Die Frauen, die Greenpeace aufbauten

Grüne Gründerinnen

„Die Hälfte an Bord hätte Frauen sein müssen“: Greenpeace-Pionier Rex Weyler stellt die Heldinnen der Anfangstage vor, die in der Berichterstattung häufig zu kurz kommen.

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Es waren vor allem die Männer, die mit den ersten Greenpeace-Kampagnen Schlagzeilen machten. Dabei waren etliche visionäre Frauen mindestens ebenso daran beteiligt, Greenpeace aus der Taufe zu heben. In vielen Artikeln zu den Anfangstagen wird ihr Beitrag allerdings nach wie vor unter Wert verkauft. Rex Weyler, einer der Gründer von Greenpeace und seit frühesten Tagen Teil der Bewegung, erinnert sich in einem Blogbeitrag an die Greenpeace-Frauen der ersten Stunde – und rückt dieses Bild gerade:

Dorothy Stowe und Rex WeylerDorothy Stowe (hier im Bild mit Rex Weyler, 2009) sah sich als Präsidentin ihrer örtlichen Bürgerangestelltengewerkschaft Angriffen der repressiven McCarthy-Ära ausgesetzt. Ihre Hochzeitsnacht verbrachte sie bei einer Bürgerrechtsveranstaltung. Sie kämpfte gegen Atomwaffen und wanderte aus Protest gegen den Vietnamkrieg mit ihrem Mann Irving nach Kanada aus.

Sie brachte die erste Greenpeace-Kampagne mit auf den Weg und war die Gastgeberin der frühen Treffen der Bewegung. Dorothy servierte bei diesen Treffen immer etwas zu essen, manchmal Tee und Gebäck, und verlieh der radikalen Politik ein beruhigendes Gefühl von Familie und Gemeinschaft.

Marie Bohlen, geborene Nonnast, war Landschaftsillustratorin, Mitglied bei Sierra Club, der größten Naturschutzorganisation der USA, und Pazifistin. Nach der Geburt ihres Sohnes Paul schwor sie, dass er niemals in einen Krieg würde ziehen müssen. Als Paul alt genug war, um zum Militärdienst eingezogen zu werden, wanderten die Bohlens nach Vancouver aus, wo sie die Stowes kennenlernten und das Don’t Make A Wave Committee mitgründeten, das später Greenpeace werden würde.

Im Februar 1970, als man diskutierte, wie man US-Atombombentests verhindern könnte, schlug Marie vor, mit einem Boot ins Testgebiet zu segeln und der Bombe einfach entgegenzutreten – daraus wurde bekanntermaßen die erste, berühmte Greenpeace-Kampagne. Entgegen ihrer ursprünglichen Überlegung entschied sie sich allerdings, in Vancouver zu bleiben. Bob Hunter hat später in einem Zeitungsinterview gesagt, dass das ein Fehler war: Die Hälfte der Besatzung der Phyllis Cormack hätte aus Frauen bestehen müssen.

Dorothy Metcalfe, geborene Harris, war Reporterin bei der Winnipeg Tribune, als sie den Journalisten Ben Metcalfe kennenlernte. Während der ersten Greenpeace-Kampagne funktionierte sie ihr Haus zu einem Funkraum um und leitete Nachrichten von Ben, der auf der Phyllis Cormack war, an Medien auf der ganzen Welt weiter. Als die US-Regierung den Atombombentest verschob und die Crew überlegte, den sicheren Hafen in Kodiak, Alaska, anzusteuern, drängte sie darauf, weiter auf Kurs zu den Aleuten zu bleiben. „Der Druck steigt“, gab sie zu bedenken.

Bilder, die um die Welt gingen

Zoe Hunter, geborene Rahim, war ein Mitglied der englischen Kampagne für nukleare Abrüstung. Sie lernte Bob Hunter 1962 in London kennen, machte ihn mit den pazifistischen Werken von Bertrand Russell vertraut und nahm ihn 1963 mit zum Friedensmarsch zur Atomanlage Aldermaston, Hunters erstem politischen Protest. Sie heirateten und bekamen zwei Kinder, Conan und Justine. Zoe arbeitete mit Dorothy Stowe und Dorothy Metcalfe zusammen, um die ersten beiden Greenpeace-Schiffe zu versorgen.

