
Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und dem neuesten Ölunfall im chinesischen Dalin am 16. Juli gewinnt die Erdöl-Frage an Brisanz: Deutschland muss Verantwortung übernehmen und Maßnahmen gegen Tiefseebohrungen ergreifen
, mahnt Jürgen Knirsch, Greenpeace-Ölexperte. Hierfür muss Herr Brüderle gemeinsam mit Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf dem Treffen der für den Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantik zuständigen Minister (OSPAR) im September einen Antrag für ein Verbot von weiteren Tiefseebohrungen einbringen.
Greenpeace definiert Tiefsee ab 200 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Ab dieser Tiefe können menschliche Taucher kaum mehr eingreifen, um auftretende technische Fehler zu beheben.
Wir müssen weltweit alles daran setzen, dass sich eine Katastrophe wie diejenige im Golf von Mexiko nicht wiederholen kann
, so Minister Brüderle in einer Pressemitteilung vom 14. Juli. Die Gelegenheit dazu bietet sich jetzt: Die nächste Sitzung der OSPAR findet bereits vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen statt. Die Antragsfrist endet am 13. August. Zu den Arbeitsbereichen der OSPAR zählt auch die Offshore Öl- und Gasindustrie. Greenpeace fordert mit der heutigen Aktion Brüderle und Röttgen auf, sich auf das Vorsorgeprinzip zu berufen und ein Verbot von Tiefseebohrungen in die Verhandlungen einzubringen.

Greenpeace dokumentiert seit Jahren regelmäßig die Ölförderanlagen vor der dänischen, norwegischen und britischen Küste. Auch der diesjährige Überflug zeigt, dass Ölteppiche um die Plattformen Nebenprodukt des alltäglichen Förderbetriebs sind - Tendenz steigend: Im Jahr 1984 belief sich die Menge des eingeleiteten Öls in die Nordsee noch auf 1.700 Tonnen; 2005 beziffert die OSPAR die Zahl auf rund 13.000 Tonnen. Greenpeace setzt sich für ein Ende der Abhängigkeit vom Öl ein und fordert länderübergreifend ein Ende der Tiefseebohrungen.