
Im Frühjahr 2001 verkündeten die Wissenschaftler des von der UN eingesetzten Gremiums Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dass die rasanten Veränderungen des weltweiten Klimasystems, die schon seit Jahren mit Besorgnis beobachtet werden, menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben sind.
Seit Beginn der Industrialisierung wurden Unmengen fossiler Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas verbrannt. Bei der Verbrennung entsteht Kohlendioxid, ein Treibhausgas, das sich in der Atmosphäre anreichert: Die Isolationswirkung der Erdatmosphäre nimmt zu, die durchschnittliche Temperatur der Erde steigt.
Die Wissenschaftler des IPCC prognostizieren, dass in den kommenden Jahren mit mehr und heftigeren Stürmen, Hitzewellen, Überflutungen sowie mit dem Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten zu rechnen ist. Die Flutwelle an Elbe und Donau ist nur ein Vorgeschmack.
Im Juni 2001 stimmte die internationale Staatengemeinschaft einem Abkommen zum Schutz des Klimas, dem Kyoto-Protokoll, zu. Mit Ausnahme der USA, die allein für 25 Prozent des weltweiten Ausstoßes von Kohlendioxid verantwortlich sind.
ExxonMobil, in Europa bekannt unter dem Namen Esso, ist der weltweit größte Ölkonzern, dessen jährlicher Umsatz mit 228 Mrd. US-Dollar etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Schweden entspricht. Exxon macht mit dem Verkauf von Öl Milliardengeschäfte. Gleichzeitig bestreitet der Konzern seit Jahren vehement, dass die Verbrennung von Öl etwas mit dem Klimawandel zu tun hat.
Andere Ölfirmen erkennen zunehmend, dass ihr Überleben nur in Förderung und Ausbau erneuerbarer Energien liegen kann - schon wegen der Endlichkeit aller fossilen Energiequellen. Exxon hingegen weigert sich bis heute, in zukunftsfähige Energien zu investieren.

Ein im Februar 2001 von ExxonMobil an US-Präsident George Bush gesendetes Fax führt die Verwicklungen des Konzerns mit der Weltmacht USA mehr als deutlich vor Augen. In diesem Fax legt der Konzern der damals neu gewählten Regierung seine Wünsche bezüglich des Austauschs unbequemer Wissenschaftler in Schlüsselpositionen dar.
Dr. Robert Watson, der dem IPCC-Gremium seit 1996 vorstand und die Zusammenhänge zwischen der Verbrennung fossiler Energieträger und der sich immer deutlicher abzeichnenden Klimaverschiebung benannte, stand ganz oben auf der Liste: Ein eindeutiger Angriff auf die Effektivität und die Glaubwürdigkeit des IPCC von Industrieseite.
Der im April 2002 gewählte, von ExxonMobil und damit von den USA gewünschte Nachfolger heißt Rajendra Pachauri. Der als industriefreundlich zu bezeichnende Ingenieur und Ökonom aus Indien dürfte den Konzernwünschen der Erdölindustrie sowie der USA wohl besser ins Konzept passen. Der Seriosität wissenschaftlicher Gremien wird dieser Schachzug nicht zugute kommen.
Das Kyoto Protokoll ist nach Meinung von Exxon fatal politisiert
. Der Konzern plädiert für freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. Am 2. August 2002, im Vorfeld des UN-Weltgipfels in Johannesburg/Südafrika, schrieben von ExxonMobil finanzierte Öl-Lobbyisten in einem Brief an US-Präsident George Bush:
Wir begrüßen Ihre Entscheidung, nicht persönlich teilzunehmen... Der Weltgipfel wird nur eine Medienplattform sein für einige der unverantwortlichsten und zerstörerischsten Elemente in kritischen wirtschaftlichen und ökologischen Fragen. Ihre Anwesenheit würde nur dazu beitragen, gegen die Freiheit, gegen die Menschen, gegen die Globalisierung und gegen den Westen gerichtetes Gedankengut zu verbreiten. (...) Die potenzielle globale Erwärmung ist das unwichtigste globale Umweltproblem. Wir hoffen, dass Ihre Verhandlungsführer [in Johannesburg] dafür sorgen, dass dieses Thema erst gar nicht auf die Agenda kommt.
Die USA haben schon vor Beginn der Verhandlungen in Johannesburg klar gestellt, dass sie keine international verbindlichen Übereinkommen unterzeichnen werden. [Zitat aus: The Times, London, 16. August 2002]
Ende Mai haben die 15 Mitgliedsstaaten der EU ihre Ratifikationsurkunden zum Kyoto-Protokoll bei den Vereinten Nationen übergeben. Jetzt sind entsprechende Maßnahmen auch von den großen Ölfirmen gefragt. Nationalstaatliche Klimapolitik kann nur erfolgreich sein, wenn auch die Konzerne eine aktive Rolle bei der Bewältigung des Klimaproblems übernehmen. Ölfirmen müssen sich in vergleichbarer Weise ihrer Verantwortung zur Senkung der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stellen, wie es die Industriestaaten im Klimaschutzabkommen von Kyoto getan haben.
Greenpeace fordert deshalb, dass sich die Ölkonzerne ExxonMobil/Esso, Shell, BP, Total-FinaElf verpflichten, bis zum Jahr 2012 mindestens fünf Prozent der von ihnen verantworteten Treibhausgase zu verringern.
Um dieses Ziel zu erreichen, empfehlen Wissenschaftler des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie in der Studie "Mineralölkonzerne und Klimazerstörung" vom Juni 2002, in erneuerbare Energien zu investieren, statt weiter Öl und Gas zu fördern. Das für dem Umstieg auf einen Mix aus Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Kraftwärmekopplung erforderliche Investitionsvolumen der vier Ölfirmen beläuft sich auf 70 Milliarden Euro für die kommenden zehn Jahre, also sieben Milliarden Euro pro Jahr. Nach Berechnungen des Öko-Instituts können die Konzerne langfristig Gewinne erwirtschaften, wenn sie jetzt in den Klimaschutz investieren.
Förderung und Nutzung der fossilen Energien bringen zahlreiche Umweltprobleme und finanzielle Schäden mit sich, die bisher die Allgemeinheit tragen muss. Die immer wieder dokumentierte Verletzung von Menschenrechten in Dritte Welt Ländern wird ebenfalls bisher nicht geahndet.
1. Die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas erhöht die Häufigkeit und Intensität von Wetterextremen. Die Kosten des Oder-Hochwassers 1997 lagen allein in Deutschland bei 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Die Schäden der derzeitigen Flut an Elbe und Donau liegen bereits in zweistelliger Milliardenhöhe.
2. Förderung und Transport von Öl führen immer wieder zur Verseuchung ganzer Ökosysteme:
3. Verletzung von Menschenrechten: Für lukrative Erdölgeschäfte werden weltweit Men schen von den Regierungen mit Gewalt vertrieben und das Land der oft am Existenzminimum Lebenden verseucht. Menschen erkranken oder sterben an den Folgen der vermeidbaren Umweltverschmutzungen. Kritiker der Erdölprojekte werden eingeschüchtert oder verhaftet:
V.i.S.d.P.: Jörg Feddern, Stand: 08/2002