Earth Overshoot Day: der Erde geben statt von ihr zu nehmen

Die Welt ist nicht genug

Einmal jährlich, am Earth Overshoot Day, ist Schluss: Wir haben der Natur mehr genommen, als die Erde übers Jahr erneuern kann. Wie wäre es also, wenn wir ihr etwas zurückgeben?
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Der Tag ist einmal im Jahr. Und er kommt immer früher: Der sogenannte Earth Overshoot Day, der Erdüberlastungstag. 2017 war er am 2. August; im vergangenen Jahr war es noch der 3. August, 1990 der 13. Oktober, 1971 der 21. Dezember (laut Berechnungen der internationalen Forschungsorganisation Global Footprint Network).

Es ist der Tag, an dem wir Menschen all jene natürlichen Ressourcen unseres Planeten aufgebraucht haben, für deren Erneuerung er ein volles Jahr benötigt: Weil wir mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen haben, als unsere Ozeane und Wälder absorbieren können. Weil wir schneller gefischt haben, als sich die Fischbestände erholen. Weil wir rascher Bäume gefällt haben, als sie nachwachsen.

Ökologisch betrachtet leben wir also über unsere Verhältnisse – wir nutzen die Natur 1,7 Mal schneller als unsere Ökosysteme sich regenerieren können. Ein Planet reicht uns somit theoretisch nicht – eigentlich bräuchten wir 1,7 Erden.

Verschnaufpause für die Erde

Höchste Zeit also, dass wir uns zügeln und umsichtiger konsumieren. Würden wir zum Beispiel die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbieren, könnten wir den Weltüberlastungstag um elf Tage nach hinten verschieben. Unseren CO2-Ausstoß zu halbieren, brächte gar 89 Tage. Und wenn es uns gelänge, den Earth Overshoot Day jedes Jahr viereinhalb Tage später zu erreichen, wäre unser Verbrauch 2050 wieder im Gleichgewicht mit den Kapazitäten unseres Planeten.

Wie wäre es also, wenn wir ihm ab heute und für den Rest des Jahres nichts mehr nehmen oder gar etwas zurückgebe? Ihnen fällt nichts ein? Kein Problem: Hier sind 22 Vorschläge. Ausreden gelten also nicht, und wenn jeder mitmacht, gelingt es uns bestimmt gemeinsam, den Earth Overshoot Day immer weiter nach hinten im Jahr zu verbannen.

1. Schöner wohnen. Upcycling heißt der coole Trend für zu Hause. Und der spart Ressourcen, denn aus alt wird neu. So bekommt etwa ein abgewetzter Sessel einen chicen Stoffbezug – wer’s nicht selber kann, fragt bei einer Polsterei. Oder schaut gleich in einem Laden, der alte Möbel aufarbeitet – in vielen Städten pimpen Betriebe der Stadtreinigung Sperrmüll zu Design-Unikaten.

2. Dem Spieltrieb nicht nachgeben. Ein Tag ohne „Pokémon“ oder „Pflanzen gegen Zombies“ ist ein Tag mit vollem Smartphone-Akku. Deshalb einfach mal Menschen, Stadt, Natur beobachten – das ist oft viel spannender. Übrigens: Falls das Display vom vielen Spielen dann kaputt ist – die meisten Mobiltelefone lassen sich reparieren. Wenn nicht, sollten sie unbedingt recycelt werden.

3. Besser essen. Würden wir weltweit die Nahrungsmittelabfälle halbieren, käme der Earth Overshoot Day elf Tage später. Also umsichtig einkaufen und vor allem nichts wegwerfen – das schont Ressourcen. Und immer daran denken: MHD bedeutet „mindestens haltbar bis“ – und nicht „absolut tödlich ab“.

4. Zügig ans Ziel 1: Viele Orte lassen sich statt mit dem Flugzeug ebenso bequem und oft kaum zeitaufwändiger auch mit dem Zug oder Fernbus erreichen. Das erspart uns und unserem Planeten jede Menge CO2.

5. Zügig ans Ziel 2: Und wenn es das nächste Mal in den Urlaub geht: Asien, Amerika, die Malediven sind schön, na klar. Aber wissen Sie eigentlich, wie schön ihr eigenes Heimatland ist? Reisen Sie doch mal zu deutschen Schlössern und Wasserfällen, Küsten und Bergen, Naturwundern und Welterbestätten – die Strecken lassen sich garantiert alle mit der Bahn zurücklegen.

6. Leitungs- statt Plastikflaschenwasser. Dass deutsches Leitungswasser top ist, bestätigt auch die Stiftung Warentest. Wir bestätigen, dass Hahn statt Plastikbuddel unseren Meeren und seinen Bewohnern jede Menge schwer abbaubaren Kunststoff erspart.

