
Der russische Atom-Eisbrecher Jamal soll sich Ende Mai aus Murmansk auf den Weg zu der Forschungsstation machen. Zehn Tage wird die Fahrt dauern, es könnte eine Rettung in letzter Sekunde werden. Wie der Leiter der Forschungssation, Wladimir Sokolow, mitteilte, nehmen die Risse in der zwei bis vier Meter dicken Eisscholle dramatisch zu. Nicht nur das Leben der Forscher ist in Gefahr: Sollte der Abbau der Station nicht rechtzeitig gelingen, droht die Freisetzung von Schmierölen und Abfällen.
Die Forschungsstation war erst im Oktober 2012 errichtet worden. Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern kommentiert ihr vorzeitiges Ende: "Die dramatische Situation auf der russischen Forschungsstation in der Arktis ist eine Warnung an alle, die künftig die Rohstoffe der Region ausbeuten wollen. Die Bedingungen vor Ort sind nicht kalkulierbar, jederzeit kann es durch Wetterumschwünge zu gefährlichen Situationen kommen. Geplante Ölbohrungen sind angesichts dieser Gefahren verantwortungslos und müssen gestoppt werden."
Schon seit 80 Jahren betreibt Russland treibende Forschungsstationen im Nordpolarmeer. Diese dienen auch der Erkundung von Bodenschätzen, die in der Arktis vermutet werden: Öl, Gas und seltene Erden. Der russische Staatskonzern Gazprom betreibt in der Petschorasee bereits die Öl-Bohrinsel Prirazlomnaya, die in diesem Jahr die Förderung aufnehmen könnte. Greenpeace-Aktivisten - unter ihnen auch der Greenpeace-Geschäftsführer Kumi Naidoo - hatten 2012 mit Schlauchbooten an der Plattform protestiert.
In Folge der globalen Erwärmung sind immer größere Gebiete des Nordpolarmeers im Sommer eisfrei. Staaten und Ölkonzerne wollen diese Veränderungen nutzen, um neue Öl- und Gasvorräte und kürzere Seewege zu erschließen. "Anstatt die Zeichen der Zeit zu erkennen und einen nachhaltigen, zukunftsorientierten Weg der Energieversorgung einzuschlagen, setzt die Industrie weiter auf fossile Energien wie Öl und heizt die Zerstörung einer der letzten unberührten Regionen der Erde weiter an. Deshalb fordert Greenpeace ein Verbot der industriellen Ausbeutung der Arktis," so Feddern.
Unter den Arktis-Anrainerstaaten ist eine Auseinandersetzung um die staatenlosen Arktis-Gebiete entbrannt. In einer symbolischen Aktion hatte ein U-Boot 2007 eine russische Flagge aus Titan am Nordpol befestigt. Greenpeace fordert, dass in den internationalen Gewässern der hohen Arktis ein Schutzgebiet errichtet wird, das die Arktis vor der Annexion einzelner Staaten bewahrt. Sechzehn Greenpeace-Aktivisten waren deshalb Mitte April zu einer Expedition zum Nordpol aufgebrochen, um dort ihrerseits die "Flagge der Zukunft" auf den Meeresgrund abzusenken und die Arktis zum internationalen Menschheitserbe zu erklären.

Die Unternehmen sollen künftig sowohl einen Notfalleinsatzplan als auch einen Nachweis ihrer Fähigkeit zur Haftung und Entschädigung im Ernstfall vorlegen müssen.
Entsprechend der Richtlinie sollen "Die Betreiber [...] sicherstellen, dass sie auf ausreichende materielle, personelle und finanzielle Ressourcen zugreifen können, um die Auswirkungen schwerer Unfälle zu minimieren und zu beheben." (Art. 48) Das bedeutet im Klartext: Die Betreiber von Offshore-Gas- oder Ölförderanlagen müssen Risiken und mögliche Folgen analysieren.
Sie sollen zukünftig genau dokumentieren, welche potentiellen Gefahren drohen, welche Auswirkungen ein Unfall haben könnte und dass sie in der Lage wären, die Folgen eines Unfalls auch unter extremen Bedingungen - etwa ausgetretenes Öl bei rauer oder zugefrorener See - zu beseitigen. Die Unternehmen müssen über Mittel verfügen um für die Folgen eventueller Unfälle zu haften und Entschädigungen zu zahlen.
Kann ein Betreiber diese Nachweise nicht erbringen, soll keine Lizenz erteilt werden.Die Ölkonzerne sollen in Zukunft einen internen Notfalleinsatzplan vorlegen, während die EU-Mitgliedsstaaten externe Notfalleinsatzpläne für Öl- und Gasplattformen auf ihrem Territorium erstellen müssen. Die EU-Staaten müssen die Richtlinie innerhalb von zwei Jahren umsetzten; für bestehende Anlagen jedoch haben die Betreiber fünf Jahre Zeit.
