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Risiko statt Sicherheit

Die Meldungen über Sabotage und Sicherheitslücken an Europäischen Atomkraftwerken nehmen zu. Klar ist: Sicherheit kann nur durch einen europaweiten Atomausstieg gewährleistet werden.

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Die jüngsten Nachrichten sind erschreckend. Sie berichten von einem vermutlichen Sabotageakt am Kernreaktor Doel 4 nahe der belgischen Stadt Antwerpen. Vergangene Woche schaltete sich der Meiler unerwartet automatisch ab, nachdem 65.000 Liter Schmieröl ausgelaufen waren. Dadurch überhitzte die Turbine. Laut Aussagen von Polizei und Atomaufsicht erhärte sich der Verdacht, dass bewusst Sabotage verübt wurde. Erschreckend, wenn man bedenkt, welche Folgen menschliches Versagen, Fehleinschätzungen oder vorsätzliche Manipulationen haben können – die Katastrophe von Tschernobyl ist nur eines der furchterregenden Beispiele.

Die Schäden am Reaktor sind möglicherweise schwerwiegender als bisher angenommen. Die Achse der Turbine hat sich verformt, es kann mehrere Monate dauern bis sie repariert ist. Der Reaktor kann aus diesem Grund dieses Jahr vermutlich nicht mehr ans Netz gehen – das wären die einzig guten Nachrichten.

Hiobsbotschaften menschlicher Fehler häufen sich

Erst im Juli wurden Bohrlöcher in der Schutzhülle des AKW Leibstadt entdeckt. Eine externe Firma bohrte 2008 Löcher für die Halterung von Feuerlöschern in das sensible Primärcontainment des Reaktors. Es stellt sich die Frage, wie so etwas sechs Jahre unbemerkt bleiben kann, werden doch die Sicherheitsüberprüfungen am Schweizerischen AKW so hochgehalten.

Die Hoffnung über ein Abschalten des Atomkraftwerks zerschlug sich schnell. Die Löcher wurden nun zur Zufriedenheit der Atomaufsichtsbehörde des Bundes (Ensi) repariert und die Überprüfungsmaßnahmen sollen verschärft werden. Doch wer garantiert dass Schäden nicht bewusst verursacht oder übersehen werden, um ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, die gerade bei den überalterten Reaktoren in Europa so nicht mehr gewährleistet werden.

Europaweites Atomrisiko wächst

Das sind nur zwei Beispiele. In vergangener Zeit gab es immer wieder Vorfälle wie an den störanfälligen Meilern in Cattenom. Die aktuellen Vorkommnisse zeigen nun mehr, dass wir ständig mit einem erheblichen Sicherheitsrisiko leben, dass mit steigendem Alter der Reaktorflotte in Europa täglich wächst. Deshalb fordert Greenpeace den Atomausstieg in Europa schnellstmöglich einzuleiten und die Energiewende voranzutreiben.

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Report: Unequal Impact

Menschenrechtsverletzungen bei Frauen und Kindern nach dem Atomunfall im Kraftwerk Fukushima Daiichi. Report in englischer Sprache.

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