Ein Artikel von greenpeace.de

Jubiläum bei den Rettern des Waldes

Pünktlich zum internationalen Jahr der Wälder hat das Bergwaldprojekt gleich zweimal Geburtstag: In der Schweiz wird das Projekt 25 Jahre alt, in Deutschland begeht es seinen 20. Geburtstag. Zwei Gründe zu feiern und eine Gelegenheit hinter die Kulissen des von Greenpeace gegründeten Vereins zu schauen. Ein Blick in die Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft.

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Im Jahr 1986 sorgte ein Wort für Aufsehen in der ganzen Welt: Waldsterben. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit brachte damals Wolfgang Lohbeck von Greenpeace Deutschland und den Schweizer Förster Renato Ruf auf die Idee, das Bergwaldprojekt zu gründen. Es fiel mir auf, dass wir viel vom Wald reden, aber keiner wusste was vom Wald, erzählt Lohbeck von der Gründungsphase. Klar war, dass es ein Positivprojekt sein sollte, welches das Bewusstsein und das Verständnis für den Wald schärfen sollte. Es war weltweit das erste Positivprojekt von Greenpeace.

Ein Jahr lang reisten Wolfgang Lohbeck und Renato Ruf durch die Schweiz und suchten einen Bergwald, der als Start für das Projekt geeignet war. Wir wollten das Projekt in der Schweiz starten, weil in der Schweiz die Verbundenheit der Menschen mit dem Wald tiefer ist, sagt Wolfgang Lohbeck. In der schweizer Gemeinde Malans fanden die beiden schließlich einen Wald, der nach einem Hangrutsch wiederaufgebaut werden musste. Nach Gesprächen mit dem Gemeinderat, der viel Zweifel am Projekt und Skepsis gegenüber Greenpeace mitbrachte, konnte das Bergwaldprojekt schließlich starten. Rund 25 Freiwillige beteiligten sich damals an dem Wiederaufbau des Waldes, kümmerten sich um den Wegebau, die Durchforstung und die Bachverbauung. Nach einer Woche kam der Gemeinderat in den Wald und schaute sich die Arbeit an. Dort haben sie gesehen, dass die Arbeit Hand und Fuß hat und wir durften weitermachen, erzählt Lohbeck weiter.

Vom Bergwaldprojekt zum Waldschutzprojekt

In Deutschland fand 1991 das erste Bergwaldprojekt in St. Andreasberg statt. Aus einer kleinen Gruppe hat sich über die Jahre hinweg ein europaweites Netzwerk entwickelt. Allein in Deutschland und der Schweiz gibt es rund 60 Einsatzorte. Über 1000 Freiwillige engagieren sich in Deutschland circa 50.000 Stunden im Jahr - ehrenamtlich, versteht sich. Und auch forstliches know-how wurde durch die Einstellung von zwölf hauptamtlichen Forstingenieuren aufgebaut. Mittlerweile ist Bergwaldprojekt e.V. ein selbstständiger Verein, der von der Greenpeace Umweltstiftung unterstützt wird.

Wochenweise legen an den verschiedenen Standorten Freiwillige die Hand an. Zuvor bespricht der Verein mit den jeweiligen Revierförstern, wo die Probleme des Waldes liegen und welche Arbeiten verrichtet werden müssen. Rund 20 bis 25 Freiwillige kommen pro Projektwoche. In vier bis fünf kleineren Gruppen erkunden sie verschiedene Orte im Wald, wo der Gruppenleiter schließlich erklärt, welche Aufgaben in der Woche anstehen. Theorie und Praxis gehen während der Woche Hand in Hand, erklärt Gründer Lohbeck.

Es sind aber nicht mehr nur Bergwälder, die von dem Verein wiederaufgebaut werden. Mittlerweile gibt es beispielsweise auch einen Standort auf Amrum - ohne Berg, mit ein bisschen Wald. Der Berg steht immer noch im Vordergrund, aber mittlerweile hat es sich eben auch in andere Wälder weiterentwickelt, erklärt Lohbeck. Gemeint ist jetzt auch der Schutzwald.

Auch für die Zukunft ist es nicht die Ambition des Vereins, die Mitgliederzahlen um jeden Preis in die Höhe schießen zu lassen. Wir wollen lieber ein vertieftes Verständnis hervorrufen, erklärt Wolfgang Lohbeck. Wenn wir erreichen, dass sich die Waldbewirtschaftung in Deutschland und der Schweiz den Prinzipien der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nähert, dann haben wir viel erreicht. Und wenn immer mehr Leute eine Verständnis dafür bekommen, wie wichtig Wald ist, dann haben wir auch viel erreicht.

Die Information steht im Vordergrund - das gilt auch für die Feierlichkeiten am Wochenende. Am Samstag, 7. August, wird das 25-jährige Bestehen des Bergwaldprojekt e.V. in St. Andreasberg gefeiert. Mehr Informationen dazu gibt es unter: www.bergwaldprojekt.de oder www.waldweitwandern.de.

Bergwaldprojekt e.V. Deutschland im Überblick:

  • Über eine Millionen standortheimische Bäume wurden in der Schutzwaldsanierung und im naturnahen Waldumbau gepflanzt
  • circa 500 Hektar Wald wurden naturnah gepflegt
  • knapp 50 km Bachläufe renaturiert
  • 100 km Drahtzäune gepflegt
  • Über 100 km Steige im Hochgebirge in handarbeit angelegt
  • Nahezu 200 Hektar Biotope für Hasel-, Auer- und Birkwild gepflegt
  • 50 Holzkastenverbauungen in Erosionsrinnen errichtet
  • Mehr als 100 Hektar Flächen in 11 großen Hochmooren wiedervernässt
  • Hundert Hochsitze zur Unterstützung der ökologischen Jagd gebaut
  • 60 Einsatzwochen an 29 Orten zwischen Amrum und den bayerischen Alpen im Jahr 2011
  • 1000 Freiwillige engagieren sich in circa 50.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit

 

Aktuelle Publikationen zum Thema

Um die komplette natürliche Artenvielfalt zu erhalten, müssen intakte Waldflächen (IFL - Intact Forest Landscapes) bestimmte Bedingungen erfüllen.
Von 2000 bis 2011 wurden in Rumänien insgesamt 280.108 Hektar Wald kahlgeschlagen oder stark degradiert. Das entspricht drei Hektar pro Stunde.

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