
Auf das Öl-Desaster im Golf von Mexiko folgte ein Verhandlungsdesaster bei der OSPAR-Konferenz. Die Staaten waren weder Willens noch in der Lage, angemessen auf die größte Ölkatastrophe der Geschichte zu reagieren
, so Stefan Krug, Leiter der politischen Vertretung von Greenpeace. Als Beobachter vor Ort hat er die Debatten auf der Meeresschutzkonferenz verfolgt: Die Empfehlung der Umweltminister ist ein Armutszeugnis. Tiefsee-Ölbohrungen können jetzt in den nordeuropäischen Meeren ungestört weiter gehen. Die Gier nach Öl und Profit hat den Meeresschutz ausgehebelt!
Was ist von der Ankündigung des deutschen Umweltminister Norbert Röttgen geblieben? Dieser hatte Monate zuvor in der TV-Sendung Maybrit Illner versprochen, man wolle sich für ein Moratorium, eine Pause für Tiefsee-Ölbohrungen einsetzen. Norwegen, Großbritannien und Dänemark – die Länder mit erheblichem Interesse an Ölförderung - haben diesen Ansatz in den letzten Tagen im Keim erstickt.
Ob das Wort des deutschen Ministers etwas geändert hätte? Immerhin ist Herr Röttgen gar nicht erst auf der Konferenz erschienen, um seinem Antrag Gewicht zu verleihen. Stefan Krug kommentiert: Frau Merkel hat die Initiative ihres Umweltministers mit keinem Wort öffentlich unterstützt. Stattdessen ließ sie zu, dass Wirtschaftsminister Brüderle den deutschen Vorschlag schon im Vorfeld massiv abschwächte. So hatten Norwegen und die anderen Ölstaaten in Bergen leichtes Spiel. Ein Moratorium auf Tiefsee-Bohrungen wird in den Abschlussdokumenten nicht einmal mehr als Option erwähnt.
Die Chance, über die OSPAR ein Verbot von Tiefseebohrungen zu erwirken, ist vertan. Greenpeace-Aktivisten halten dennoch weiterhin vor den Shetlands die Stellung: Seit vier Tagen harren Aktivisten in einer Überlebenskapsel an der Ankerkette des Chevron-Ölbohrschiffs Stena Carron aus. Sie stellen sicher, dass das Bohrschiff seine Probebohrungen in der Tiefsee etwa 200 Kilometer nördlich der Shetlands nicht aufnehmen kann. Greenpeace Deutschland ist vor Ort und berichtet im Blog direkt von der Aktion. Mehr...
Die Gefahr eines Ölunfalls in der Nordsee und im Nordost-Atlantik besteht damit weiter. Greenpeace dokumentiert seit Jahren regelmäßig die Ölverschmutzung durch den alltäglichen Förderbetrieb auf den Ölförderanlagen der Nordsee. Eine Ölkatastrophe wie sie BP im Golf von Mexiko ausgelöst hat, hätte in den kalten Gewässern des Nordens weitaus größere ökologische Konsequenzen.