
Die Ölkonzerne wollen keine Konsequenzen aus der Katastrophe ziehen. Sie dringen weiter in die Tiefsee vor, als wäre nichts geschehen
, sagt Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern. Das Maß ist endgültig voll. Die Grenze des technisch Machbaren ist erreicht.
Shell-Chef Peter Voser erklärte erst kürzlich, dass sein Konzern zukünftig verstärkt in der Tiefsee nach Öl bohren will - aus Sicht von Greenpeace absolut unverantwortlich.
Währenddessen scheinen auch die anderen Konzerne ihre Strategie nicht ändern zu wollen: Der Esso-Konzern, eine Tochtergesellschaft von Exxon Mobil, hat sich bislang nicht zu seinen weltweiten Tiefseeprojekten geäußert. Und auch BP-Deutschland hüllt sich in Schweigen und äußert sich weder zum Unfall im Golf von Mexiko, noch dazu, ob der Konzern aus der Tiefsee-Ölförderung aussteigt.
In einem offenen Brief hatte Greenpeace am Dienstag alle in Deutschland vertretenen Öl-Konzerne aufgefordert sich klar zu einem Rückzug aus diesen Projekten zu bekennen. Was für BP gilt, gilt auch für die anderen Ölkonzerne. Die Ölausbeutung in der Tiefsee ist nicht beherrschbar
, erklärt Feddern. Sie bedroht Mensch und Natur und wirkt sich im Unglücksfall verheerend auf das Meer und seine Bewohner aus.

Es wird immer deutlicher, dass es keine ausreichenden Notfallpläne für solche Katastrophen gibt. Seit mittlerweile zehn Wochen versucht BP vergeblich den Ölaustritt aus dem Bohrloch im Macondo Ölfeld im Golf von Mexiko zu stoppen. Gleichzeitig werden die Zahlen des austretenden Öls ständig nach oben korrigiert.
Inzwischen spricht man von offizieller Seite von bis zu 9.500 Tonnen pro Tag. Damit wären seit dem Unglück vom 20. April zwischen 153.000 und 441.000 Tonnen Öl in den Golf von Mexiko ausgetreten. Zum Vergleich: Beim bisher schwersten Ölunfall in den USA, dem Tankerunglück der Exxon Valdez 1989 in Alaska, traten etwa 40.000 Tonnen Öl aus.
Ölteppiche schwimmen auch auf der Nordsee - als Folge des regulären Betriebs. Das dokumentiert Greenpeace bei Überflügen von Öl- und Gas-Plattformen seit Jahren, das letzte Mal im Mai. Greenpeace kontrollierte 25 der rund 400 Förderanlagen. Besonders riskant ist die Ölförderung von BP mit Förderschiffen westlich der Shetland-Inseln in über 400 Metern Wassertiefe.
Allein im Jahr 2007 kam es zu 515 Öl-Unfällen auf Plattformen im Nordost-Atlantik. Die Öl- und Gasfelder in der zentralen Nordsee sind erschöpft. Die Ölfirmen dringen mit ihren Förderprojekten deshalb immer weiter in die Tiefseeregion des Nordost-Atlantiks vor. Gegen diese geplante Ausbeutung gingen Greenpeace-Aktivisten bereits 1997 mehrere Monate vor.
Update 2. Juli 2010:
Martin Hausding von der Greenpeace-Gruppe Berlin war vor Ort und sprach mit Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern über die Aktion, was in Hamburg genau passierte und wie der aktuelle Stand rund um die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist. Hier geht's zum Podcast...