
51 der 100 größten Wirtschaftseinheiten der Welt sind heute Unternehmen, 49 sind Staaten. Insbesondere seit den 90er Jahren sind durch Fusionen und Übernahmen von Firmen wahre Konzerngiganten entstanden. An erster Stelle auf der Liste der 200 größten Unternehmen der Welt steht der Ölmulti ExxonMobil, gefolgt von der Supermarktkette Wal-Mart, General Motors und anderen Autobauern. Der Umsatz von General Motors ist größer als die Volkswirtschaft von Dänemark. Ford stellt Indonesien in den Schatten, DaimlerChrysler Südafrika.
Die 200 größten Unternehmen der Welt vereinen rund ein Viertel der Wirtschaftstätigkeit auf sich, beschäftigen aber nur ein Prozent aller Arbeitnehmer. Während zwischen 1983 und 1999 ihre Profite um 362,4 Prozent anwuchsen, stieg der Anteil der Beschäftigten nur um 14,4 Prozent.
Die Unternehmen sind mittlerweile so mächtig, dass sie nationale Regierungen nötigen können, im Konfliktfall Unternehmensinteressen über ökologische Erfordernisse zu stellen. Oft reicht schon die Drohung, in andere Länder abzuwandern (wo die Steuern niedrig und die Umweltgesetze lasch sind), um die Politik günstig zu stimmen.
Um das Investitionsklima zu verbessern, werden Umweltschutzregeln zurückgenommen, neue treten gar nicht erst in Kraft. Am stärksten wird die Deregulierung in den Entwicklungsländern vorangetrieben. Niederlassungsverbote in ökologisch empfindlichen Gebieten werden widerrufen, Naturschutzgebiete verlieren ihren Status, damit sich Zementfabriken oder Garnelenzuchtbetriebe ansiedeln können. Forstwirtschaftliche Gesetze werden zu Gunsten der Papierindustrie abgeschwächt, Fischereigesetze zu Gunsten der fischverarbeitenden Industrie. Und dann gibt es noch die Freihandelszonen, wo die Konzerne vollkommen freie Hand haben. Mittlerweile sind es rund 800 auf der ganzen Welt, in denen es kaum soziale, ökologische und arbeitsrechtliche Bestimmungen gibt.
Die Aktivitäten der internationalen Konzerne unter den Bedingungen der Globalisierung haben massive negative Folgen für die Umwelt. Das umweltschädliche, auf fossiler Energie beruhende Entwicklungs- und Verschwendungsmodell wird in alle Welt verbreitet. Die weltumspannende Wirtschaftstätigkeit heizt den Konsum und damit die Ausbeutung der endlichen Ressourcen der Erde an: Bäume fallen und werden zu Papier und Verpackungen verarbeitet, Öl und Kohle werden abgebaut, Meere werden leer gefischt.
Die Globalisierung ist überhaupt nur möglich, weil es unbegrenzte und staatlich subventionierte Transportmöglichkeiten gibt. Mehr Waren werden über immer größere Entfernungen bewegt. Das bedeutet eine Zunahme des Verkehrs und damit steigende Emissionen von Treibhausgasen; besonders hohe Wachstumsraten verzeichnet der sehr klimaschädliche Flugfrachtverkehr. Mittlerweile wird über ein Achtel des weltweit geförderten Erdöls für Handelstransporte verbraucht. Die ökologischen Kosten des Frachtverkehrs sind enorm. Wären sie im Ladenpreis der Produkte enthalten, würden sich Ferntransporte kaum noch rentieren.
Auf der anderen Seite verhindert die Dynamik der freien globalen Marktwirtschaft in vielen Ländern, dass staatliche Steuern und Auflagen, die die Umwelt schützen sollen, greifen. Die Konzerne operieren ohne Beschränkungen und vorbei an demokratischen Prozessen.
Globalisierungskritiker verlangen daher, dass Staaten und Bürger ihre souveränen Rechte über die Konzerne und Banken zurückgewinnen. Der Staat muss in die Marktwirtschaft eingreifen, um das Wohl der Mehrheit seiner Bevölkerung und den Schutz der Umwelt zu sichern. Dem Markt einen Rahmen zu geben und den Wettbewerb fair zu organisieren, das zählt zu den großen Kulturleistungen der Menschheit
, sagte Bundespräsident Johannes Rau in seiner Berliner Rede vom 13. Mai 2002 zur Globalisierung. Die Konzerne sind aufgefordert, soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen etwa in umweltfreundliche statt in umweltschädigende Technologien investieren.