Waldzerstörung in brasilianischen Schutzgebieten

Auf dem Holzweg

Goldminen, wo unberührter Wald sein sollte: Luftaufnahmen von Greenpeace zeigen, wie der Mensch in Brasiliens Schutzgebieten wütet. Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

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Eigentlich war Brasilien auf einem guten Weg, seinen Wald im Amazonasgebiet wirkungsvoll zu schützen: Zwischen 2005 und 2012 sind dort immer weniger Bäume gefällt worden als in den Jahren zuvor. Dieser Trend kehrte sich in den vergangenen Jahren allerdings um: Bis 2015 zog die Entwaldungsrate erneut um 75 Prozent an. Derzeit erwägt die brasilianische Regierung sogar, ihre Schutzbestimmungen weiter zu lockern; betroffen wären davon rund eine Million Hektar Wald. Luftaufnahmen von Greenpeace zeigen, wo und durch wen der Wald in diesen ausgewiesenen Schutzgebieten bereits jetzt bedroht ist.

Die Bilder des Fotografen Daniel Beltrá zeigen illegale Goldminen und neu angelegte Straßen: vermutlich Zufahrten, um die Werthölzer im Wald zu schlagen, ganze Waldstücke zu roden oder Farmen zu bauen. Mit dem Verlust des Waldes verschwindet auch die Artenvielfalt im Amazonas. Und obwohl sich die Situation zusehends verschlimmert, macht die brasilianische Regierung Politik im Sinne der Holz- und Agrarwirtschaft: Präsident Michel Temer will in den kommenden Wochen einen Gesetzesentwurf im Parlament einbringen, der eines der Schutzgebiete auflöst und vier weitere um 40 Prozent verkleinert – rund ein Drittel der Fläche Belgiens.

Das Weltklima braucht den Wald

Schutzgebiete zu beschneiden, während im Amazonas gleichzeitig immer mehr Holz geschlagen wird – das passt nicht zusammen und widerspricht dem Pariser Klimaschutzabkommen, das auch Brasilien unterzeichnet hat. Damit die Erderhitzung unter 1,5 Grad Celsius stabilisiert werden kann, brauchen wir große, gesunde Waldgebiete wie den Amazonas. Länder wie Deutschland und Norwegen haben Brasilien in den vergangenen Jahren beim Waldschutz durch den Amazon Fund und das ARPA-Projekt mit Millionenbeträgen unterstützt – Bemühungen, die durch die jüngsten Entwicklungen missachtet werden. Denn die Entwaldungsrate in ganz Brasilien ist im vergangenen Jahr um 29 Prozent gestiegen – ein Alarmzeichen. Menschliche Eingriffe in das Ökosystem haben Folgen für den ganzen Planeten – das Weltklima braucht die „grüne Lunge“ in Südamerika.

Die Gebiete, die Daniel Beltrá aus der Luft fotografiert hat, sind auch strategisch für den Waldschutz in Brasilien enorm wichtig. Sie bilden nämlich eine Art Barriere; so lange sie unter Schutz stehen, kann sich die Agrarindustrie nicht weiter ins Amazonas-Gebiet ausbreiten – in die Urwaldregion, die das größte zusammenhängende Waldgebiet entlang des namensgebenden Flusses bildet.

Probleme gibt es viele

Derzeit ist Brasilien offensichtlich jedoch nicht bereit, sich stärker zum Waldschutz zu bekennen. 40 Prozent der Treibhausgasemissionen des Landes hängen mit Entwaldung zusammen, damit steht es beim CO2-Ausstoß weltweit an sechster Stelle. „Schuld daran tragen Rinderzucht, illegaler Holzeinschlag und unkontrollierter Sojaanbau“, sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte für Wald und Klima. Zwar sei das Soja-Moratorium ein Teilerfolg, um die Entwaldung einzudämmen. „Bergbau und gigantische Infrastrukturprojekte wie etwa Staudämme treiben die Entwaldung allerdings weiter voran.“

„Im Sinne des Klimaabkommens von Paris muss die Entwaldung gestoppt werden – für die Welt und die Glaubwürdigkeit Brasiliens“, so Stoppel weiter. Die deutsche Regierung sollte die brasilianischen Kollegen in aller Deutlichkeit auffordern, ihrer Verantwortung nachzukommen. „Schutzgebiete abzubauen widerspricht der bereits in Millionenhöhe geleisteten deutschen Hilfe zum Waldschutz im Amazonas.“

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