
Greenpeace-Tests zeigen immer wieder, dass zu viele Pestizidrückstände im Essen stecken. Unsere jahrelange Arbeit und der Protest Tausender Verbraucher haben allerdings Früchte getragen: Supermärkte haben Programme zur Pestizidreduktion eingeführt und eine ganze Anbauregion hat die Produktion verändert. Entwarnen können wir aber trotzdem noch nicht.
Ungesund, aber oft verwendet
Rund 30.000 Tonnen reiner Pestizidchemikalien werden jährlich allein in Deutschland versprüht. Rückstände der Gifte landen häufig auf dem Teller. In den letzten 15 Jahren sind die Belastungen von Obst und Gemüse in der EU stark angestiegen und zum Teil so hoch, dass die Gesundheit der Verbraucher, besonders die von Kindern, gefährdet ist.
Greenpeace testete Tausende Lebensmittelproben mit oftmals erschreckenden Befunden. Toxikologen weisen darauf hin, dass sich viele Gifte in ihrer Wirkung untereinander noch verstärken. Die Belastungen müssen daher dringend gesenkt werden. Besonders gefährdet sind die Arbeiter
in der Landwirtschaft. In Entwicklungsländern, aber auch in Südeuropa fehlt es oft am notwendigen Arbeitsschutz. Durch den Einsatz von Spritzmitteln kommt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zu jährlich weltweit bis zu 200.000 Toten durch Vergiftungen.
Die Agrargifte schädigen Tiere und sind daher für den sehr starken Rückgang der Artenvielfalt mitverantwortlich. Die Agrarchemie gelangt auch ins Grundwasser, in Flüsse und Seen. Zig Millionen Euro jährlich müssen allein die Wasserwerke für die Entfernung der Giftfracht aus dem Trinkwasser ausgeben.
Auch Verbraucher sind bedroht. Die gesetzlichen Grenzwerte, sprich die zugelassenen Höchstmengen für Pestizide in Lebensmitteln, schützen uns nicht zuverlässig. Giftexperten wie der Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse sind überzeugt, dass die Grenzwerte zu hoch sind. Das an der Grenzwertfestlegung beteiligte Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
musste nach Vorlage von Greenpeace-Studien einen schweren Mangel eingestehen: Viele Grenzwerte sind unsicher, da die akute Giftwirkung von Pestizidwirkstoffen nicht berücksichtigt worden war. Doch statt diese Sicherheitsmängel zu beseitigen, hat die Europäische Union in den vergangenen Jahren die sowieso schon zu hohen Grenzwerte noch heraufgesetzt. So landet ganz legal immer mehr Chemie auf den Tellern.
Pflanzenschutz geht auch ohne Gifte
Chemie-Konzerne behaupten, der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sei unabdingbar für die Sicherung der Welternährung. Über die Schäden an Mensch und Natur sprechen sie nicht so gern. Dabei ist der Bioanbau im weltweiten Durchschnitt genauso ertragreich wie die konventionelle Landwirtschaft. Das zeigten große internationale Vergleichsstudien.
Biolandwirtschaft spart enorme Energiemengen ein, da sie auf Stickstoff-Kunstdünger verzichtet. Durch Monokulturen und den andauernden Einsatz künstlicher Spritzmittel werden Insekten, Wildkräuter oder Pilze immer öfter resistent - und die Chemie allmählich wirkungslos. Landwirte versuchen in solchen Fällen, mit immer höheren Dosierungen gegen unerwünschte Gräser und Insekten vorzugehen - mit immer größeren Schäden an der Umwelt.
Dabei stellt die Natur selbst die besten Mittel gegen solche Insekten oder Pilze bereit. Der Bioanbau bedient sich dieser Möglichkeiten schon lange. Immer öfter setzen jetzt auch konventionell arbeitende Landwirte auf die chemiefreien Verfahren - zum eigenen Vorteil. So hatten die Bauern im spanischen Almeria, dem weltweit größten Paprika-Anbaugebiet, im Jahr 2005/06 den Bogen überspannt: 40 bis 50 Prozent ihrer Ware überstieg die gesetzlichen Grenzwerte. Greenpeace fand in einem Großteil der Ware illegale Pestizide. Deutsche Supermärkte kündigten die Abnahmeverträge en gros, spanische Lieferanten mussten große Teile ihrer Ernte vernichten.
Doch einige Gemüseproduzenten hatten schon Erfahrungen mit alternativen Schutzverfahren gesammelt. Sie setzen Nützlinge ein - natürliche Feinde der für Paprika schädlichen Insekten und hielten diese so in Schach. In Almeria wird Paprika heute zum größten Teil schonender angebaut. Die Pestizidbelastungen sind drastisch gesunken und die Paprika-Erträge oftmals gestiegen. Greenpeace bekam 2008 von der Provinz Almeria den Preis von Almeria verliehen - für seine Schlüsselrolle bei der Umstellung der Region auf eine nachhaltigere Landwirtschaft.
Im Einsatz für gesunde Verbraucher, Landwirte und eine gesunde Natur
Greenpeace untersucht regelmäßig Obst und Gemüse der großen Handelsketten auf Pestizidrückstände. Geballte Ladungen von Spritzmitteln können etwa in Kopfsalat, Paprika, Pfirsichen und Tafeltrauben stecken. Einen entscheidenden Teil der Verantwortung für die unsicheren Nahrungsmittel trägt der Handel. Bei dem unerbittlichen Preiskampf, auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen, zählte lange nur Masse statt Klasse. So ist Deutschland der billigste Lebensmittelmarkt in Westeuropa.
Greenpeace hat es jedoch geschafft, dass alle großen deutschen Supermarktketten neue und strenge Standards für die Pestizidbelastungen festgelegt haben, die durchweg schärfer als die gesetzlichen Grenzwerte sind. Alle großen Ketten haben inzwischen Programme zur Senkung der Pestizidbelastungen gestartet: Intensive Kontrollen, Auswahl der Lieferanten, Vertragsanbau, Schwarze Listen für besonders gefährliche Pestizide gehören zu den neuen Instrumenten. Das zeigt Wirkung: Bei vielen bisher besonders problematischen Produkten wie Paprika, Trauben oder Früherdbeeren sinken die Belastungen inzwischen deutlich.
Greenpeace hat auch dazu beigetragen, dass die EU im Jahr 2009 ein neues, schärferes Zulassungsrecht für Pestizide verabschiedet hat. In Zukunft dürfen krebserregende, erbgutschädigende oder die Fortpflanzung beeinträchtigende Pestizide gar nicht mehr vermarktet werden. Doch andere gefährliche Pestizide bleiben auf dem Markt, zum Beispiel solche, die das Immunsystem beeinträchtigen, das Hormon- oder das Nervensystem stören. Es gibt also weiterhin viel zu tun für Greenpeace und wachsame Verbraucher, die sich mieses Essen nicht gefallen lassen wollen.
Unser Rat: Wer keine Pestizide und Gentechnik im Essen will, sollte Bioware kaufen. Der Bioanbau ist aktiver Klimaschutz, er schont die natürliche Artenvielfalt. Fair gehandelte Produkte stellen zudem sicher, dass den Bauern ein gerechter Preis bezahlt wird.
Hier finden Sie Testergebnisse sowie weitere Hintergründe.
Wie kann man pestizidbelastete Lebensmittel vermeiden?
Dies sollten Sie bei Einkauf und Zubereitung von Obst und
Gemüse beachten: