihnachtszeit mit Tannenaroma geht.

Mit dem Leben bezahlt

Holz aus dem Amazonas ist begehrt – so sehr, dass Firmen dafür buchstäblich über Leichen gehen. Ein aktueller Greenpeace-Report zeigt: Das blutige Holz landet sogar in Deutschland.

Bodenschatz schützt Klima

Torfmoore speichern CO2 und schützen so das Klima. Eine Greenpeace-Expedition dokumentiert eines der weltweit größten dieser Moore im Kongobecken – und stellt Überraschendes fest.