
Der Bericht widerlegt die Aussagen der amerikanischen Behörde NOAA, die am 5. August frohlockte, der Großteil des ausgelaufenen Öls sei biologisch zersetzt, verdunstet, abgefackelt und eingesammelt. Das Öl ist immer noch da draußen und braucht wahrscheinlich Jahre, bis es abgebaut ist. Wir sind noch weit davon entfernt, die Auswirkungen vollständig zu verstehen
, warnt Professor Chuck Hopkinson, Initiator der Studie. Er und vier weitere Meeres-Experten der Universitäten im US-Bundesstaat Georgia haben die offiziellen Zahlen neu ausgewertet.
Hier geht es zur deutschen Übersetzung des Berichts.
Greenpeace-Experte Jörg Feddern und US-Wissenschaftler Rick Steiner zweifelten von Anfang an den Werten der NOAA-Behörde. Die Überprüfung der Wissenschaftler aus Georgia bestätigt:
Noch nicht eingerechnet ist das Öl, das bereits an die Küsten gespült worden ist.
Weltweit haben Medien die offiziellen NOAA-Zahlen aufgegriffen und fälschlich interpretiert, der Großteil des Öls sei verschwunden; der Rest kaum mehr gefährlich. Rückenwind kam von US-Präsident Obama, der mit einem medienwirksamen Badegang im Golf von Mexiko den Bedenken entgegenwirkte. Es ist eine falsche Annahme, dass das in Wasser gelöste Öl verschwunden und deshalb harmlos ist
,betont Professor Hopkins. Das dispergierte und gelöste Öl - umgerechnet auf die ausgelaufene Menge etwa 90 Prozent - könne immer noch hochgradig giftig sein.

Von Anfang an hat BP eine unabhängige Berichterstattung über die selbst verursachte Ölpest behindert und den Informationsfluss gezielt gesteuert. Auch die US-Wissenschaftler weisen explizit darauf hin, dass die offiziellen Schätzungen auf BP-Informationen beruhen, die weder Wissenschaftlern noch der Öffentlichkeit zugänglich sind. Kürzlich deckte ein Pressebericht der Sunday Times auf, dass BP bereits vor der Havarie etwa 390 Wartungsarbeiten an der havarierten Ölplattform wochenlang herausgezögert hat. Dennoch plant der Ölmulti weitere Ölbohrungen beispielsweise in Libyien - im Vergleich zur missglückten Bohrung im Golf von Mexiko doppelt so tief.
Um sich selbst ein Bild von den Auswirkungen der Ölkatastrophe zu machen, ist Greenpeace mit einem Schiff im Golf vor Ort. Mit an Bord sind Medienvertreter und Wissenschaftler, die eigenständige Untersuchungen vornehmen. Das Team auf der Arctic Sunrise dokumentiert derzeit die Biodiversität in den scheinbar noch nicht betroffenen Gebieten. Die dreimonatige Expeditionstour führt sie anschließend in die kontaminierten Gewässer. Von Bord berichtet Greenpeace-Forschungstaucherin Regine Frerichs.
Ein weiteres Greenpeace-Schiff, die Esperanza, ist kürzlich von London gestartet, um das gefährliche Tiefseegeschäft der Ölindustrie zu stoppen. Der Zielort? Streng geheim!