
Für die Einführung von E10 ist die Autoindustrie hauptverantwortlich
, stellt Wolfgang Lohbeck, Verkehrs- und Klimaexperte von Greenpeace, klar. Die Einführung war das Ergebnis massiver Lobbyarbeit und politischen Drucks. Vor allem die deutsche Autoindustrie wollte damit ganz klar schärfere CO2-Grenzwerte verhindern. Der bereits vereinbarte Grenzwert von 120 Gramm konnte so auf 130 Gramm erhöht werden.
Seit Beginn des Jahres 2011 mischt die Mineralölwirtschaft ihrem Superbenzin zehn Prozent Pflanzenöl bei. Die Quote steigt jährlich. Im Jahr 2010 betrug sie 6,25 Prozent. Hintergrund ist das Biokraftstoffquotengesetz (BiokraftQuG) der Bundesregierung, die damit die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU umsetzen will. Bis 2015 sollen acht Prozent des Gesamt-Energiegehalts aller in den Verkehr gebrachten Kraftstoffe durch den sogenannten Biokraftstoff erzeugt werden.
Sinn und Nutzen der Maßnahme sind mehr als fragwürdig. Zum einen gibt es erhebliche Bedenken gegen die Umnnutzung von Wald- und Ackerflächen. Lebensmittel werden dadurch knapper und teurer. Zum anderen ist auch dem Klimaschutz nicht gedient: Für das gute Gewissen europäischer Autofahrer werden in anderen Teilen der Welt die Urwälder zerstört. Diese aber sind unverzichtbar - auch für das Klima.
Trotz der schwerwiegenden Folgen halten Politik, Automobilhersteller und neuerdings der ADAC am Agrosprit fest. Medienberichten zufolge sieht ADAC-Präsident Peter Meyer die Mineralölbranche in der Pflicht, ihre Versäumnisse aufzuarbeiten und mit einer gezielten Kampagne das Image von E10 aufzupolieren - gegebenenfalls auch mit Hilfe einer Umbenennung des Kraftstoffs.
Dabei könnte Deutschland den Klimaschutz sehr viel einfacher auf die Straße bringen. Die Autoindustrie muss für niedrigere Verbrauchswerte ihrer Neufahrzeuge sorgen
, so Lohbeck. Mit Tempolimit und modernen spritsparenden Fahrzeugtechniken würden sofort Klimagase eingespart - ohne Schäden für Menschen und Umwelt.