
Die Katastrophe im Golf von Mexiko hat deutlich gezeigt: Die Ölindustrie dringt weltweit in immer größere Meerestiefen vor und fördert so Bohrungen mit immer höheren Risiken. Stoppen könnte diesen gefährlichen Run auf die Tiefsee - zumindest für den Nordost-Atlantik - die kommende OSPAR-Konferenz vom 20. bis 24. September. Denn im Gegensatz zum Golf von Mexiko gibt es für diese Gewässer inklusive der Nordsee ein Übereinkommen für den Schutz der Meeresumwelt (OSPAR).
Bei schönstem Wetter dürfte am Pariser Platz heute einiges los sein. Dort informieren am 31. August und 1. September Greenpeace-Aktivisten das internationale Laufpublikum über das riskante Tiefseegeschäft der Ölindustrie und sammeln Unterschriften auf einem riesigen Banner. Zwei nachgebaute meterhohe Ölfördertürme und ölverschmierte Aktivisten weisen auf die möglichen Folgen einer Ölpest in heimischen Gewässern hin.
Die Unterschriften und Stimmen für den Schutz der Meeresumwelt wird Greenpeace den Botschaften der stimmberechtigen OSPAR-Länder überreichen. Greenpeace forderte bereits von Bundesumweltminister Röttgen, sich für ein Stopp von Tiefseebohrungen einzusetzen. Dieser hatte sich am 22. Juli 2010 beim Polit-Talk von Maybritt Illner für eine Überprüfung der Sicherheitsstandards und ein Moratorium ausgesprochen. Einen OSPAR-Antrag hat Deutschland mittlerweile eingereicht - das Ergebnis ist allerdings ernüchternd: Das Wort Moratorium kommt in diesem Antrag lediglich in der Überschrift vor
, so Jürgen Knirsch, Ölexperte bei Greenpeace. Es handelt sich dabei eher um eine Aufforderung, ein Moratorium zu diskutieren. Wir hoffen, dass sich die anderen OSPAR-Mitglieder ernsthafter für den Schutz des Nordost-Atlantiks einsetzen werden.

Bereits 1998 konnte Greenpeace auf der OSPAR-Konferenz den Schutz des Nordostatlantiks erhöhen: Nach einer Greenpeace-Kampagne im Jahr 1995 gegen die Versenkung der Ölplattform Brent Spar in der Nordsee, verkündete die OSPAR zunächst ein zweijähriges Moratorium für das Versenken von ausrangierten Ölplattformen. Drei Jahre später beschloss die Konferenz einstimmig ein dauerhaftes Verbot.

Wer Zeit und Lust hat, an der Protestaktion teilzunehmen, kann am 31. August und 1. September am Pariser Platz in Berlin vorbeikommen!