Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

EU-Bürgerinitiative „EndEcocide“ sammelt Unterschriften für Mutter Erde

Ökozid zum Verbrechen erklären

Die Erde ist unsere Heimat. Sie fällt dem Wunsch nach Wohlstand zum Opfer, sie leidet unter dem rücksichtslosen Wirtschaftssystem. Firmen wie Gazprom und Shell haben offiziell das Recht, ganze Ökosysteme zu gefährden. Unser Planet kann sich erneuern – aber seine Kapazitäten sind erschöpft. Jetzt kann sich jeder ganz einfach dafür einsetzen, dass Umweltsünder offiziell bestraft werden.

  • /

Vor einem Jahr entschied die britische Anwältin Polly Higgins, sich eine Auszeit zu nehmen. Sie fand, es sei nun die Natur, die eine Vertreterin ihrer Rechte benötige. Higgins gelangte zur Überzeugung, dass dem naturzerstörenden Wirtschaftssystem mit einer bestimmten Maßnahme begegnet werden kann: Ökozid muss als Verbrechen gelten.

Ökozid als fünftes Verbrechen

Polly Higgins' Idee bezog sich zunächst auf die UN und erhielt den Namen "Wish-20-Initiative". Das erklärte Ziel der Initiative ist es, Ökozid neben Völkermord und weiteren Verbrechen als fünftes Verbrechen gegen die Menschheit und den Frieden im Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs zu etablieren.

Auf EU-Ebene hat sich die Bürgerinitiative "EndEcocide" gebildet. Sie zielt darauf ab, eine neue Direktive der EU zu etablieren, die "weitreichenden Schaden an der Natur, die Zerstörung oder den Verlust eines Ökosystems eines bestimmten Territoriums" ächtet. Neu an diesem Gesetz wären Haftstrafen für Verantwortliche, die persönlich haftbar wären.

Umweltsünden sind für die Wirtschaft Geldsache

Wenn jemand bei einem Projekt bemängle, es hätte zerstörerische Folgen für die Natur, so lautet es im Promo-Video der "EndEcocide"-Initiative, "dann ist die einzige Frage, die die Entscheidungsträger interessiert, 'was kostet uns das?'" Wenn die Finanzen stimmen, ist ein Verbrechen an der Natur also hinnehmbar.

Und da greift Higgins' Idee: "Es geht nicht mehr um Geldstrafen, die diese Unternehmen locker wegstecken", heißt es im Clip, "Wir fordern Haftstrafen für Entscheidungsträger, die Verbrechen an der Natur begehen. Dann stellt sich nämlich nicht mehr Frage, ob sich das Projekt noch rechnet, sondern: 'Ist es dieses Projekt wert, dass ich dafür ins Gefängnis gehe?'"

Simpel und logisch: Durch die Anerkennung von Ökozid als Verbrechen im Sinne des Römischen Statuts würde dem Egoismus und der Ignoranz von wirtschaftlichen Führungskräften mit einer Freiheitsstrafe begegnet.

Greenpeace unterstützt "EndEcocide"

"EndEcocide" hat auf EU-Ebene eine Menge Unterstützer um sich geschart. Zu den erklärten Befürwortern gehören einige Mitglieder des EU-Parlaments, unter anderem auch Jo Leinen aus Deutschland. Greenpeace International Geschäftsführer Kumi Naidoo meldet sich auf endecocide.eu persönlich zu Wort: "Zur Zeit erlauben wir unseren politischen und wirtschaftlichen Führungskräften, zu morden. Jetzt ist die Zeit, dies zu ändern."

Die Organisatoren, die sich um die Verbreitung der Idee kümmern, engagieren sich allesamt freiwillig für "EndEcocide". Sie bemühen sich um eure Unterschriften. Es ist eine Petition für die Zukunft unseres Planeten. Erreicht die Initiative bis zum 21. Januar 2014 eine Million Unterschriften, muss sich die EU mit Ökozid als schwerem Verbrechen auseinandersetzen.

In einer Welt, in der Umweltschützer für ihren friedlichen Protest gegen naturfeindliche Unterfangen eingesperrt werden können, muss ein Gesetz her, das, die Verhältnisse umdreht und die wahren Übeltäter hinter Gitter bringt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Ja zum schlechten Deal

Kurz vor dem G20-Gipfel haben sich die EU und Japan grundsätzlich auf das umfangreiche Handelsabkommen JEFTA verständigt. Doch der Protest formiert sich.

Seegang für den Klimaschutz

Die G20-Protestwelle rollt durch Hamburg: Zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter Greenpeace, riefen auf, für bessere Politik auf die Straße zu gehen – und ins Wasser.