Nachhaltigkeitsbarometer 2014

Jugend als Motor der Energiewende

Von wegen politikverdrossen! Der Klimawandel bewegt viele deutsche Jugendliche, das zeigt das Greenpeace-„Nachhaltigkeitsbarometer“. Danach  sind 92 Prozent für die Energiewende. 

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„Es geht um unsere Zukunft“, sagt Johanne. Die 18-Jährige ist einer von vielen jungen Menschen in Deutschland, die der Klimaschutz zurzeit stark bewegt – vielleicht sogar mehr, als die Öffentlichkeit den Jugendlichen zutraut: Wie das zweite Greenpeace-„Nachhaltigkeitsbarometer“ zeigt, ist der Klimawandel Top-Umweltthema der deutschen Jugend. Rund 92 Prozent der 15- bis 24-Jährigen unterstützen ausdrücklich die Energiewende, heißt es in der von Greenpeace in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie der Leuphana Universität Lüneburg.

Johanne engagiert sich seit 2011 bei Greenpeace, absolviert dort zurzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Die Abiturientin spricht sich gegen das Vorurteil aus, junge Deutsche seien politikverdrossen und für Umweltschutz nicht aufgeschlossen: „Sie interessieren sich für ihre Zukunft“, sagt sie. Das habe auch die internationale Anti-Kohle-Kette in der Lausitz gezeigt – für Johanne die beeindruckendste Greenpeace-Aktion zum Klimaschutz. Dabei protestierten im August vergangenen Jahres rund 7.500 Menschen gegen den Braunkohleabbau in der deutsch-polnischen Region,  unter ihnen zahlreiche Jugendliche.

 „Die Jugend ist längst Teil der Energiewende“

Für deren Generation hat der Klimaschutz in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen: Bei der Erhebung für das erste Greenpeace-„Nachhaltigkeitsbarometer“ im Sommer 2011 schätzten 24 Prozent der jungen Menschen den Klimawandel als bedeutend ein – im Sommer 2014 ist er laut der Studie für 33 Prozent das wichtigste Umweltthema. „Diese breite Zustimmung zur Energiewende – unabhängig von Geschlecht, Bildungsgrad, Elternhaus und Wohnsitz – ist besonders erfreulich“, sagt Kerstin Küster, Greenpeace-Expertin für Bildung. „Ob Energiesparen, politisches Engagement oder Mitwirkung in regionalen Energieprojekten – die Jugend von heute ist längst Teil der Energiewende.“

Deshalb setzen sich viele Jugendliche und junge Erwachsene auch aktiv für Klimaschutz ein: Mehr als drei Viertel geben an, den eigenen Stromverbrauch zu reduzieren. 46 Prozent möchten sich in regionalen Energieprojekten einbringen, und rund 24 Prozent wollen die Energiewende  auch politisch unterstützen. Auffällig viele junge Menschen interessieren sich für Ökostrom: Rund 16 Prozent der Befragten beziehen bereits Strom aus erneuerbaren Energien; weitere 70 Prozent möchten zukünftig gern auf Ökostrom umsteigen.

Auch Johanne berichtet von ihrer Eigeninitiative im Alltag. Sie versuche, Strom zu sparen, fahre viel Fahrrad und habe gemeinsam mit ihren Eltern auf Ökostrom umgestellt. In ihrem Umfeld höre sie ebenfalls häufig, dass sich junge Menschen mit alternativer Energiezufuhr beschäftigen. Interessant: Die Jugend ist in diesem Punkt deutlich aufgeschlossener als die ältere Generation – bisher zahlt dort nur etwa jeder fünfte Privathaushalt für grünen Strom.

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung stärken

Unterschiede in der Initiative von Jugendlichen gibt es allerdings zwischen den Bildungsgraden. So wollen sich junge Menschen mit einem höheren Schulabschluss häufiger auch langfristig und politisch engagieren, sich etwa zu gemeinschaftlichen Initiativen zum Klimaschutz zusammenzuschließen. „Wissen über nachhaltige Entwicklung muss endlich auch im Bildungssystem langfristig gefördert werden“, fordert Bildungsexpertin Küster.

In dem Engagement der jungen Deutschen hinsichtlich der Energiewende sieht sie ein großes Potenzial, mit dem die deutsche Politik umgehen muss: „Die junge Generation bewertet die Energiewende als große Chance, den Klimawandel aufzuhalten“, so Küster. „Wer also Jugendliche und junge Erwachsene als Wähler gewinnen will, darf die Energiewende nicht blockieren.“

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