
Vor rund zwei Wochen ist Shells Ölbohrschiff Noble Discoverer gefährlich nahe ans Ufer des Dutch Harbor in Alaska gekommen. Laut Augenzeugen ist das Schiff auf Grund gelaufen und musste von einem Abschleppdampfer vom Ufer gezogen werden. Wenn ein Schiff auf Grund läuft, können Schäden an kritischen Stellen, wie Ruder, Propeller oder Bohrturm entstehen. Der Vorfall zeigt, dass Shell die Schiffe offenbar nicht unter Kontrolle hat und bei den künftigen Bohrungen ein großes Risiko eingeht.
Durch die Rückschläge hängt der Konzern seinem Zeitplan hinterher und fordert deshalb eine Verlängerung der Ölbohrzeit. Die US-Regierung hat ursprünglich mit Shell vereinbart, dass sie die Bohrungen in der Tschuktschensee am 24. September beenden. Die Ölbohrungen in der Beaufortsee sollten Ende Oktober gestoppt werden. Dieser Zeitraum wurde als lang genug befunden, dass Shell die Bohrungen durchführen kann bevor das Eis kommt.
Dies ist verzweifeltes und rücksichtsloses Handeln einer Firma, deren Pläne ziemlich chaotisch sind
, meint der Kampagnendirektor Dan Howells von Greenpeace USA. Was Shell der Regierung und der Öffentlichkeit monatelang erzählt hat, entspricht nicht der Wahrheit. Shell kann keine Sicherheit in der Arktis gewähren. Nun bitten sie die US-Regierung ein Auge zu zudrücken und ihre Laufzeit zu verlängern. Das Zeitfenster der Bohrungen soll bis in den arktischen Herbst gehen, wo Unwetter und Stürme am stärksten sind. Das wäre unakzeptabel und könnte fatale Folgen für eines der verwundbarsten Ökosysteme der Welt bedeuten.
Ob Shell die gewünschte Verlängerung bekommt, wird sich zeigen. Die Chancen für den Ölkonzern stehen nicht bestens. Die verantwortlichen Behörden der USA haben bereits veranlasst, das ursprüngliche Bohrprogramm von Shell um 38 Tage zu kürzen.