
Es ist ein Drama mit zahlreichen Akten, in dem die Explosion der Deepwater Horizon lediglich den Höhepunkt bildet: Auch nach der vorläufigen Schließung des Lecks im Golf zieht die Ölpest ihre Kreise. Viele Hunderttausende Tonnen Erdöl treiben langsam zur Meeresoberfläche, vergiften Fische, Schildkröten oder Delfine, verschmieren Wasservögel und verschmutzen die Strände. Das Öl wird noch jahrelang im Meer treiben. Bis das Ökosystem sich regeneriert hat, werden Jahrzehnte vergehen.
Hätte das Unglück verhindert werden können? Im Vorfeld der Havarie gab es zahlreiche Zwischenfälle, die den BP-Konzern hätten aufhorchen lassen müssen. Die Sicherheitslücken und technischen Defekte lassen sich viele Jahre zurückverfolgen. Nichtsdestotrotz: BP streicht seit 18 Jahren satte Gewinne ein – die aktuelle Negativbilanz des 2. Quartals 2010 von 17,2 Milliarden Dollar (etwa 13,2 Milliarden Euro) bildet die erste Ausnahme.
| Ort | 2000 | Netto-Profit |
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Türkei | Die Bak Ceyhan-Pipeline - die von Aserbaidschan, über Georgien bis zur türkischen Hafenstadt Ceyhan führt - passiert erdbebengefährdete Regionen und Naturschutzgebiete. Die türkische Regierung lockert im Jahr 2000 die sonst für den Pipelinebau geltenden Umweltbestimmungen. 2003 reichen Umweltverbände eine Klage wegen Verletzung der OECD-Leitsätze für multinationale Konzerne durch den Konsortiumsführer BP ein. | 11,87 Milliarden USD |
| Ort | 2001 | Netto-Profit |
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Alaska | Eine Öllache von 1.590 Liter entsteht in der Tundra Alaskas - eine korrodierte Pipeline ist aufgebrochen | 8,01 Milliarden USD |
Alaska | Die Washington Post veröffentlicht einen Report zu BP. Dieser deckt auf, dass das Unternehmen BP bei seinen Anlagen nicht genügend Ausrüstung für eine Stilllegung im Notfall bereitstellt. Eine ähnliche Ausrüstung hätte das Feuer und die Explosion auf der Deepwater Horizon verhindern können. |
| Ort | 2002 | Netto-Profit |
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Alaska | Explosion bei BP Alaska im North Slope-Gebiet, anschließend Feuer. Ein Arbeiter wird verletzt. Als Auslöser werden unzureichende Sicherheitstests und zu wenig Arbeitskräfte genannt. | 6,84 Milliarden USD |
| Ort | 2004 | Netto-Profit |
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Sibirien | Am 1. September 2003 verkündet BP eine strategische Partnerschaft mit der russischen Ölfirma TNK, die hauptsächlich im Samotlor-Ölfeld in Westsibirien tätig ist. Allein in den westsibirischen Ölförderregionen treten pro Jahr bis zu 5.000 Brüche von Ölpipelines auf. Jährlich werden bis zu 300 Havarien gemledet. Auslaufendes Öl, jährlich schätzungsweise drei bis zehn Millionen Tonnen, verseucht Böden und Gewässer. Riesige Ölseen zerstören den Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen. Von den bestehenden Pipelines sind etwa ein Drittel über 30 Jahre alt und reparaturbedürftig. BP kündigt zwar eine Sanierung an, doch geändert hat sich vor Ort kaum etwas. | 10,27 Milliarden USD |
| Ort | 2005 | Netto-Profit |
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Texas Texas City | Explosion der größten Erdölraffinerie von BP. Bei der Explosion sterben fünfzehn Menschen, 170 werden verletzt. BP wird vorsätzliche Fahrlässigkeit vorgeworfen – die Verantwortlichen hätten von den Gefahren und Verstößen gegen Sicherheitsbestimmungen gewusst. | 22,62 Milliarden USD |
| Ort | 2006 | Netto-Profit BP |
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Alaska | Eine Pipeline korrodiert, eine Million Liter Öl gelangen ins Meer (Prudhoe Bay). Der Unfall hätte verhindert werden können, wenn BP bei Säuberungsarbeiten und Inspektionen der Pipeline nicht gespart hätte. | 22,28 Milliarden USD |
