Tag der ökologischen Überschuldung 2013

Ebbe in der Ressourcenkasse!

Bereits am 20. August haben wir alle Ressourcen verbraucht, die uns die Erde für dieses Jahr zur Verfügung stellt. Stellen Sie sich einen Urlauber vor, der bereits am 13. Tag seines dreiwöchigen Urlaubs feststellen muss, dass seine Reisekasse leer ist. Weil er einfach über seine Verhältnisse gelebt hat. In einem ähnlichen Zustand ist heute unser Planet.

  • /

Ab heute leben wir im Raubbau mit der Natur -  das ist die Botschaft des heutigen Tages der ökologischen Überschuldung. Das Global Footprint Network (GFN) berechnet jedes Jahr diesen Earth Overshoot Day. Er rückt in der Tendenz  in den letzten 25 Jahren immer näher zur Jahresmitte – im Jahr 1986 war es noch der 31. Dezember.

Schon jetzt benötigt die Menschheit 1,5 Planeten, hat aber bekanntlich nur einen. Wenn alle auf der Erde so leben würden wie wir in Deutschland, dann wären 2,6 Planeten notwendig. Würden alle den  Lebensstil der US-Amerikaner kopieren, dann bräuchten wir sogar drei weitere Planeten. In Deutschland liegt bereits seit Jahrzehnten unser Verbrauch, unser ökologische Fußabdruck, um ein Mehrfaches über dem, was uns an Biokapazität zur Verfügung gestellt wird. So hätten wir 1961 bereits für unseren Konsum circa zwei weitere Planeten gebraucht.

Wir müssen umdenken!

Wie können wir Verbraucher das ändern? Wir führen nicht die  internationalen Klimaschutzverhandlungen, können die Industrien nicht maßregeln. Stimmt - aber wir können unseren Konsum verändern und dadurch Einfluss nehmen.
Ein Beispiel: Falls Sie in letzter Zeit an der Nord- oder Ostseeküste waren, ist Ihnen am Strand vermutlich das viele Plastik aufgefallen: Plastiktüten, leere PET-Flaschen, Flaschenverschlüsse, alle möglichen Folien und Beutel, Plastikschnüre, kleine durch Wellen und Sand abgeschmirgelte Plastikkügelchen und so weiter  – entweder durch Unachtsamkeit am Strand liegen gelassen oder mit der Flut angeschwemmt.
Wir fühlen uns in Deutschland wie die Recycling-Weltmeister, aber sind wir es auch tatsächlich? Schon vor zwei Jahren warnte das Umweltbundesamt, dass der “Trend zu Einwegflaschen aus Kunststoff ungebrochen“ sei und dass Einwegflaschen aus „Kunststoff (…) zunehmend Mehrwegflaschen und Getränkekartons vom Markt“ verdrängen. Auch bei den Hygiene-Papieren (unter anderem Toilettenpapier, Papiertaschentücher etc.) zeigt sich, dass häufig nicht zu den ökologisch sinnvolleren Alternativen gegriffen wird. So ist der Anteil an Recyclingfasern bei Hygienepapieren im letzten Jahrzehnt um 27 Prozent gefallen - von 77 Prozent 2001 auf 50 Prozent im Jahre 2010. In den Läden dominieren gerade bei Toilettenpapier die Produkte aus Frischfasern.

„Wenn wir wollen, dass die Ressourcen gerecht genutzt werden können, und dass unsere Planet allen eine lebenswerte Zukunft bietet, dann sollten wir den Tag der ökologischen Überschuldung ernst nehmen“,  fordert Claudia Sprinz, bei Greenpeace Österreich für das Thema Nachhaltiger Konsum zuständig. „Ab heute Leben wir auf Pump derjenigen Länder, deren Pro-Kopf-Verbrauch deutlich unter dem unseren liegt. Schritte, unseren Ressourcenverbrauch zu reduzieren, sind einfach und waren bereits eingeübt. Wir sollten uns wieder an den Griff zur Mehrwegflasche und zum recycelten Papier gewöhnen“.  

Was sind Ökologischer Fußabdruck und Biokapazität

Wollen wir, dass auch künftig Menschen gut auf diesem Planeten leben können, so dürfen wir nur so viele Ressourcen und Rohstoffe verbrauchen und Abfall erzeugen, wie die Erde hervorbringen oder wieder aufnehmen kann. Doch wie viel ist das? Dies verrät uns der ökologische Fußabdruck. Mit dieser vom Global Footprint Network entwickelten Methode lässt sich errechnen, wie viel Fläche der Erde notwendig ist, um die natürlichen Ressourcen bereitzustellen, die jeder Mensch verbraucht: Für die Herstellung seiner Kleidung und Nahrung, für seine Mobilität - etwa wenn er mit Auto, Flugzeug oder dem Zug reist, für seinen Energieverbrauch zu Hause. Der ökologische Fußabdruck wird in globalen Hektar (gha) angegeben. Er berücksichtigt auch jene Flächen, die benötigt werden, um Abfälle, Rückstände und die von uns produzierten Treibhausgase wieder aufzunehmen.

Auf diese Weise lässt sich der ökologische Fußabdruck einer Person, eines Produktes, einer Stadt oder eines ganzen Landes berechnen. Dem tatsächlichen Verbrauch wird die Biokapazität (ebenfalls in gha gemessen) gegenübergestellt, also die Fläche, die einem Land, einer Stadt oder einer Gemeinschaft zur Verfügung steht: Ist der ökologische Fußabdruck größer als die Biokapazität, dann geraten wir ins ökologische Minus, in die ökologische Überschuldung.

So gab es zum Beispiel in Deutschland Ende 2010 knapp 82 Millionen Einwohner. Jede in Deutschland lebende Person hinterlässt im Durchschnitt einen ökologischen Fußabdruck von 4,57 globalen Hektar. Dabei entfallen ein Viertel allein auf Wohnen und Energieverbrauch, gut ein Drittel auf die Ernährung, mehr als ein Fünftel auf die gesamte Mobilität und über ein Sechstel auf Güter und Dienstleistungen, die wir konsumieren. Die biologische Kapazität unseres Landes liegt pro Kopf aber nur bei 1,95 gha.  Das heißt, wir Deutschen leben weit über unsere natürlichen Ressourcenverhältnisse, und zwar mehr als doppelt so viel als es die Natur verkraftet.

Zum Weiterlesen:
Deutschsprachige Seite des Global Footprint Networks
Plattform Footprint (Österreich)
 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Einkaufsratgeber Fisch

Die Meere und ihre Fischbestände müssen geschützt werden – und jeder Verbraucher kann dazu beitragen: Mit der sorgfältigen Auswahl beim Fischeinkauf. Stammt der Fisch aus nachhaltigem Fang? Ist die Art bedroht? Oder gar überfischt?

Mehr zum Thema

Das kostet nicht die Welt

Ressourcen schonen, Bio kaufen, umweltbewusst leben: klingt ideal – und kostspielig. Doch kann nachhaltiger Konsum auch preiswert sein? Ja, kann er – etwa mit Foodsharing.

Einflussreiche Bekannte

96 Abgeordnete aus Deutschland werden in der EU über TTIP und CETA abstimmen. Sie können die umstrittenen Handelsabkommen verhindern. Zeit, diese Menschen kennenzulernen.

Vorläufig heißt endgültig

Empfiehlt der EU-Handelsausschuss, CETA vorläufig in Kraft zu setzen, ist das Abkommen wohl sehr lange gültig. Die Parlamente würden übergangen. Greenpeace-Aktivisten protestieren.