
Zum Glück kommt diese Erkenntnis nicht zu spät. Immerhin war Gazprom mit der Entwicklung seines Projektes schon weiter voran geschritten als Shell in Alaska. Dies ist allerdings nicht die erste Verzögerung. Geplant war, die erste kommerzielle Förderung arktischen Öls schon in diesem Jahr aufzunehmen. Aber technische Probleme machten den ehrgeizigen Plänen des Konzernchefs einen Strich durch die Rechnung.
Hinzu kommt, dass die behördliche Genehmigung für den erforderlichen Notfallplan in diesem Sommer abgelaufen war. Der Konzern hätte mit seinen Aktivitäten nach russischem Gesetz illegal gehandelt. Nicht, dass der Notfallplan ausreichend gewesen wäre. So beschränkte sich das Equipment an Bord der Plattform zur Beseitigung von austretendem Öl auf ein paar Eimer, Schaufeln und einem Vorschlaghammer. Weitere Materialien lagern im tausend Kilometer entfernten Murmansk.
Mit anderen Worten: ein Ölunfall wäre nicht beherrschbar und würde großflächig zu Verschmutzungen führen. Nach einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Untersuchung wären bis zu 3000 Kilometer Küste betroffen - darunter auch Naturschutzgebiete in der Nähe.
Vor Shell und Gazprom hatten sich bereits BP von ihrem Liberty Projekt vor der Küste Alaskas und Cairn Energy von ihrem Projekt vor der Küste Grönlands aus der Arktis verabschiedet. Damit finden in diesem Jahr keine Ölbohrungen in der hochsensiblen Arktis statt. Immerhin ein Zwischenerfolg.
Es scheint, der Ölindustrie geht langsam ein Licht auf: Die Herausforderungen für Ölbohrungen in der Arktis sind größer als erwartet. Aber die Arktis ist erst dann geschützt, wenn die Ölindustrie ihre Pläne endgültig aufgibt.
Vielleicht wird über die Wintermonate aus dem schwachen Licht der Erkenntnis bei den Verantwortlichen die strahlende Einsicht, dass es zum Öl aus der Arktis Alternativen, beispielsweise in Form Erneuerbarer Energien, gibt. Gut für Klima und Umwelt.
(Autor: Jörg Feddern)
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