Der Bug liege schon vier Meter tiefer im Wasser als das Heck, meldete dpa am Freitag nachmittag. Kerosin sei aber nicht ausgetreten. Der Kapitän der Vicky hat wegen der Schräglage seines Schiffs inzwischen gebeten, einen Teil der Ladung umzupumpen, um den Tanker wieder in eine stabile Lage zu bringen und für Reparaturarbeiten einen Hafen anlaufen zu können.
Unterdessen hat die belgische Verkehrsministerin Isabelle Durant den französischen Behörden vorgeworfen, die Unfallstelle der Tricolor nicht ausreichend gesichert zu haben. Das Unglück mit der Vicky zeige leider, dass die derzeitigen Maßnahmen zur Sicherung nicht ausreichten. Die Tricolor liegt an der Grenze der belgischen und französischen Hoheitsgewässer am Rand der Schifffahrtsroute durch den Ärmelkanal. Dieser wird täglich von 400 bis 500 Schiffen passiert.
Die französische Regierung sowie belgische und deutsche Lotsenverbände wiesen die Vorwürfe zurück und beklagten stattdessen den schlechten Ausbildungsstand der Schiffsbesatzungen. Das Wrack der Tricolor sei mit fünf Bojen gesichert, von denen eine Radarsignale ausstrahle. Außerdem stünden Schlepper in der Nähe, von denen aus auch die Vicky gewarnt worden sei.
Kommunikation sei auf See besonders wichtig: Dazu gehört, dass an Bord auch verstanden wird, was gesagt wird
, betonte der Präsident des Bundesverbandes der See- und Hafenlotsen, Kurt Steuer. Er forderte Überseelotsen an Bord bei der Fahrt durch besonders verkehrsreiche oder schwierige Passagen wie den Ärmelkanal oder die Kadetrinne in der Ostsee. Leider habe die Qualifikation der Besatzungen in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Das Interesse der Reeder sei nur noch: Wo kriege ich den billigsten Seemann her?
(hol)