
Immer wieder wird behauptet, auch heute schon seien E-Autos sparsamer im CO2-Ausstoß als konventionelle Autos. Das ist eindeutig falsch. Alle Vergleiche, die zu diesem Ergebnis kommen, basieren auf Vergleichen zwischen Äpfeln und Birnen (also zwischen kleinen elektrischen City-Mobilen und normalen Autos, zum Beispiel der Kompaktklasse). Sie sind offen manipulativ durch Weglassung wichtiger Parameter, oder sie beziehen in unzulässiger Weise Atomstrom in die Rechnung ein.
Es ist unbestritten, dass ein heutiges konventionelles Auto nicht mehr als 100 Gramm CO2/km emittieren muss. Auch 80 g CO2/km sind schon heute kein Problem. Zur Erinnerung: Greenpeace hat schon 1996 den SmILE vorgestellt, einen serienfähigen Viersitzer-Benziner, der - Entwicklungsstand 1993!- mit 76 g CO2/km auskommt. Auf heutigem Entwicklungsniveau sind das um 60 g/km. Im Jahr 2020 müssen auch Massenautos nicht mehr als 60 g CO2/km emittieren. Und wenn sie in Leistung und Performance einem E-Auto entsprechen, nicht mehr als 45 bis 50 Gramm.
Auch wenn die realen Alltagsverbräuche - mit Ausnahme des SmILE - um 10 bis 15 Prozent höher sind als der Normzyklus, kann man davon ausgehen, dass ein Massenauto (mit erheblich höherem Gebrauchsnutzen als ein E-Auto) um 2020 mit 60 Gramm/km (vom technischen Standpunkt aus) die Regel sein kann.
Nach Herstellerangaben verbraucht der E-Smart 12 kWh/100 km und emittiert demnach 69 Gramm. Die entsprechende Dieselversion braucht 3,3 Liter Kraftstoff und emittiert 86 Gramm.
Der optische Vorteil des E-Smart kommt zustande zum einen durch die Einbeziehung des Atomstromanteils. Ohne Atomstrom sieht die Sache anders aus: Dann emittiert der E-Smart 107 Gramm (ADAC, nach Friedrich/ Petersen). Dies spiegelt sich auch wider bei der Betrachtung des Energieverbrauchs. Der E-Smart braucht 142 Megajoule (MJ)/100 km, der Diesel nur 125 MJ (A. Friedrich/ R. Petersen: Der Beitrag des Elektroautos zum Klimaschutz, 2010).
Gerade bei E-Autos weichen die realen Verbräuche aber um ein Vielfaches stärker von den Herstellerangaben ab als bei den Verbrennern: Statt 10 bis 15 Prozent höhere Realverbräuche sind es beim E-Auto unter Einbeziehung von Ladeverlusten und dem beschleunigungsbedingt extremen Anstieg des Verbrauchs durchweg an die 100 (hundert) Prozent!
Das führt dazu, dass die derzeit bekannten realen Verbräuche sich wie folgt darstellen:
Bei 575 g/kWh im deutschen Mix (www.uba.de, offizieller Wert für 2009) ergibt das CO2-Emissionen von 151, 120, 142 g und 171 Gramm CO2 pro gefahrenen 100 Kilometern.
Diese Werte verstehen sich unter Einbeziehung des Atomanteils. Ohne Atomstrom sind sie entsprechend höher: Ca. 198, 159, 187, bzw. 225 Gramm CO2. Es ist zynisch, mit dem Atomanteil augenzwinkernd den CO2-Mix schönzurechnen.
Unter derzeit realistischen Bedingungen emittieren Elektroautos also, durchweg Klein- und Kleinstwagen (selbst unter Einbeziehung des Atomanteils und ohne Berücksichtigung ungünstiger Bedingungen wie Kälte oder Klimaanlage) das Eineinhalbfache eines konventionellen vergleichbaren Verbrenners und das Doppelte eines Verbrenners mit fortschrittlicher (aber bereits existierender) Technik.
Derzeit, und auf mittlere Sicht, sind E-Autos eindeutig und erheblich schlechter als vergleichbare Verbrenner. Das ändert sich erst langfristig durch die Veränderung des Strommixes und (eventuell) durch Verringerung des Stromverbrauchs dieser Autos.
Die immer wieder behauptete Verbesserung im Vergleich zu konventionellen Autos ist manipulativ. Sie wird nur erreicht durch geschönte Verbrauchswerte, durch Vergleich nicht vergleichbarer Fahrzeuge und durch Einbeziehung unterschiedlicher Atomstromanteile.
Eine Überlegenheit der E-Autos über Verbrenner kann sich erst ergeben bei drastischer Verbrauchsminderung, verbunden mit Renewables-Anteilen um 50 Prozent, und damit einem CO2- Ausstoß im Mix unter ca. 300 Gramm CO2/kWh, also kaum vor 2030.
(Autor: Wolfgang Lohbeck)