Die französischen Strände sind inzwischen wie die spanischen auf hunderten Kilometern von der Ölpest aus der vor sechs Wochen im Atlantik gesunkenen Prestige betroffen. Weitere Ölverschmutzungen werden befürchtet, auch wenn am Montag günstige Winde das Öl von der Küste fort trieben.
Seit Donnerstag versuchen Feuerwehr, Polizei, Militär und Gemeindeangestellte die Strände von den giftigen Ölklumpen zu reinigen. Am Wochenende gelangten statt einzelner Brocken jedoch zunehmend größere Fladen in die Region und bedrohen Austern- und Muschelbänke. Seit Sonntagabend dürfen die Schalentieren nicht mehr verkauft werden. Jährlich werden im Arcachon-Becken rund 12 000 Tonnen Austern geerntet. 350 Unternehmen und 1000 Beschäftigte hängen von der Austernzucht in der Region ab.
Die französischen Grünen haben der Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin vorgeworfen, bei weitem nicht genug zum Schutz der Küstenregion zu unternehmen. Die 200 entsandten Soldaten und die 50 Millionen Euro Soforthilfe seien ein Anfang, aber längst nicht genug" zur Bekämpfung dieses "Meeres-Tschernobyl
, sagte der Grünen-Abgeordnete Noel Mamère der Tageszeitung Le Parisien.
Auch an der spanischen Atlantikküste spülte die Flut am Wochenende neue Ölteppiche an. Die bereits mehrfach gesäuberten Strände der Todesküste wurden erneut von einer dickflüssigen, schwarzen Brühe überzogen. Die Behörden der Region behaupteten, der starke Wellengang habe an der Küste liegendes Öl lediglich gelöst und erneut angespült. Die örtlichen Fischer sind hingegen überzeugt, es handele sich um die mittlerweile vierte Ölflut aus der Prestige.
Das in 3600 Meter Tiefe liegende Wrack verliert nach wie vor täglich rund 100 bis 150 Tonnen Öl. Damit ist inzwischen schon knapp die Hälfte der 77.000 Tonnen Öl, die sich an Bord des Tankers befanden, ausgetreten und wird früher oder später die europäischen Strände verschmutzen. Etwa 40.000 Tonnen giftiges Schweröl werden noch an Bord der zwei Wrackteile vermutet.
Von den ursprünglich festgestellten 20 Lecks konnten bislang nur sechs abgedichtet werden. Am Wochenende brachte das französische Spezial-U-Boot Nautile weitere Säcke mit Metallschrot zur Versiegelung der undichten Stellen zum Wrack. Die spanische Regierung plant, bis zum 20. Januar alle Lecks abzudichten. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, bis zum 20. Januar alle Lecks abzudichten, ist fraglich
, ahnt Greenpeace Öl-Experte Jörg Feddern. Fraglich bleibt auch, wie lange die abgedichteten Stellen halten. Zu befürchten ist, dass nach einem gewissen Zeitraum erneut Öl aus dem Wrack kommt. Dann geht das Theater wieder von vorne los. Es muss ein Konzept entwickelt werden, das Öl endgültig zu sichern.
Der griechische Kapitän des Unglücks-Tankers wird vorerst in Haft bleiben. Die spanische Justiz lehnte eine Freilassung wegen Fluchtgefahr ab. Auch eine Verringerung der verlangten Kautionssumme von drei Millionen Euro komme nicht in Frage. Dem Kapitän wird vorgeworfen, die Bergungsarbeiten behindert und Aufforderungen eines spanischen Schleppers mehrfach missachtet zu haben. Unabhängige Experten halten jedoch auch die spanische Regierung für mitverantwortlich für den Untergang der Prestige. Der Tanker sei nur auseinander gebrochen, weil er tagelang bei schwerem Sturm auf die offene See hinaus geschleppt worden sei. Für Feddern ist klar: Dieses Desaster zeigt, wie dringend wir entlang der gesamten europäischen Küste Notfallhäfen brauchen, in die havarierte oder manövrierunfähige Tanker geschleppt werden können. Nur so können große Katastrophen wie im Falle der Prestige verhindert werden.