
So erfreulich der Verschluss des Öllecks ist, so wenig sind die grundlegenden Probleme gelöst
, gibt Christian Bussau, Ölexperte bei Greenpeace zu bedenken. Die Ökosysteme des Golfes und der Küstenregionen sind massiv geschädigt worden, langfristige Folgeschäden etwa in den Mangrovenwäldern wie auch für die Fischerei und den Tourismus sind sehr wahrscheinlich.
Kein funktionierender Notfallplan zur Hand und prompt gerieten die Eingriffe BPs zur Farce: Giftige Lösungsmittel unter und auf der Meeresoberfläche, Abfackeln des schwimmenden Öls, eine Stahlglocke über, dann Schlamm ins Bohrloch, der Super-Tanker A-Whale: nichts konnte das Öl stoppen. Auch der Einsatz des neuen Auffangzylinders erwies sich als Geduldsprobe, nachdem eine defekte Leitung die notwendigen Tests weiter verzögerte.
Schlussendlich Erleichterung: Die Ventile sind geschlossen, die Kappe hält - vorerst. Ob sie dem massiven Druck standhält oder sich das Öl einen neuen Weg in anderthalb Kilometer Tiefe bahnen wird, werden die nächsten Tage zeigen. Auch wenn derzeit kein Öl mehr ins Meer fließt - diese Tatsache allein wäre noch kein Beleg dafür, dass der Ölaustritt aus dem Bohrloch auf Dauer gestoppt worden ist
, so die letzte Pressemitteilung von BP. Ausgleich können lediglich die Entlastungsbohrungen bringen, die sich laut BP noch bis in den August hineinziehen können.
Es ist völlig unklar, ob die 20 Milliarden Dollar, die BP auf ein Treuhandkonto einzahlen musste, ausreichen, die gröbsten Schäden zu beseitigen
, betont Bussau. Den Tod von tausenden Vögeln, Meeresschildkröten, Delfinen, Fischen, kann man nicht mit Geld wieder gut machen.
Greenpeace-Büros weltweit setzen sich seit einigen Wochen für ein Förderverbot von Öl und Gas in der Tiefsee ein. Mit der Forderung Raus aus der Tiefsee protestieren in Deutschland Greenpeace-Aktivisten vor Tankstellen der großen Mineralölkonzerne gegen die gefährlichen Expansionspläne der Ölmultis.
Greenpeace-Deutschland hat die Vorsitzenden der großen Ölkonzerne bereits aufgefordert, zu ihren Plänen in der Tiefsee Stellung zu beziehen und jegliche Bohrungen dort auszusetzen. Zuletzt demonstrierten belgische, französische und deutsche Aktivisten gemeinsam vor dem Sitz von EU-Energiekommissar Günther Oettinger für ein Ende der Ölbohrungen unterhalb von 200 Metern Tiefe.
(Autorin: Michelle Bayona)