7. Pflanzen kann man überall: im Garten, auf dem Balkon, auf dem Mittelstreifen der Ausfallstraße (ist eigentlich verboten – aber wer erstattet schon Anzeige wegen Narzissen und Stiefmütterchen?). Die Blüher geben Bienen eine Heimat, die Bienen sorgen als Bestäuber für ein intaktes Ökosystem.

8. Machen Sie einen guten Fang! Der kostenlose Greenpeace-Fischratgeber erklärt, welche Arten mit schonenden Methoden gefangen werden, und welche nicht überfischt sind und somit auf den Teller dürfen – damit sich die Fischbestände regenerieren können.

9. Neue grüne Kleider. In Second-Hand-Läden verstecken sich oft Modeschätze, Flohmärkte und Kleidertauschpartys sind ein Riesenspaß – und all das spart Ressourcen. Zudem bedeutet weniger Textilproduktion auch weniger Verschmutzung der Gewässer in den Herstellerländern, zumeist in Asien. Und, mal ehrlich, einen Knopf annähen oder ein Loch stopfen kann wirklich jeder – das erspart vielen Teilen die Tonne. Mehr Tipps für Modekonsum mit Stil gibt’s hier.

10. Machen Sie mit bei Greenpeace – die Ehrenamtlichen setzen sich etwa dafür ein, dass weniger Fleisch gegessen oder die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Sie wissen nicht, wo sich eine Greenpeace-Gruppe in Ihrer Nähe trifft? Da helfen wir gern – bitte hier klicken. Für die Greenpeace-Arbeit spenden können Sie natürlich auch.

11. Holzsparend lesen. Bibliotheken, öffentliche Bücherschränke, Flohmärkte, Tauschbörsen… All das schont die Wälder mehr als neue Bücher, die nach einmaligem Lesen im Regal verstauben. Und E-Books brauchen zwar Strom, sind dafür aber hundert Prozent papierfrei.

12. Zu grünem Strom wechseln 1: Kohle etwa bläst nicht nur jede Menge CO2 in die Luft, sie verschmutzt auch unsere Gewässer. Deshalb tragen Wind- und Solarenergie auch dazu bei, dass sich die Ökosysteme unserer Flüsse und Meere regenerieren können.

13. Zu grünem Strom wechseln 2: Gucken Sie sich beispielsweise die Lausitz an: quadratkilometergroße Kohlegruben, zerstörte, öde Landschaft. Regenerative Energien sorgen dafür, dass aus Wüste wieder Natur werden kann.

14. Ein paar Tage lang einfach mal nichts kaufen – und der Planet atmet ein winziges Bisschen auf.

15. Weniger Druck, bitte! Muss die E-Mail wirklich ausgedruckt werden – oder reicht auch die digitale Ansicht? Könnten Wälder sprechen, hätten sie eine klare Antwort. Und auch über Fragen wie „Kann der Zettel weg, oder ist das Schmierpapier?“ lohnt es sich nachzudenken.

16. Alles für’n Arsch (sorry!). Auch Recycling-Klopapier hilft den Wäldern, sich zu regenerieren. Gleiches gilt für Servietten, Schreibblöcke, Küchen- und Taschentücher aus Recycling-Papier.

17. Unverpackt-Laden in der Nähe suchen. Denn Lebensmitteleinkäufe ohne Plastikmüll und Altpapier entlasten die Umwelt. Auf Märkten und Bauernhöfen dürfen als Transportverpackung zumeist eh die eigenen Dosen, Beutel, Eierkartons mitgebracht werden.

18. Fahrrad statt Auto – der Klassiker. Und auch die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln schenkt unserem Planeten (und auch unseren Mitmenschen) ein bisschen bessere Luft.

19. Fleischeslust  zügeln. Zugegeben: Vegetarisch ist nicht jedermanns Sache. Aber muss es denn jeden Tag Fleisch sein? Denn: Gemüseanbau, vor allem biologischer, verursacht weniger CO2 als Fleischproduktion.

20. Müll trennen. Und zwar konsequent! Denn, ja, auch die winzigen Plastikschnipsel gehören in den gelben Sack. Alles andere landet so weit wie möglich in den entsprechenden Recycling-Containern und -Tonnen. Sie werden erstaunt sein, wie wenig Restmüll tatsächlich überbleibt.

21. Lüften statt waschen. Oft reicht es, ein T-Shirt in den frischen Wind zu hängen statt in die Waschmaschine zu stecken. Das spart Wasser, Energie, und es schont zudem auch das Textil.

22. Mit Kindern reden – und zwar über unsere Erde und ihre Ressourcen, über Meere, Wälder, Klima, Artenvielfalt und deren Schutz. Denn schließlich sollen die kommenden Generationen diese Welt ja so hinterlassen, wie wir sie gern vorgefunden hätten, nicht wahr?

Grafik: Ökologische Fußabdrücke nach Ländern 2017

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