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Ein Artikel von Beate Steffens

Wie hebt man einen 20 Tonnen schweren Finnwal?

Viertel vor sechs in Rostock-Warnemünde. Wir treffen uns mit Mitarbeitern einer Kranfirma aus Groß Schwaß. Es soll ein 17 Meter langer und 20 Tonnen schwerer Finnwal geborgen werden. Das Tier ist vor einigen Tagen in der Nähe von Wismar tot aufgefunden worden. Wir wollen uns ein Bild von dem Wal machen und ihn untersuchen.

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Der Wal liegt im Hafenbecken und ist mit der Fluke am Kai gesichert. Ein 220-Tonnen-Kran, der bis zu 220 Tonnen Gewicht anheben kann, steht bereit. Vier Greenpeace-Taucher steigen in ihre Anzüge, um ins Hafenbecken zu steigen. Sie müssen dem Wal breite Riemen zum Anheben anlegen. Immer mehr Menschen tauchen am Kai auf, darunter viele Journalisten. Die Bergung des Finnwals wird zu einem Medienereignis.

Gegen sieben gehen die Taucher erstmals ins Wasser. Die beiden vorgesehenen Riemen werden auf passender Höhe bereitgelegt und langsam ins Hafenwasser gelassen. Sie werden unter dem Wal hindurchgezogen und miteinander befestigt. Der tote Finnwal liegt darin wie in einer doppelten Schaukel. Dann wird er langsam, ganz langsam, angehoben.

Es klappt alles wie vorgesehen - meinen wir. Fangen schon an uns zu freuen. Der Wal schwebt bereits drei, vier Meter über der Wasseroberfläche. Und das gleich beim ersten Versuch. Super! Aber zu früh gefreut. Auf einmal - ganz langsam - rutscht der Wal aus seiner Schaukel heraus. Es gibt ein lautes Klatschen, Wasser spritzt in alle Richtungen und der Wal ist weg!

Rund um schaue ich in dumme Gesichter, und ich schau nicht besser aus meinen Augen. Na, das war wohl nichts. Einige der Umstehenden sind richtig nass geworden. Bei Schnee und einigen Graden unter Null sehr unangenehm. Und vom Wal ist nichts mehr zu sehen. Er ist auf den Grund des Hafenbeckens abgetaucht. Zum Glück war er mit Seilen gesichert. Sonst wäre eine Bergung nicht mehr möglich.

Eine Stunde später wird ein zweiter Versuch gestartet. Diesmal soll der Wal an drei Punkten fixiert werden. Wieder steigen die Taucher ins Wasser, der Finnwal wird langsam gehoben, die breiten Riemen um ihn gelegt. Jetzt werden sie aber so befestigt, dass sie sich selbst festziehen. Die Fluke wird gesondert gesichert.

Und wieder geht es aufwärts, vorsichtig - und es läuft, wie es laufen soll. Der Finnwal bleibt in seiner Sicherung. Noch ein kleiner Zwischenaufenthalt auf ebener Erde, dann wird der Wal auf eine Sattelzug verladen. Nach rund sieben Stunden in eisiger Kälte liegt der Finnwal in Plane verpackt auf dem LKW und macht sich mit Ralf, dem Fahrer, auf den Weg nach Berlin.

Ach, und danke Ralf, du warst wirklich klasse! Tolle Tour :-)

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