| Ort | 2008 | Netto-Profit BP |
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Alaska | Zwischen September 2008 und November 2009 wurden drei BP Gas- und Ölpipelines undicht oder verstopften. Das erhöhte das Risiko einer Explosion. | 21,66 Milliarden USD |
| Ort | 2009 | Netto-Profit |
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London | BP bestätigt, dass sich das Unternehmen nie wirklich zu alternativen Energien verpflichtet hat. Solarprojekte in Spanien und den US werden beendet, hunderte Arbeitsplätze gehen verloren. | 16,75 Milliarden USD |
Alaska North Slope | Eine Pipeline wird undicht, sie befördert einen Mix aus Öl, Wasser und Gas. Sechs Hektar der Tundra in Alaska werden verschmutzt. |
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Golf von Mexiko | Transocean - der spätere Betreiber der Ölplattform Deepwater Horizon ist unter den Finalisten für den sogenannten Safe-Preis. Die zuständige Kontrollbehörde vergibt diese Auszeichnung unter anderem für außergewöhnliche Sicherheitsleistungen. |
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Golf von Mexiko | BP Techniker äußern ihre Besorgnis über die Verwendung von bestimmten Metallgehäuseteilen auf der Deepwater Horizon. Die Teile könnten unter sehr hohem Druck versagen. Trotz der Bedenken verwendet BP diese Bauteile, nachdem im Unternehmen eine Sondergenehmigung eingeholt wurde. Die Verwendung dieser Bauteile ist gegen die eigenen Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens. |
| Ort | 2010 | Netto-Profit |
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Alaska | Zwei besorgte Kongressabgeordnete richten einen Brief an BP. Den Abgeordneten zufolge will das Unternehmen BP bei seinen Anlagen Kosten sparen und somit die Sicherheit in den BP-Anlagen einschränken. (Die beiden Abgeordneten haben die Sicherheit und Arbeitsvorgänge von BP seit dem Unfall in der Prudhoe Bay in Alaska 2006 untersucht.) | 6,07 Milliarden USD im 1. Quartal |
Golf von Mexiko | Auf der Deepwater Horizon kommt es zu Problemen. Also informieren BP-Sachbearbeiter über einen Kontrollverlust. Unter anderem entweicht plötzlich Gas (bekannt als kicks) in ungewohnt großen Mengen. Bereits Monate davor gab es besorgte Stimmen über die Sicherheit des Bohrrohrs und des Blowout-Preventers (Bohrlochschieber). Der Blowout-Preventer sollte das Rohr im Notfall von der Seite her kappen und verschließen. |
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Golf von Mexiko | Schon Tage vor der Explosion gibt es laut internen BP Nachforschungen erste Warnzeichen. Unter anderem deuten Anzeigewerte an Messgeräten immer wieder daraufhin, dass Gas durch das Bohrloch nach außen strömt – ein Zeichen für einen möglichen bevorstehenden Ausbruch. |
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Golf von Mexiko | BP-Aufzeichnungen zeigen, dass der Blowout-Preventer Flüssigkeit verliert – laut Erzeuger schränkt dies die normale Funktionsfähigkeit ein. |
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Golf von Mexiko | Die Bohrung soll abgeschlossen und das Rohr verplombt werden. Zement wird in das Rohr gegossen, Bohrschlamm wird nachgefüllt. Ein Druck-Test ergibt nicht zufriedenstellend. Trotzdem will BP die Arbeiten am Bohrloch wie geplant abschließen. |
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Golf von Mexiko | 20. April - Gasaustritt, eine Schlammfontäne schießt aus dem Bohrturm. Die Crew versucht, den Blowout-Preventer auszulösen – er versagt. Die Ölplattform Deepwater Horizon explodiert und versinkt im Anschluss. Der Blowout-Preventer hat versagt – er war nur ein provisorisches Sicherheitsventil.23 Die Folge: elf Tote, siebzehn Verletzte. Schätzungsweise treten täglich bis zu neun Millionen Liter Öl aus (im schlimmsten Fall rechnet man laut einem internen BP-Dokument mit bis zu 15,9 Millionen Liter Öl pro Tag, Stand Juni 2010) . Der Unfall geht als die größte Ölpest der USA in die Geschichte ein. |