Greenpeace begrüßt grundsätzlich die Stärkung eines effektiven Meereschutzes durch die Richtlinie des EU-Parlaments. Die angestrebte Verpflichtung der Ölkonzerne zur Vorlage eines genauen Risiken- und Maßnahmenkatalogs ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Richtlinie geht jedoch nicht weit genug und lässt zu Vieles offen.
"Das Gesetz ist ein erster Schritt auf dem Weg dahin, Ölbohrungen in europäischen Gewässern, wo Säuberungsaktionen extrem schwierig wären, zu verhindern. Die EU-Chefs müssen jetzt auf ein internationales Verbot von Ölbohrungen in der Arktis hinarbeiten, denn dort ist es unmöglich, einen Ölunfall zu beherrschen", sagt Joris den Blanken, Greenpeace-Experte für EU-Klimapolitik. Auf die Gesetzgebung für die arktischen Gewässer jedoch habe die EU keinen Einfluss, so der Unterton der Pressemitteilung des EU-Parlaments.
Nicht nur ist es beunruhigend, dass bestehende Ölplattformen erst in fünf Jahren nachweisen müssen, dass sie die Risiken beherrschen. Das sind fünf Jahre, in denen sich unbeherrschbare Ölkatastrophen in europäischen Gewässern ereignen könnten. Auch die Unterschiede in der konkreten Umsetzungen der Richtlinie durch die Mitgliedsstaaten sind groß: EU-Staaten, unter deren Rechtshoheit keine Offshore-Bohrungen durchgeführt werden sowie Binnenmitgliedstaaten müssen die meisten Bestimmungen der Richtlinie nicht umsetzen. Außerdem kritisiert Greenpeace, dass, trotz der Bestimmungen zur Haftungsfähigkeit, eine grundsätzliche Entschädigung von Fischern und Tourismusbranche nach Ölunfällen nicht vorgesehen ist.
Greenpeace fordert, dass die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinie in strengstmöglicher Weise umsetzen und damit für echte Sicherheit und Schutz der Meere sorgen.

Eigentlich soll der Arktische Rat für Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Arktis sorgen, doch die Harper-Regierung will die Industrialisierung der Region vorantreiben. Kanadische Politiker haben sich bereits dafür ausgesprochen, der Industrie ein größere Mitspracherecht im arktischen Rat einzuräumen.
"Wir werden nicht einfach dabei zuschauen, wie die kanadische Regierung in den nächsten zwei Jahren im arktischen Rat ihre Agenda in die Tat umsetzt," sagt Christy Ferguson von Greenpeace Kanada. "Die Entscheidungen darüber, welche Entwicklungen für diese Region sicher und nachhaltig sind, sollten nicht von Unternehmen gefällt werden, die von ihrer Zerstörung profitieren. Der Arktische Rat sollte ein Forum sein, dass Umweltkatastrophen wie Ölunfälle verhindert - und sie nicht in die Wege leitet."
Schreiben Sie jetzt an den kanadischen Premierminister Stephen Harper und fordern Sie ihn auf, sich für den Schutz der Arktis einzusetzen.
Beim Treffen des Arktischen Rats im schwedischen Kiruna kamen am Mittwoch Vertreter der Arktis-Anrainer zusammen. Die Pläne, die die kanadische Gesundheitsministerin Leona Aglukkaq bei dem Treffen vorstellte, ließen unerwähnt, was die arktischen Staaten gegen den Klimawandel tun können oder wie sich Ölunfälle in der Region vermeiden lassen.
Am Ende des Treffens stand weder eine verbindliche Vereinbarungen zur Reduktion der CO2-Emissionen, noch war ein Bemühen erkennbar, den Ölrausch in der Arktis einzudämmen. Die Warnungen der vom Rat selbst bestellten Wissenschaftler und einiger Minister blieben ungehört.
Greenpeace fordert, dass Kanada und der Arktische Rat in den nächsten zwei Jahren konkrete Ergebnisse präsentieren müssen, um die Arktis zu schützen:
Greenpeace fordert, dass die unbewohnte Region um den Nordpol zu einem internationalen Schutzgebiet erklärt wird, das diese Gegend vor jeglichen Formen der industriellen Ausbeutung schützt. Außerdem fordert Greenpeace Verbote gegen Ölbohrungen und industrielle Fischerei in arktischen Gewässern. Auf der Seite savethearctic.org haben bereits über drei Millionen Menschen diese Forderung unterzeichnet.
Fordern Sie den kanadischen Premierminister Stephen Harper auf, sich für den Schutz der Arktis einzusetzen.