
Große weltweit agierende Konzerne melden immer häufiger Patente auf genetische Ressourcen an, um sie als Rohmaterial industriell zu nutzen. Dabei bedienen sie sich der biologischen und kulturellen Vielfalt in den Ländern des Südens.
So sammeln Pharmamultis in Entwicklungsländern mit großer Artenvielfalt Heilpflanzen, um sich die Verwertungsrechte an den begehrten Wirkstoffen zu sichern und sie für ihre Produkte brauchbar zu machen. Die dort lebenden Menschen, denen die Forscher ihre Erkenntnisse verdanken, gehen oft leer aus.
Biopiraterie bedeutet, dass genetische oder biologische Ressourcen patentiert und genutzt werden, ohne Zustimmung des Herkunftslandes oder der lokalen Gemeinschaften und indigenen Völker, die die Ressourcen bisher züchteten und nutzten. Das Ergebnis ist ein stillschweigender Diebstahl von über Jahrhunderte erworbenem Wissen, der von den Industrienationen an den Entwicklungsländern begangen wird. Lang aufgebautes traditionelles Wissen und grundlegende biologische Ressourcen können durch Patentierungen ganz legal und gewinnbringend abgeschöpft werden, ohne die Ursprungsländer zu beteiligen.
Die Folgen sind gravierend: Die weitgefassten Patente wirken sich erheblich auf den Zugang zu Nahrungsmitteln, die medizinische Versorgung, Forschung, Entwicklung und den Erhalt der Artenvielfalt aus. Wie weit die Industrie bei der Aneignung der genetischen Ressourcen geht, zeigen die Patentierungen auf Pflanzen wie Mais, Reis und Soja.