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Golf von Mexiko | Eine Stahlkuppel wird über dem Leck installiert, um einen Teil des Öls abzusaugen. Der Versuch scheitert. Man versucht, eine kleinere Kuppel über das Leck zu stülpen. |
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Golf von Mexiko | Die Top-Kill-Methode kommt zum Einsatz: Spezialschlamm und Lehm werden in das Loch gepumpt, um es zu verschließen, anschließend sollte es mit Zement versiegelt werden. Doch das Öl strömt weiter - Methode gescheitert. Also greift BP auf eine andere Methode zurück. Bei dem neuen Verfahren wird das bestehende Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt. Auf die Öffnung soll eine Kuppel gestülpt werden, die einen Großteil des ausströmenden Öls und Gases auffangen und durch eine Leitung zu einem Schiff an der Meeresoberfläche leiten soll. |
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USA | Obama verhängt ein sechsmonatiges Moratorium für Offshore-Bohrungen in Tiefseegewässern. |
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Golf von Mexiko | Die Abdichtung gelingt wie befürchtet nur unzureichend, sodass unterhalb des Trichters weiterhin Öl hervorquillt. Nur ein Bruchteil des ausströmenden Öls kann aufgefangen werden. |
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USA | Das Moratorium für Tiefsee-Ölbohrungen wird auf aufgehoben. |
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Golf von Mexiko | Medien berichten von über 27.000 - davon 600 von BP - verlassenen Bohrlöchern im Golf, die teilweise noch aus den 40er Jahren stammen. Mehr als 1000 sollen in den letzten 10 Jahren unversiegelt gewesen sein. |
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Golf von Mexiko | Ein Frachter namens A Whale soll ölverschmutztes Wasser aufsaugen und reinigen. Es ist jedoch noch nicht geklärt, ob das Schiff das dünne Rohöl tatsächlich verdauen kann. Probleme bereiten auch die Dispersionsmittel, die in großen Mengen ausgebracht wurden, um das austretende Öl zu zersetzen. |
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Golf von Mexiko | Ein neuer Auffangtrichter soll über das Leck gestülpt werden. Der alte Trichter wird entfernt, der neue über das Leck gestülpt und mit einer Absaugvorrichtung auf einem Schiff verbunden. |
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USA | Die US-Regierung verhängt ein neues Verbot für Tiefseebohrungen. Der Bohrstopp soll zunächst bis Ende November gelten. Bis dahin soll geklärt werden, wie es zu dem Unglück vor der US-Küste kommen konnte und wie sich derartige Vorfälle zukünftig verhindern lassen. |
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Golf von Mexiko | Der Ölstrom soll durch zwei Entlastungsrohre im Ölfeld gestoppt werden. |
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Golf von Mexiko | Am 15. Juli meldet BP, das Ölleck sei dicht. Kurze Zeit später die ersten Meldungen von Aussickerungen, die anscheinend von einem anderen Ölfeld stammen. |
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Golf von Mexiko | Anfang August will BP erneut Schlamm und Zement über Entlastungsbohrungen in das Bohrloch pumpen. Etwa fünf Tage später sei dann geplant, die Quelle durch eine Entlastungsbohrung abzudichten. Das bereits ausgeströmte Öl wird weiterhin die Meeresumwelt schädigen und an Land treiben. | Minus 17,2 Milliarden Dollar im 2. Quartal |