Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Note 1 für den Göttinger Stadtwald

Das Konzept des Göttinger Stadtwaldes sollte Schule machen: Zehn Prozent des Waldes sind nutzungsfrei und stehen unter strengem Schutz. Die beeindruckenden Auswirkungen zeigt die Sonderinventur, die die unabhängige Umweltschutzorganisation Greenpeace im November 2012 im Stadtwald durchführte.

  • /

Den Abschlussbericht haben die Umweltschützer an den Göttinger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) übergeben. Bei der Sonderinventur erfassten Greenpeace Aktivisten in zwei Wochen mehr als 5500 Bäume mit GPS-Geräten einzeln, übertrugen sie in Karten und werteten die Daten aus. Der Göttinger Stadtwald bekommt die Note 1 für die konsequente ökologische Waldnutzung, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace. Der Bürgerwald Göttingens hat einen hohen ökologischen Wert und besitzt somit Vorbildcharakter für die Niedersächsischen Landesforsten und andere öffentliche Wälder. Er dient den Menschen in Göttingen zudem zur Erholung.

Bei der Sonderinventur ermittelten die Greenpeace Aktivisten den Holzvorrat, um abzuschätzen, wie viel Kohlendioxid der Atmosphäre bereits entzogen wurde. Diese Daten sowie die eigenen Untersuchungen des Göttinger Forstamtes zeigen: Die Holzvorräte steigen in Göttingen konstant und liegen teilweise weit über dem Bundesdurchschnitt. Der Klimaschutz Göttingens profitiert vom ökologischen Waldkonzept des Stadtwalds, so Jürgens. Dieses Konzept sollte auch auf die Bewirtschaftung der Landeswälder übertragen werden. Zudem wurden alte Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 50 cm vermessen und auf Biotopmerkmale untersucht. Diese sogenannten Biotopbäume mit Höhlen oder Faulstellen sind wertvolle Lebensräume für die heimische Tierwelt wie Spechte und Fledermäuse.

Greenpeace unterstützt das Göttinger Waldkonzept

Der Göttinger Stadtwald wird seit 1995 nach einem Konzept bewirtschaftet, das Greenpeace und andere Umweltverbände gemeinsam mit Förstern entwickelten. Das Konzept sieht eine Holznutzung auf 90 Prozent der Waldfläche vor, die möglichst wenig in die natürlichen Prozesse des Waldes eingreift. Zehn Prozent des Waldes werden nicht bewirtschaftet und stehen unter strengem Schutz. Dies fordert auch die im Jahr 2007 von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Die natürliche Waldgesellschaft und ihre Dynamik ist unser Vorbild bei der Bewirtschaftung, sagt Forstamtsleiter Martin Levin, Die Rückendeckung der Bürgerinnen und Bürger von Göttingen für unser ökologisches Konzept war und ist das Fundament für einen gesunden Stadtwald.

Publikationen

Stadtwald Göttingen

Das Konzept des Göttinger Stadtwaldes sollte Schule machen: Zehn Prozent des Waldes sind nutzungsfrei und stehen unter strengem Schutz.
Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Stellungnahme zum Hessischen Waldgesetz

Greenpeace ist vor dem hessischen Landtag zur Novellierung des hessischen Landeswaldgesetzes gehört worden. Greenpeace kritisiert, dass die Landesregierung in Hessen ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt und Erholung im Staatswald nicht gerecht wird.

Zur Kampagne

Stoppt die Säge!

Urtümliche Buchenwälder sind in Deutschland rar geworden. Umso wichtiger ist es, diese Naturparadiese zu bewahren.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Defizit im deutschen Wald

Inventur für Deutschlands Wälder: Zum dritten Mal nahm sich die Bundesregierung die Forstflächen vor. Das Ergebnis: mehr Bäume – aber weiterhin große Defizite

Naturschatz Spessart weiter in Gefahr

Drei Monate lang beobachteten insgesamt 49 ehrenamtliche Aktivisten täglich die Vorgänge in den Wäldern der BaySF-Forstbetriebe. Das Ergebnis: Die Holzeinschläge in alten Buchenwäldern...