
Die harsche Ansage aus Grönland kommt nicht unerwartet. Obwohl mittlerweile größtenteils unabhängig von Dänemark, hofft man, die heimische Wirtschaft durch teuer verkaufte Ölbohrlizenzen anzukurbeln. Entsprechend unbeeindruckt verurteilte auch Kuupik Kleist, Premierminister Grönlands, die Greenpeace-Aktion zum Schutz der Arktis als schädlich für die Wirtschaft des Landes
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Das Greenpeace-Schiff Esperanza liegt seit zehn Tagen vor der Bohrplattform Stena Don und weist auf die riskanten Probebohrungen der britischen Ölfirma Cairn Energy hin. Am 31. August gelang es vier Aktivisten trotz scharfer Beobachtung der dänischen Kriegsmarine, zur Plattform vorzustoßen und sie zu erklimmen. Morten Nielsen, Vize-Chef der grönländischen Polizei, lässt indes öffentlich verlauten, er werde die Aktivisten verhaften und strafrechtlich belangen – wann, werde er allerdings nicht verraten.
Seitdem die Kletterer unterhalb der Plattform in Überlebensanzügen und mit ausreichend Proviant versorgt baumeln, hat Cairn Energy notgedrungen seine Bohrungen eingestellt. Jeder weitere Tag erhöht die Chance, dass Cairn Energy seine Probebohrungen bis Wintereinbruch nicht beenden kann. Die Greenpeace-Aktivisten harren derweil unter eisigen Temperaturen knapp 193 Kilometer vor der grönländischen Küste aus. Der amerikanische Greenpeace-Aktivist Sim McKenna sagt: Ich fühle mich recht unbehaglich, wie ich unter dieser riesigen Ölplattform baumele, nur wenige Meter über dem eisigen Wasser. Aber es ist höchste Zeit, etwas gegen die gefährlichen Tiefseebohrungen zu unternehmen, insbesondere hier in der unberührten Arktis. Wir müssen unsere Abhängigkeit vom Öl beenden!
Mc Kenna weiß, wovon er spricht – als freiwilliger Helfer unterstützte er noch vor einigen Wochen die Aufräumarbeiten der von BP verursachten Ölpest im Golf.
Der arktische Winter unterbindet ab Oktober jegliche Bohrarbeiten vor Ort. Die eisigen Temperaturen, Dunkelheit und zufrierende Eismassen würden zugleich im Falle eines Unfalls jegliche Aufräumarbeiten verhindern. Wie die kleine Ölfirma Cairn Energy eine mögliche Ölpest bewältigen könnte, ist ungewiss: Bisher hat man in Indien, Bangladesch, Nepal und Tunesien Erdgas- und -öl gefördert und hat entsprechend wenig Erfahrung mit Tiefsee- und Arktisbohrungen. Seit dem 1. Juli 2010 bohrt Cairn Energy mit Lizenzen der grönländischen Regierung nach Öl. Das britische Unternehmen gibt für das Jahr 2009 ein Einkommen von lediglich 234 Millionen US-Dollar an - kaum eine realistische finanzielle Absicherung, um die Folgen einer Ölpest zu stemmen. Die Branche beobachtet die Suche nach dem schwarzen Gold mit Argusaugen und sichert sich derweil weitere Bohrlizenzen. Greenpeace fordert weltweit einen Stopp der gefährlichen Tiefseebohrungen.