Mary Lornie (front), Ann-Marie HorneDie ersten zwei Frauen, die bei einer Greenpeace-Kampagne in See stachen, waren Ann-Marie-Horne und Mary Lornie (vorne im Bild, neben ihnen Nigel Ingram und David McTaggart) an Bord der Vega. Als französische Seeleute am Mururoa-Atoll die Vega enterten, schoss Ann-Marie Fotos.

Frankreich behauptete, „unsere Leute betraten das Schiff unbewaffnet und ohne körperliche Gewalt anzuwenden“. Ann-Maries Bilder zeigten allerdings, wie McTaggart und Ingram geschlagen wurden. Sie bewiesen der ganzen Welt, dass die französische Regierung gelogen hatte.

Linda Spong

Die Künstlerin und Musikerin Linda Spong (links im Bild, im Gespräch mit Bob Hunter) rief mit ihrem Mann Paul die erste Greenpeace-Kampagne zum Schutz der Wale ins Leben. 1974 reisten sie mit ihrem Sohn Yasha und den Dolmetschern Maya Kozumi und Michiko Sakata nach Japan, um eine Pro-Wal-Bewegung unter japanischen Wissenschaftlern und Unterstützern zu starten.

Boote werden zu Ikonen

Takeo Miwa und Carlie Trueman segelten in der ersten Greenpeace-Wal-Kampagne. Trueman, eine begeisterte Taucherin, war die erste Schlauchboot-Spezialistin von Greenpeace und schulte die Besatzungen in Betrieb und Instandhaltung der aufblasbaren Boote, die zu Greenpeace-Ikonen werden würden.

Bobbi HunterBobbi Hunter, geborene Innes, brachte die erste Wal-Kampagne mit auf den Weg, leitete das erste öffentliche Greenpeace-Büro in Vancouver und sammelte einen Großteil des Geldes für die ersten Wal- und Robben-Kampagnen. Als Projektmanagerin für ein Kabel-Unternehmen hatte sie die Arbeitsabläufe von Hunderten von Technikern im Blick – Organisationsgeschick, das sie in der Folge für Greenpeace einsetzte.

Bobbi wurde zu einer Schlüsselfigur für die Strukturierung einer zusammengewürfelten Greenpeace-Gruppe, die zeitgleich drei Kampagnen mit schmalem Budget durchführte. 1976 waren Bobbi und Marilyn Kaga die ersten Frauen, die sich einem Walfänger in den Weg stellten, dem russischen Harpunenboot Vlasny.

Kriegerinnen des Regenbogens

Susi NewbornZwischenzeitlich hatten Susi Newborn (rechts) und Denise Bell (unten links) in London das erste Schiff, das Greenpeace jemals selbst besaß, gekauft und ausgestattet: die Rainbow Warrior. Newborn und Bell, die isländische Walfänger im Nordpazifik stellen wollten, fanden den 40 Meter langen Trawler Sir William Hardy, sammelten das Geld für den Kauf und brachten mit Hilfe von Newborns Jugendfreund Athel von Koettlitz das Schiff auf Vordermann.

Denise BellDer Name der Rainbow Warrior war einem schmalen Buch entliehen, „Krieger des Regenbogens“ von dem Aleuten-Älteren William Willoya und Vinson Brown . In der Geschichte „Die Rückkehr des indianischen Geistes“ fragt ein 12-jähriger Junge seine Urgroßmutter Augen des Feuers: „Warum sind unserem Volk so schlimme Dinge widerfahren?“

Die Großmutter erzählt dem Jungen von einer Prophezeiung: Eines Tages werden sich Menschen aller Abstammungen zusammentun, um die Erde vor der Zerstörung zu bewahren – und diese Leute wird man als Krieger des Regenbogens bezeichnen. Bei Greenpeace waren von Beginn an jede Menge Kriegerinnen unter ihnen.

(Gekürzter und übersetzter Blogbeitrag von Rex Weyler vom 17. September 2010)

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